{"id":17257,"date":"2006-11-08T07:33:45","date_gmt":"2006-11-08T07:33:45","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/11\/harlan-coben-keine-friede-den-toten\/"},"modified":"2022-06-15T00:39:43","modified_gmt":"2022-06-14T22:39:43","slug":"harlan-coben-keine-friede-den-toten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/11\/harlan-coben-keine-friede-den-toten\/","title":{"rendered":"Harlan Coben: Keine Friede den Toten"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Nachwuchskritiker Jochen K\u00f6nig, dessen trauriges Schicksal \u2013 seit Monaten wegen fortgeschrittener Harlancobenphobie in psychiatrischer Behandlung \u2013 wir an dieser Stelle schon beklagten, hat uns nun ein weiteres Indiz f\u00fcr seine schwere Erkrankung zukommen lassen. Eine Rezension wie aus dem \u00c4rmel der Zwangsjacke gesch\u00fcttelt \u2013 die Ausbildung bei \u201ewatching the detectives\u201c l\u00e4sst sich nicht verleugnen. Jochen, wir halten zu dir!)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sein Thema ist ein redliches: die Br\u00fcchigkeit der Existenz, das Spiel mit dem Nichts-ist-wie-es-scheint. Was Harlan Coben allerdings daraus macht ist ein pl\u00fcschiges Kasperletheater. Eigentlich k\u00f6nnte hier erneut die Rezension zu \u201eNo second chance\u201c stehen. Nein, gelogen, \u201eThe innocent\u201c ist besser als jener uns\u00e4gliche Roman, aber nicht so unterhaltsam wie Grace Lawsons Abenteuer in der imponderablen Welt der zerflie\u00dfenden Konturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Handlung: Matt Hunter, juveniler Totschl\u00e4ger aus Versehen, trifft Jahre nach seiner Entlassung aus dem Gef\u00e4ngnis seine gro\u00dfe Liebe wieder, heiratet sie, k\u00f6nnte gl\u00fccklich werden, wenn nicht die Geister der Vergangenheit ein w\u00fctendes Auge auf ihn und seine bezaubernde Olivia geworfen h\u00e4tten. Und so wird er aus seiner gegl\u00fcckten Resozialisierung und der Sehnsucht nach sch\u00f6nerem Wohnen gerissen. Denn die G\u00f6ttergattin ist nicht das, was sie zu sein scheint. Au\u00dferdem hat die \u2013 diesmal nicht ganz so tumbe &#8211; Polizei auch ihre Vorbehalte gegen Matts R\u00fcckkehr ins b\u00fcrgerliche Langweilerleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der viel zu langen Einleitung, die die Befindlichkeiten des Protagonisten akribisch auslotet, reiht sich dramatisches Epis\u00f6dchen an dramatisches Epis\u00f6dchen und am Ende hagelt es Aufl\u00f6sungen, Familienzusammenf\u00fchrungen und Gl\u00fcckseligkeiten, so weit das Auge reicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist mitunter spannend, manchmal komisch \u2013 ehrlich gesagt nur einmal: in der deutschen Version auf Seite 126. Ein einsamer Witz, aber ein Guter. Aber meistens nur dicke Backen Literatur, die keine nachvollziehbaren Personen kennt, sondern lediglich ein scheinbar spektakul\u00e4res Panoptikum. Kurzes Beispiel gef\u00e4llig:? Da reicht es nicht, dass eine der Hauptfiguren eine dirty Dancerin war, die ihrem chromstangenbestimmten Schicksal entkommen will, nein, sie muss mit fr\u00fcher Schwangerschaft gesegnet sein, ihren Tod vort\u00e4uschen und trotz nicht erfahrener Schul- und Universit\u00e4tsbildung einen tollen Job bekommen. Dass eine derartige Selbstverleugnung nicht gut gehen kann, ist Cobens Lesern klar, nat\u00fcrlich wird die Identit\u00e4tsfl\u00fcchtige eines sch\u00f6nen Tages enttarnt \u2013 wobei eine Nonne mit Brustimplantaten eine gewichtige Rolle spielt -, und eingeholt von einer Vergangenheit, die ihr die Pest an den Hals w\u00fcnscht. Gl\u00fccklicherweise kennt jemand den unbekannten Country Hit \u201eStand by your woman\u201c und verh\u00e4lt sich dementsprechend.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will nicht entschl\u00fcsseln, warum sich Cobens Figuren verhalten wie sie es tun, die Antwort ist eh immer gleich: weil die Storyline es so verlangt. Wenn die Geschichte aber nur als wenig am\u00fcsante Satire auf g\u00e4ngige Spannungsliteratur taugt, verh\u00e4lt es sich mit den handelnden Personen entsprechend. Wenn keine Satire geplant war, haben wir ein Problem: weder gen\u00fcgend Spannung f\u00fcr\u2019s Drama, noch ausreichend Witze f\u00fcr eine Kom\u00f6die. Rund 460 Seiten von irgendwas. Bedrucktes Papier. Danksagungen am Schluss. Ist okay. Blo\u00df: wof\u00fcr?<\/p>\n\n\n\n<p>Dann, als Zugabe \u2013 hat denn jemand geklatscht??? &#8211; eine Myron Bolitar (Sportagent und Cobens Serienheld) Kurzgeschichte, deren Pointe darauf beruht, dass man w\u00e4hrend des Lesens nichts sieht. Na ja. Macht nicht gerade Appetit auf die viel gelobten und mit diversen Preisen ausgezeichneten Romane.<\/p>\n\n\n\n<p>PS.: Und wieder mal gelingt Coben mit Cingle Shaker eine interessante Nebenfigur, der man gerne mehr Raum w\u00fcnscht. Doch ganz im Gegenteil: je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr verblasst die Guteste. Erz\u00e4hlerische \u00d6konomie ist etwas anderes.<\/p>\n\n\n\n<p>Jochen K\u00f6nig, aka Prisoner No. 6<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Harlan Coben: Keine Friede den Toten. Goldmann 2006 <br \/>(Original: \"The Innocent\" 2005, deutsch von Gunnar Kwisinski). <br \/>478 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachwuchskritiker Jochen K\u00f6nig, dessen trauriges Schicksal \u2013 seit Monaten wegen fortgeschrittener Harlancobenphobie in psychiatrischer Behandlung \u2013 wir an dieser Stelle schon beklagten, hat uns nun ein weiteres Indiz f\u00fcr seine schwere Erkrankung zukommen lassen. Eine Rezension wie aus dem \u00c4rmel der Zwangsjacke gesch\u00fcttelt \u2013 die Ausbildung bei \u201ewatching the detectives\u201c l\u00e4sst sich nicht verleugnen. 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