{"id":17307,"date":"2006-11-30T07:55:30","date_gmt":"2006-11-30T07:55:30","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/11\/laura-lippman-gefaehrliche-engel\/"},"modified":"2022-06-07T14:54:54","modified_gmt":"2022-06-07T12:54:54","slug":"laura-lippman-gefaehrliche-engel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/11\/laura-lippman-gefaehrliche-engel\/","title":{"rendered":"Laura Lippman: Gef\u00e4hrliche Engel"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Laura-Lippman-Gefaehrliche-Engel.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Laura-Lippman-Gefaehrliche-Engel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-24677\" width=\"175\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Laura-Lippman-Gefaehrliche-Engel.jpg 289w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Laura-Lippman-Gefaehrliche-Engel-87x150.jpg 87w\" sizes=\"(max-width: 289px) 100vw, 289px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Laura Lippman, so schrieb der Rezensent anl\u00e4sslich des letzten Abenteuers ihrer Protagonistin Tess Monaghan, geh\u00f6re \u201ezu den Lieferantinnen solider Spannungsware\u201c. Dieses Urteil muss nach der Lekt\u00fcre von \u201eGef\u00e4hrliche Engel\u201c revidiert werden: Denn nicht nur solide Spannungsware beschert uns die Autorin, auch fein ausgedachte Beobachtungen psychischer und weltlicher Kalamit\u00e4ten hat sie im Programm.<br \/>Wobei das einzig leicht \u00c4rgerliche an \u201eGef\u00e4hrliche Engel\u201c eben dieser deutsche Titel ist. Engel sind Alice und Ronnie, die beiden elfj\u00e4hrigen M\u00e4dchen n\u00e4mlich nicht, gef\u00e4hrlich schon, denn sie entf\u00fchren einen S\u00e4ugling und t\u00f6ten ihn anschlie\u00dfend. F\u00fcr diese Tat sperrt man sie sieben Jahre weg, Elfj\u00e4hrige, wohlgemerkt. Als junge Frauen werden sie in die Freiheit entlassen, doch als wiederum ein Kleinkind gekidnappt wird und sich herausstellt, dass sich die beiden M\u00e4dchen ganz in der N\u00e4he des Tatorts aufgehalten haben, holt sie die Vergangenheit ein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das liest sich wie der Plot eines, noch einmal, soliden Spannungsromans, und genau das w\u00e4re es wohl auch geworden, h\u00e4tte Laura Lippman nicht etwas anderes im Sinn gehabt. Die Geschichte wird aus den Blickwinkeln der Handelnden erz\u00e4hlt, alles Frauen, was kein Zufall ist. Die beiden M\u00e4dchen, Alices Mutter, ihre Rechtsanw\u00e4ltin, die Mutter des get\u00f6teten S\u00e4uglings, eine Detektivin. So entsteht das Bild einer Gesellschaft aus arm und reich, schwarz und wei\u00df, aber eben nicht ein Bild aus den bekannten Klischees. Durchgehendes Motiv ist der Rassismus oder, sagen wir es genauer, die grunds\u00e4tzliche Verachtung der jeweils anderen \u201eRasse\u201c. Die Mutter des get\u00f6teten S\u00e4uglings geh\u00f6rt zur schwarzen Oberschicht, die beiden M\u00e4dchen eher zur wei\u00dfen Unterschicht, der Gro\u00dfvater des Kindes ist ein einflussreicher schwarzer Richter, der alles aufbietet, die M\u00f6rderinnen seiner Enkelin nach dem Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen, die Anw\u00e4ltin l\u00e4sst sich auf einen faulen Kompromiss ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles ergibt ein merkw\u00fcrdiges Szenario, in dessen Zentrum Alice und Ronnie stehen. Und Lippman beschreibt sie uns als verwirrte Gesch\u00f6pfe, keine g\u00e4ngigen psychoanalytischen Muster gl\u00e4tten die Kanten, die Ermordung des S\u00e4uglings bleibt bis zum Schluss so unfassbar wie sie es nun einmal ist. Und dieser Schluss \u00fcberhaupt: Er krempelt noch einmal alles um, entt\u00e4uscht die Lesererwartungen auf das Angenehmste, weil die Dinge eben nicht so sind, wie sie im gl\u00fccklichen Lande Schablonien zu sein scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lippman erz\u00e4hlt uns ihre Geschichte im Stil einer intelligenten, genau registrierenden Autorin, sehr fl\u00fcssig und pointiert, wo es fl\u00fcssig und pointiert sein soll, mit Widerhaken, wo sie helfen, das Thema zu packen und an die Oberfl\u00e4che zu ziehen. Ein spannender Krimi: ja. Eine Bestandsaufnahme des disparaten Lebens und der Opfer, die es fordert: das ebenfalls. Also Fazit: ein weiteres Belegst\u00fcck f\u00fcr Kriminalliteratur auf der H\u00f6he ihrer M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Laura Lippman: Gef\u00e4hrliche Engel. <br \/>R\u00fctten &amp; Loening 2006. 394 Seiten. 19,90 \u20ac<br \/>(Original \u201eEvery Secret Thing\u201c, 2003, deutsch von Ursula Walther)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laura Lippman, so schrieb der Rezensent anl\u00e4sslich des letzten Abenteuers ihrer Protagonistin Tess Monaghan, geh\u00f6re \u201ezu den Lieferantinnen solider Spannungsware\u201c. 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