{"id":17315,"date":"2006-12-04T07:32:19","date_gmt":"2006-12-04T07:32:19","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/12\/2006-the-lost-novels\/"},"modified":"2022-06-05T22:32:09","modified_gmt":"2022-06-05T20:32:09","slug":"2006-the-lost-novels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/12\/2006-the-lost-novels\/","title":{"rendered":"2006: The lost novels"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Jahr neigt sich nach vorne und liegt, kaum sind die Weihnachtspl\u00e4tzchen gegessen, vollends auf der Schnauze. Die Zeit der R\u00fcckschau ist angebrochen, in der wir Rechenschaft \u00fcber das vergangene Krimijahr ablegen m\u00fcssen. Aufgrund unserer au\u00dfergew\u00f6hnlich guten Beziehungen zu den Putzgeschwadern der deutschen Verlagsh\u00e4user ist es uns gelungen, die Manuskripte dreier Kriminalromane zu lesen, die nicht das Licht der Welt erblickten. Drei Romane von drei Heroen des Genres \u2013 schn\u00f6de von den Lektoraten f\u00fcr unw\u00fcrdig befunden und in die Papierk\u00f6rbe entsorgt. Hier sind sie.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Norbert Horst: Wortmetzel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem in Aus\u00fcbung seiner dienstlichen Obliegenheiten empfangenen kr\u00e4ftigen Schlag auf den Hinterkopf sind bei Ermittler Konstantin Kirchenberg erschreckende Ver\u00e4nderungen festzustellen: Er denkt und spricht nur noch in grammatisch korrekten, daf\u00fcr aber ellenlangen Schachtels\u00e4tzen.<em> \u201eDes Morgens, da ich aus der Nacht erwachte, kleidete ich mich an und ging, des Fr\u00fchst\u00fccks \u00fcbervoll, an mein Tagwerk, welches im Machen eines Tatortes bestand, wie wir es im Jargon unseres Berufes auszudr\u00fccken pflegen, derweil, ohne mein wirkliches Wissen, ein Serienm\u00f6rder ganz Wanne-Eickel in Angst und Schrecken versetzte, indes es nicht lange dauerte, bis ich des Falles habhaft wurde und des T\u00e4ters, welcher kein anderer war als jener Bube, welcher mir mit stumpfem Gegenstande aufs Haupt gehauen, sp\u00e4ter auch.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Urteil das Lektorats: <em>\u201eDiese Prosa entspricht nicht der Philosophie unseres Hauses, welche auf moderne, knappe, das syntaktische Subjekt nur in geringen Dosen verabreichende Sprache ausgerichtet ist. Wir empfehlen Herrn Horst, &#8218;Wortmetzel&#8216; in der hochwohll\u00f6blichen Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts zu ver\u00f6ffentlichen, sintemalen wir diese in n\u00e4chster Zukunft zu \u00fcbernehmen gedenken.\u201c<\/em> Man kann das Werk ab Februar 2007 \u2192<a href=\"http:\/\/www.alte-krimis.de\">hier<\/a> vorbestellen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Friedrich Ani: S\u00fcden und der rosarote M\u00f6nch im Kloster Alt\u00f6tting<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Tabor S\u00fcden, Ermittler im Amt f\u00fcr Vermissungen, ist wieder zur\u00fcck! Und gleich wartet ein schwieriger und delikater Fall auf ihn. Im Kloster Alt\u00f6tting werden drei F\u00e4sser Bier vermisst! Was ist mit ihnen passiert? Wer hat sich ihrer bem\u00e4chtigt? S\u00fcden schleicht sich als angeblicher \u201eBetbruder Josef\u201c ins Kloster ein und macht sich auf die Suche nach den verschwundenen F\u00e4ssern. Leben sie noch? Kann man sie noch austrinken? Was er nach und nach entdeckt, l\u00e4sst ihm die Haare zu Berge stehen. W\u00fcrdelose \u00c4bte, die sich mit leeren Bierf\u00e4ssern sexuell vergn\u00fcgen, haltlose Laienprediger beim Schafkopfen, gefallene Nonnen, denen keiner beim Aufstehen hilft. Die Situation wird existentiell, S\u00fcdens Philosophie dito.<\/p>\n\n\n\n<p>Urteil des Lektorats: <em>&#8222;&#8230;m\u00fcssen wir leider auf den Seiten 12, 139 und 760 gewisse Beschreibungen lesen, die den Leser zum Schmunzeln animieren k\u00f6nnten. Das aber ist Ani-Lesern nicht zuzumuten. Wir empfehlen eine v\u00f6llige Umschreibung des Romans.\u201c <\/em>\u2013 und so geschah es. Leider.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Astrid Paprotta: Mimi oder Die Wahrheit der L\u00f6wensterns <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ina Henkel hat den Dienst in der Mordkommission quittiert und bearbeitet nun die Reisekostenabrechnungen ihrer ermittelnden Kollegen. Eine liegt ihr schwer im Magen. Warum f\u00e4hrt Hauptkommissar Micha Miesbacher, genannt Mimi, jeden Dienstag nach Frankfurt-H\u00f6chst und m\u00f6chte das Fahrgeld erstattet haben? Wei\u00df er nicht, dass gem\u00e4\u00df Dienstanweisung zur Berechnung der Reisekosten laut Drucksache III b vom 12. Januar 1984, Absatz 4, die Erstattung von Reisekosten nur dann gew\u00e4hrt werden kann, wenn eine Ermittlung im Sinne der Definition aus dem Merkblatt IV 5 vom 19. M\u00e4rz 1971, ge\u00e4ndert im Merkblatt IXXXX 3y vom 29. Dezember 1988 nur dann als Ermittlung gelten kann, wenn alle Vorschriften der Dienstanweisung V 6 f\u00fcr den gehobenen und h\u00f6heren Dienst vom 3. Februar 1899, hier in ihrer Fassung vom 22. April 1922, aber unter Zugrundelegung der Erg\u00e4nzung besagter Dienstanweisung durch die m\u00fcndliche \u00dcbereinkunft zwischen Arbeitgebern und der Gewerkschaft der Polizei vom 8. November 1980, wie sie im Protokoll vom 17. Juni gleichen Jahres festgelegt wurde (allerdings ohne den am 9. Juli gleichen Jahres einvernehmlich gestrichenen Paragrafen 3)&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Urteil des Lektorats: <em>&#8222;Ein interessantes Thema, durchaus. Allerdings kommt der Roman nur sehr schwer in Fahrt (genauer gesagt: erst beim Streit Ina Henkels mit ihrem Vorgesetzten \u00fcber die Anwendbarkeit der Dienstanweisung zur Berechnung von Fahrtkosten ins n\u00e4here Umland vom 31. Dezember 1999, wie sie im Mitteilungsblatt 4A der Anweisungen f\u00fcr die Behandlung von Reisekostenantr\u00e4gen der Polizei im Gro\u00dfraum Frankfurt ausschlie\u00dflich Dillenburg und Oberursel festgehalten wurde). Wir empfehlen die Ver\u00f6ffentlichung des Romans im n\u00e4chsten Rundschreiben der Frankfurter Mordkommission vom 14. M\u00e4rz 2006.\u201c <\/em>Konsequenz der Autorin: Sie schreibt ab sofort keine Spannungsliteratur mehr und wird seit Wochen ungew\u00f6hnlich oft in Filialen eines Gro\u00dfdiscounters gesichtet. Arbeitstitel des neuen Werks: \u201eLIDL-Joe oder die Bonanza der gehobenen Geschm\u00e4cker\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr neigt sich nach vorne und liegt, kaum sind die Weihnachtspl\u00e4tzchen gegessen, vollends auf der Schnauze. Die Zeit der R\u00fcckschau ist angebrochen, in der wir Rechenschaft \u00fcber das vergangene Krimijahr ablegen m\u00fcssen. 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