{"id":17208,"date":"2006-10-18T15:58:03","date_gmt":"2006-10-18T13:58:03","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/wiedergelesen-patricia-highsmiths-ripleys-game\/"},"modified":"2022-06-13T16:59:44","modified_gmt":"2022-06-13T14:59:44","slug":"wiedergelesen-patricia-highsmiths-ripleys-game","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/wiedergelesen-patricia-highsmiths-ripleys-game\/","title":{"rendered":"Wiedergelesen: Patricia Highsmiths Ripley\u00b4s Game"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe lange gebraucht, bis ich <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Patricia_Highsmith\">Patricia Highsmith<\/a> lesen konnte. Erst schaute ich ein Jahrzehnt lang auf ihre B\u00fccher runter, weil ich sie zu kalt und zu blass fand. Dann schaute ich ein weiteres Jahrzehnt auf ihre Ripleyb\u00fccher runter, weil ich sie zu kalt und zu blass fand. Jetzt also \u2013 noch mal Kommando zur\u00fcck \u2013 gefallen mir auch die Ripleyb\u00fccher. Ich habe keine Ahnung, was ich gegen sie hatte. Sie sind typisch Highsmith und haben die gleiche Grundthese: Das B\u00f6se ist in uns, nicht au\u00dfer uns. Das macht sie spannend. Ihre Helden sind immer Schw\u00e4chlinge, mehr oder minder sympathisch. Keiner bei Highsmith hat sich im Griff, keiner produziert coole Spr\u00fcche; und alle sind irgendwie gef\u00fchlsarm.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Patricia_Highsmith#Tom_Ripley\">Tom Ripley<\/a> ist Hehler und Dealer und Auftragskiller. Er hasst Morde. Er hasst es, wenn sie ihn anrufen und wieder was f\u00fcr ihn haben. Morden ist stressig und gef\u00e4hrlich und man muss furchtbar gescheit sein (weil einem immer einer draufkommt) \u2013 und ist doch nie gescheit genug. Ripleys Morde fangen schrecklich an und sie h\u00f6ren schrecklich auf und sie ziehen immer mehr Morde nach sich. Deswegen auch die vielen Fortsetzungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es begann mit dem Ursprungsmord an Richard Greenleaf, den Tom sehr mochte, aber irgendwann ging er \u201eDickie\u201c auf den Wecker, ach, und wie das halt so ist, dann gibt ein Wort das andere und irgendwann zieht Tom Dickie eins \u00fcber den Kopf. So sterben ein Haufen Leute durch Tom Ripleys Hand, oft will er\u00b4s gar nicht (besonders nicht, wenn er die Leute gern hat), aber manchmal schon. Der Mann befasst sich eigentlich viel lieber mit Malerei und klassischer Musik. Viele versucht er noch durch <em>Vernunft<\/em> dazu zu bewegen, dass er sie nicht aus dem Weg r\u00e4umen muss \u2013 aber wie die Leute eben so sind: Sie hauen nicht ab, sie lassen nicht locker und irgendwann will Tom auch mal wieder seine Ruhe haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Er lebt n\u00e4mlich sehr sch\u00f6n in Frankreich in einem Herrenhaus auf dem Land mit einer wunderbaren Frau. In \u201eRipley`s Game \u2013 Der amerikanische Freund\u201c hat Tom einen Bilderrahmer in seinem Ort auf dem Kieker, der ihn nicht leiden kann. Trevanny kann ihn nicht leiden, weil er geh\u00f6rt hat, dass er Leute umgebracht hat. Das stimmt zwar, \u00e4rgert Tom aber trotzdem, denn <em>wissen<\/em> kann er`s nicht, und \u00fcberhaupt, was spielt er da den Moralisten in seinem kleinen Bilderrahmenladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages ruft (mal wieder) Reeves Minot aus Hamburg an, zwei Mafiosis sollen umgebracht werden, in Deutschland. Tom hat keine Lust dazu, er versucht gerade, seine Frau aufs Bild zu bannen (die sich zu viel bewegt, es gelingt nicht). Also schickt er Reeves Minot zu diesem Bilderrahmer Trevanny weiter. Das ist eine ziemlich groteske Idee, denn der Bilderrahmer f\u00fchrt ein sehr unauff\u00e4lliges Leben, er hat Frau und Sohn, ein kleines Haus, aber Tom Ripley will &#8211; schlecht gelaunt &#8211; beweisen, dass der Bilderrahmer, der ihn nicht leiden kann, genauso korrumpierbar ist wie er selbst \u2013 wenn man ihm nur Geld bietet f\u00fcr einen Mord.<\/p>\n\n\n\n<p>Recht hat er. Der Bilderrahmer ist zwar ein durch und durch liebensw\u00fcrdiger Mensch (wie Tom auch) und gibt alten Omis Rabatte auf Rahmen, aber sein Haus ist nicht abbezahlt, die Ausbildung des Sohns nicht finanziert und seine Frau k\u00f6nnte mal wieder ein neues Kleid gebrauchen. Nat\u00fcrlich l\u00e4ge nichts diesem kultivierten Mann ferner, als Menschen f\u00fcr Geld umzubringen \u2013 und doch: Weil er krank ist und Geld braucht, macht er`s dann eben doch.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende sind die beiden Mafiosi tot (\u201eDie habens doch nicht besser verdient, oder?\u201c, rechtfertigt sich Bilderrahmer Jonathan) und noch ein paar andere mehr. Tom hat einen amoralischen Sieg \u00fcber den Bilderrahmer davon getragen und \u00fcber seine zickige Ehefrau auch, die ihn in der letzten Szene anspuckt, aber trotzdem das Auftragskillergeld beh\u00e4lt. Sie sch\u00e4mt sich ein bisschen, dass sie\u00b4s tut &#8211; na und? Kein Grund, das Geld in den Wind zu schie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Falls jemandem der (ziemlich-weit-hergeholte-aber-macht-nichts-) Plot bekannt vorkommt \u2013 Wim Wenders hat \u201eRipley\u00b4s Game\u201c als <a href=\"http:\/\/www.wim-wenders.com\/movies\/movies_spec\/theamericanfriend\/the_american_friend.htm\">&#8222;Der amerikanische Freund&#8220; <\/a>verfilmt. Bruno Ganz gef\u00e4llt mir allerdings als Bilderrahmer Jonathan Trevanny wesentlich besser als Dennis Hopper in der Rolle von Tom Ripley (der mehr \u201eBorn to be wild\u201c als Highsmith spielt), aber gegen Bruno Ganz zu spielen ist nat\u00fcrlich auch eine Aufgabe. (Noch schlechter besetzt war Ripley durch den immer pubertierenden Matt Damon in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_talentierte_Mr._Ripley_%28Film%29\">\u201eDer talentierte Mr. Ripley\u201c<\/a>, da wurde er von dem <a href=\"http:\/\/www.moviemaze.de\/celebs\/66\/1.html\">a-tem-be-rau-ben-den Jude Law <\/a>an die Wand gespielt).<\/p>\n\n\n\n<p>John Malkovich hat den Ripley noch verk\u00f6rpert \u2013 und aus dem Bauch raus w\u00fcrde ich sagen, das k\u00f6nnte passen. Aber den Film habe ich noch nicht gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anobella<br \/>* steckt ihr Buch in <em>ihre<\/em> Kiste zur\u00fcck<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe lange gebraucht, bis ich Patricia Highsmith lesen konnte. Erst schaute ich ein Jahrzehnt lang auf ihre B\u00fccher runter, weil ich sie zu kalt und zu blass fand. Dann schaute ich ein weiteres Jahrzehnt auf ihre Ripleyb\u00fccher runter, weil ich sie zu kalt und zu blass fand. 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