{"id":17218,"date":"2006-10-25T08:02:03","date_gmt":"2006-10-25T08:02:03","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/sebastian-fitzek-die-therapie\/"},"modified":"2022-06-15T00:40:21","modified_gmt":"2022-06-14T22:40:21","slug":"sebastian-fitzek-die-therapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/sebastian-fitzek-die-therapie\/","title":{"rendered":"Sebastian Fitzek: Die Therapie"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Unser Rezensenten-Auszubildender Jochen K\u00f6nig steckt noch voller Enthusiasmus. Er bevorzugt das kritische method acting, das Sich-Hineinversetzen in einen Text, bis er ihn vollst\u00e4ndig durchdrungen und verinnerlicht hat. Beispiel: Sebastian Fitzeks Psychothriller &#8222;Die Therapie&#8220;. Wir konnten den jungen wilden K\u00f6nig nicht davon abbringen, sich bezwecks Milieustudie f\u00fcr zwei Wochen in eine psychiatrische Klinik zu begeben. Heute, drei Monate sp\u00e4ter, ist er immer noch drin, es k\u00f6nne noch etwas dauern, schreibt er uns und schickt seine Rezension, die wir an dieser Stelle abdrucken. Wir hoffen, Herrn K\u00f6nig zur Weihnachtsfeier 2007 wieder wohlauf in unserer Mitte begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen.)<\/em><br \/><em>\u201ePsychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, f\u00fcr deren Therapie sie sich h\u00e4lt\u201c, <\/em>spottete Karl Kraus schon 1913. \u201eDie Therapie\u201c liest sich wie ein Beleg dieses Zitates.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die imagin\u00e4re Insel Parkum w\u00e4hrend eines Sturms, ein pausierender Psychiater mit posttraumatischern Stresssymptomen, eine Patientin mit schizophrenen Wahnvorstellungen, zwischen beiden die 12j\u00e4hrige Tochter des Psychologen, vier Jahre zuvor verschwunden unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das birgt Spannung, Dramatik, Konflikte. Und tats\u00e4chlich: spannend ist es durchaus. Sonntagabend, eine Couch, Knabberzeug raus, das Getr\u00e4nk der Wahl anbei und Seite f\u00fcr Seite den fiebrigen Erlebnissen des Dr. Viktor Larenz gefolgt. Da macht es gar nichts, den Directors Cut von \u201eThe Sixth Sense\u201c dem DVD-Player vorenthalten und den sonnt\u00e4glichen Tatort verpasst zu haben. Momente aus beidem finden sich in Fitzeks Buch wieder. Provinzielle Ermittlungsarbeit und laues Hantieren mit Zwischenwelten. Dabei sind die Schilderungen vom geistigen und k\u00f6rperlichen Zerfall der Protagonisten auf dieser sturmumtosten Insel gelungen, Momente der Unsicherheit zu inszenieren gelingt Fitzek wesentlich besser, als eine d\u00fcstere Geschichte konsequent durch die wogende See nach Hause zu schaukeln. Zwar bietet er einen Schluss, der die Erwartungshaltung des Lesers befriedigen kann (immerhin hat der so was schon lange vorher gewusst oder zumindest geahnt), torpediert das Ganze aber mit einer gegenl\u00e4ufigen Pointe, die ebenso schal wie unglaubw\u00fcrdig ist. So entpuppt sich \u201eDie Therapie\u201c am Ende als blo\u00dfes Konstrukt, das Richtung Kinoleinwand schielt, aber realiter nur f\u00fcr\u2019s kleine Fernsehspiel ausreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was au\u00dferdem nervt: obwohl er weitgehend effektiv schreibt, kann Fitzek nicht umhin, ab und an Ank\u00fcndigungen f\u00fcr kommende Gro\u00dfereignisse zu machen (die dann so gro\u00df nat\u00fcrlich nicht sind, oder gar nicht eintreffen). \u201eEs sollte noch gut vier Tage dauern, bis er die Antwort erfuhr. Leider zu einem Zeitpunkt, als f\u00fcr ihn bereits alles zu sp\u00e4t war.\u201c Das taugt allenfalls f\u00fcr die Kirmes, sorgt aber selbst dort f\u00fcr Ern\u00fcchterung, wenn sich die angepriesene furchterregende Geisterbahn als missratener Spr\u00f6ssling der Augsburger Puppenkiste herausstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jochen K\u00f6nig, eine Neurose ist eine Neurose ist eine Neurose, Mitte Oktober 2006<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Sebastian Fitzek: Die Therapie. <br \/>Knaur 2006. 335 Seiten. 7,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Unser Rezensenten-Auszubildender Jochen K\u00f6nig steckt noch voller Enthusiasmus. Er bevorzugt das kritische method acting, das Sich-Hineinversetzen in einen Text, bis er ihn vollst\u00e4ndig durchdrungen und verinnerlicht hat. Beispiel: Sebastian Fitzeks Psychothriller &#8222;Die Therapie&#8220;. 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