{"id":17267,"date":"2006-11-14T07:24:28","date_gmt":"2006-11-14T07:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/11\/michael-connelly-the-lincoln-lawyer\/"},"modified":"2022-06-09T21:33:37","modified_gmt":"2022-06-09T19:33:37","slug":"michael-connelly-the-lincoln-lawyer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/11\/michael-connelly-the-lincoln-lawyer\/","title":{"rendered":"Michael Connelly: The Lincoln Lawyer"},"content":{"rendered":"\n<p>Wieder einmal hat Michael Connelly seinen Serienhelden Harry Bosch im Stich gelassen und mit \u201eThe Lincoln Lawyer\u201c einen Krimi geschrieben, der ein wenig quer zu den \u00fcblichen Regeln des Genres steht. Diese Buch um den Strafverteidiger Mickey Haller, mit seinen gut gemachten Gerichtsszenen kann man als Gerichtsdrama lesen; aber eigentlich ist Haller nicht nur ein Anwalt der um seine Mandanten k\u00e4mpft, sondern er ist selber ein Beteiligter, einer der pl\u00f6tzlich f\u00fcr sich selber k\u00e4mpfen muss. \u201eThe Lincoln Lawyer\u201c ist deshalb wohl eher als Thriller denn als Gerichtsdrama zu bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Tief steigt der Leser ein in den Alltag Mickey Hallers. Seine Aufgabe ist es, schuldige Mandanten \u00b4rauszupauken oder zumindest deren Strafma\u00df zu reduzieren. Fakten oder die Wahrheit interessieren ihn nicht und nie w\u00fcrde er einen Mandanten fragen, ob dieser die Tat begangen hat, deren er beschuldigt wird. Hallers gr\u00f6\u00dfte Angst ist, dass einer seiner Mandanten unschuldig sein k\u00f6nnte, denn so ein Angeklagter k\u00f6nnte nur verlieren. Und so streitet er im Gerichtssaal auch nicht \u00fcber Fakten, sondern er versucht alles, um Zeugen unglaubw\u00fcrdig zu machen und die Legitimit\u00e4t der Ermittlungen in Zweifel zu ziehen. Strafverfahren also als zynische Theaterst\u00fccke. Starker Tobak das. Nicht dass so ein Ansatz ganz neu w\u00e4re, aber in einer so klaren Ansprache ist es selten zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht es im ersten Drittel des Buches noch relativ unspektakul\u00e4r und undramatisch zu, ist sie dann aber pl\u00f6tzlich da, die dem Autor eigene \u201eConnelly-Spannung\u201c: Packend, emotional dicht, komplex. Einer seiner F\u00e4lle entwickelt sich zum Albtraum, und Haller, der sonst Menschen manipuliert, wird selber zum Spielball eines Anderen. Das Buch, welches unkonventionell anfing, entwickelt sich auf hohem Niveau konventionell weiter und \u00fcberrascht, insbesondere im Mittelteil, durch zahlreiche, die Geschichte zunehmend komplexer machende Wendungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jederzeit spannend, humorvoll und konsequent in der (widerlichen) Darstellung des Rechtssystems. \u201eThe Lincoln Lawyer\u201c hat einen starken Drive. In den Gerichtsszenen ist das Buch streckenweise [man kann es nicht anders bezeichnen] brilliant. Michael Connelly legt mit dem \u201eLincoln Lawyer\u201c eines der herausragenden B\u00fccher des Jahres vor. Ohne Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Man mag Connelly als einen der letzten Vertreter des klassischen amerikanischen Krimis beschreiben, der seinen Krimi keiner Agenda unterordnet. Und so \u00fcberrascht es nicht, dass, obwohl diese Geschichte nicht ohne Folgen f\u00fcr das Weltbild Hallers bleibt, der sich zum <em>inhaltlich<\/em> engagierteren Strafverteidiger wandelt, \u201eThe Lincoln Lawyer\u201c kein Psychogramm dieser Wandlung ist. So wird er z.B. anf\u00e4nglich als Vater geschildert, der keine Zeit f\u00fcr seine, bei seiner fr\u00fcheren Frau lebende Tochter hat, sp\u00e4ter jedoch sorgt er um so intensiver um diese Tochter. Diese Wandlung passiert; sie ist aber nicht Programm des Buches.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Michael Connelly: The Lincoln Lawyer. <br \/>Time Warner 2006. 516 Seiten. 8,30 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal hat Michael Connelly seinen Serienhelden Harry Bosch im Stich gelassen und mit \u201eThe Lincoln Lawyer\u201c einen Krimi geschrieben, der ein wenig quer zu den \u00fcblichen Regeln des Genres steht. 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