{"id":17207,"date":"2006-10-19T08:56:11","date_gmt":"2006-10-19T08:56:11","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/jacques-berndorf-eifel-kreuz\/"},"modified":"2022-06-07T15:00:29","modified_gmt":"2022-06-07T13:00:29","slug":"jacques-berndorf-eifel-kreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/jacques-berndorf-eifel-kreuz\/","title":{"rendered":"Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Eifelkrimis des Michael Preute alias Jacques Berndorf befinden sich l\u00e4ngst jenseits der Kritik. Ein Verriss wird ihm kaum Leser abspenstig machen, ein enthusiastisches Lob kaum neue zuf\u00fchren. Berndorfs Romane sind \u2013 nein, nicht Kult (inzwischen ist ja fast alles Kult), sie sind Rituale, Gottesdienste, deren Ordnung sich seit dem ersten Auftauchen des Pfeifenfetischisten Siggi Baumeister keine Spur ver\u00e4ndert hat. Man kann das nur konstatieren; aber kritisieren?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gottesdienst ist das Stichwort. In \u201eEifel-Kreuz\u201c geht es, der Titel schon legt es nahe, um die Kirche. Die katholische, genauer gesagt. Ein achtzehnj\u00e4hriger Gymnasiast wird gekreuzigt aufgefunden, zuvor hat man ihm eine Kugel in den Kopf geschossen, auch einer jungen Frau, die man zur gleichen Zeit im Wald entdeckt, ist dieses Schicksal zuteil geworden. Sofort formiert sich die alte Trutz- und Wagenburg des Guten in der gar nicht mehr so idyllischen Eifel. Baumeister und seine Seniorenriege (Rodenstock, Emma, Tante Annie) nebst jugendlicher Verst\u00e4rkung in Gestalt von Baumeisters Tochter, die erkannt hat, lesbisch zu sein und mit Freundin anr\u00fcckt. Im Verlauf der Geschichte werden weitere Personen zu dieser Allianz des Guten sto\u00dfen, die abg\u00e4ngige Tochter liebloser Eltern etwa, auch die Frau eines Lehrers, der Selbstmord begangen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kennen wir alles. Auch die unrealistisch reibungslose Zusammenarbeit mit der Polizei, die Bereitwilligkeit von Zeugen, alles auszusagen, was der Wahrheitsfindung dient, der ziemlich \u00fcberzogene Schluss. Die katholische Kirche ger\u00e4t ins Visier der Ermittler, ihre Untaten und dubiosen Gesch\u00e4fte, die auch vor Zwangsprostitution nicht haltmachen (wir befinden uns unmittelbar vor der Fu\u00dfballweltmeisterschaft, die ja angeblich auch zur Weltmeisterschaft der k\u00e4uflichen Liebe werden sollte). Was uns Berndorf hier erz\u00e4hlt, ist aller Ehren wert. Er ortet den Katholizismus mit seinen Zw\u00e4ngen als einen der Gr\u00fcnde f\u00fcr die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit der Eifel, was ihm dort keine Freunde machen d\u00fcrfte, aber an hei\u00dfen Themen verbrennt sich der Journalist Preute gerne die Finger, sei es nun Umweltverschmutzung, Milit\u00e4rgehabe oder Imkreisherumfahren lauter Rennenwagen. Nur bleibt es doch immer journalistischer Aufkl\u00e4rungsimpuls, eine literarische Bearbeitung der Stoffe findet nicht statt und w\u00e4re vom Berndorf-Publikum so auch kaum erw\u00fcnscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dennoch: Berndorf hat es geschafft, im Laufe der Jahre die Eifel als einen Ort zu etablieren, an dem man Gut und B\u00f6se h\u00fcbsch sauber voneinander getrennt in ihrem ewigen Kampf studieren kann. Man muss ihm zugute halten, dass er seinen Schauplatz dabei nicht missbraucht. Obwohl die Eifelkrimis jenen Boom des \u201eRegionalkrimis\u201c bescherten, der uns wiederum mit schrecklichster Feierabendprosa begl\u00fcckte, mag man Berndorf f\u00fcr diese Entwicklung nicht verantwortlich machen. Seine Eifel ist nicht einfach nur fremdverkehrsamtlich ausgeschlachtete Kulisse, kein Marketingprodukt. Sie ist der Ort, an dem solide, durchaus unterhaltsame Krimis spielen \u2013 die man m\u00f6gen kann, aber nicht m\u00f6gen muss. Hinter denen ein professioneller Autor mit wackeren Absichten steht, dem es gelingt, Atmosph\u00e4ren zu schaffen, wie sie Krimifreunde nun einmal m\u00f6gen: klare Fronten, schlimme Verbrechen mit garantierter S\u00fchne, h\u00fcbsche Landschaften und Identifikationsfiguren aus dem Bilderbuch der Lesepsychologie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"130\" height=\"224\" class=\"rbild\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/cover\/eifel_t.jpg\"\/> <\/p>\n\n\n\n<p>Berndorfs Status erhellt auch der von Grafit-Verleger Rudger Boo\u00df herausgegebene Band \u201eEifel-T\u00e4ter\u201c, eine reichbebilderte Hommage an den Autor anl\u00e4sslich seines 70. Geburtstages. Dieser erweiterte und akualisierte Band, der erstmals zum 65. Berndorfs aufgelegt worden war, verbindet stimmungsvoll fotografierte Eifellandschaft, Autoransichten und Fanverbeugungen zu einem schl\u00fcssigen Bild. Idylle inmitten der rauen Gegenwart, genau austariert, gem\u00fctlich und verworren zugleich. Wie die Eifelkrimis. Das ist \u2013 ja doch, nennen wir es am Ende wirklich so: Kult. F\u00fcr die Anh\u00e4nger der einzig wahren Berndorf-Kirche, die mit &#8222;Eifel-Kreuz&#8220; sogar erstmals eine Eifel-Bibel in gebundener Form mit Schutzumschlag in H\u00e4nden halten k\u00f6nnen. Halleluja!<br \/><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz. <br \/>Grafit 2006. 315 Seiten. 17,90 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><br \/>Rutger Boo\u00df (Hrg.): Jacques Berndorf - Eifel-T\u00e4ter. <br \/>Grafit 2006. 176 Seiten. 14 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Eifelkrimis des Michael Preute alias Jacques Berndorf befinden sich l\u00e4ngst jenseits der Kritik. Ein Verriss wird ihm kaum Leser abspenstig machen, ein enthusiastisches Lob kaum neue zuf\u00fchren. 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