{"id":17232,"date":"2006-10-31T07:38:28","date_gmt":"2006-10-31T07:38:28","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/jake-lamar-rendezvous-eighteenth\/"},"modified":"2022-06-15T00:44:36","modified_gmt":"2022-06-14T22:44:36","slug":"jake-lamar-rendezvous-eighteenth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/jake-lamar-rendezvous-eighteenth\/","title":{"rendered":"Jake Lamar: Rendezvous Eighteenth"},"content":{"rendered":"\n<p>Leser der Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo hatte der Zorn und die Wut, die sich in den Krawallen der unterprivilegierten Einwanderer in den franz\u00f6sischen Banlieues letztes Jahr artikulierten, nur wenig \u00fcberrascht. Rickie Jenks aus Jack Lamars Buch \u201eRendezvous Eighteenth\u201c, jedoch, seit Jahren in Paris lebender Afroamerikaner, hatte nie Rassismus in Paris erlebt. Was wohl daran l\u00e4ge, so meint seine afro-marokkanische Freundin, dass sein Gang, sein Auftreten und sein Akzent ihn als US-Amerikaner identifizieren und diese seien halt, im Gegensatz zu den afrikanischen Br\u00fcdern, auch schwarz noch hoch willkommen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Paris also als Fluchtpunkt. Keine Schikane durch die Polizei und relaxtes Leben. Jenks hat dort wieder zu sich gefunden, hat sein Auskommen und seit gewisser Zeit auch eine Freundin. Er war aus den USA \u00b4r\u00fcbergekommen, nachdem er dort am Traualtar auf die Anzutrauende vergeblich gewartet hatte und diese sich l\u00e4ngst mit seinem Cousin, dem Idol der Familie \u00fcber alle Berge gemacht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich ruft eben jener Cousin bei Jenks an und bittet ihn um seine Hilfe. Widerwillig nur erkl\u00e4rt sich Jenks bereit, dessen in Paris abgetauchte Ehefrau zu suchen. Und w\u00e4hrend er sich auf die Suche begibt, stolpert er im Hausflur \u00fcber die Leiche einer transsexuellen Prostituierten und bezieht infolge dessen mehr Aufmerksamkeit durch die Pariser Polizei als ihm lieb ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine derartige Aufmerksamkeit w\u00fcrde er sich auch durch seine Freundin w\u00fcnschen, diese jedoch teilt ihm mit, dass sie schwanger ist und nicht so recht wisse, ob sie das Kind wolle und wie es mit ihnen beiden weiter gehen soll, schlie\u00dflich sei er kein Moslem.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles h\u00f6rt sich an wie das Rezept f\u00fcr einen der typischen zeitgen\u00f6ssischen Krimis und genau das ist \u201eRendezvous Eighteenth\u201c auch. Sein \u201eforte\u201c liegt weniger im R\u00e4tselteil: Die R\u00e4tselarbeit ist etwas z\u00e4h und nicht besonders gut im sonstigen Geschehen eingebunden und die Aufl\u00f6sung am Ende wirkt, um es milde auszudr\u00fccken, etwas weit hergeholt. Die Verwicklungen Jenks mit seiner Freundin, einer emanzipierten und kulturell festverankerten Muslimen, seine Geborgensein in der starken afroamerikanischen Gemeinschaft und Paris selber sorgen allerdings daf\u00fcr, dass \u201eRendezvous Eighteenth\u201c mit einem Extrapfund Atmosph\u00e4re wuchern kann. Im Gegensatz zu anderen amerikanischen Autoren, die Paris in den Zentrum ihrer B\u00fccher stellen, wei\u00df Jake Lamar auch genau wovon er schreibt, schlie\u00dflich lebt er seit \u00fcber zehn Jahren in der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRendezvous Eighteenth\u201c ist ein Buch, dessen Beurteilung dem Leser schwer f\u00e4llt. Die gelungene Atmosph\u00e4re strahlt literarisches Qualit\u00e4t aus, Spannung will aber nicht so recht aufkommen. Mit einem spannenden und knackigen Krimiplot k\u00f6nnte der Autor es weit bringen. Einen weiteren Leseversuch, so scheint es, ist Jake Lamar deshalb noch wert.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Jake Lamar: Rendezvous Eighteenth. \nSt. Martin\u00b4s Minotaur 2005. 311 Seiten. 13,50 \u20ac \n(bisher keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leser der Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo hatte der Zorn und die Wut, die sich in den Krawallen der unterprivilegierten Einwanderer in den franz\u00f6sischen Banlieues letztes Jahr artikulierten, nur wenig \u00fcberrascht. Rickie Jenks aus Jack Lamars Buch \u201eRendezvous Eighteenth\u201c, jedoch, seit Jahren in Paris lebender Afroamerikaner, hatte nie Rassismus in Paris erlebt. 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