{"id":17360,"date":"2006-12-22T08:02:02","date_gmt":"2006-12-22T08:02:02","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/12\/reginald-hill-welch-langen-weg-die-toten-gehen\/"},"modified":"2022-06-09T21:30:46","modified_gmt":"2022-06-09T19:30:46","slug":"reginald-hill-welch-langen-weg-die-toten-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/12\/reginald-hill-welch-langen-weg-die-toten-gehen\/","title":{"rendered":"Reginald Hill: Welch langen Weg die Toten gehen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/cover\/spannungideal.gif\" alt=\"spannungideal.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>(Weihnachten naht. Und mit ihm die Frage: Welche Krimis schenke ich meinen Liebsten? Jeder wei\u00df: Das kann ins Auge gehen und langj\u00e4hrige Freundschaften abrupt beenden. Doch keine Angst: Hinternet hilft. Die Krimiredaktion hat einige aktuelle Spitzenprodukte der Spannungsindustrie unter die Lupe genommen und ihnen den jeweiligen Idealtypus Leser (hier \u201eGeschenkempf\u00e4nger\u201c genannt) zugeordnet. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Das Buch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Palinurus Maciver jr. hat sich die Kugel gegeben. Sein Hinscheiden ist die exakte Kopie des bizarren Hinscheidens von Palinurus Maciver sen. vor zehn Jahren. Zweimal Selbstmord, ein Routinefall. Der zuf\u00e4llig am Tatort weilende Peter Pascoe jedoch hat ein ungutes Gef\u00fchl bei der Sache, zumal sich sein Chef Andrew Dalziel alle M\u00fche gibt, die Affaire als bedauerlichen Suizid zu erkl\u00e4ren. So kennt man ihn gar nicht. Welche Rolle spielt Kay Kafka, die Stiefmutter des Toten? Warum trifft sie sich zum diskreten tete-an-tete mit Dalziel? Pascoe l\u00e4sst nicht locker. Nach und nach kriecht er ins Labyrinth einer zutiefst zerrissenen Familie, entdeckt Ungereimtheiten, offensichtliche Widerspr\u00fcche &#8211; stets auf Konfrontationskurs mit Dalziel, dessen Rolle immer zwielichtiger wird. Doch, merkw\u00fcrdig: Je genauer Pascoe in die Abgr\u00fcnde des Maciver-Clans blickt, desto mehr windet sich der Fall aus der Umarmung des Privaten und st\u00fcrzt ins Weltpolitische.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der ideale Geschenkempf\u00e4nger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 bin ich! Als Rezensent macht einem Hill die Sache ja leicht: Zu meckern gibt es eigentlich nichts, zu loben fast alles. So souver\u00e4n wie der britische Meister entwickelt keiner sonst seine Geschichten, 556 Seiten, von denen jede einzelne f\u00fcr die Handlung, die Dramaturgie notwendig ist und doch f\u00fcr sich bestehen k\u00f6nnte als ein Musterbeispiel grandiosen Kriminalhandwerks. Die Story beginnt mit einer kurzen und kryptischen Episode 1991 in Bagdad und endet 12 Jahre sp\u00e4ter ebenda. Zwischen zwei Kriegen also, zwischen den Pfeilern einer zynischen Politik breitet sich das Schicksal der Familie Mciver aus, doch je mehr es dies tut, desto deutlicher \u00fcberblendet die Fratze des Gro\u00dfen-Ganzen. Geheimdienste kommen ins Spiel, finstere Man\u00f6ver um Staatsinteressen auf Kosten von Recht und Gerechtigkeit. Und dann nat\u00fcrlich: diese Sprache. Pr\u00e4zision und lockere Hand, Analyse und treffender Witz \u2013 Hill halt, wie stets at its best. Kleines Beispiel? \u2013 Nein! Das ist mein Weihnachtsgeschenk! Davon geb ich nichts ab! Kauft\u2019s euch doch selber oder lasst es euch schenken, die Buchhandlungen haben noch auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geeignet auch f\u00fcr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2026alle Liebhaber der Symbiose von \u201eIntertextualit\u00e4t\u201c und \u201espannendem Plot\u201c. Die soll es ja, k\u00fcrzliche Diskussionen haben darauf hingewiesen, durchaus geben. Hill zeigt, wie innig sich die beiden so unterschiedlichen Geschwister liebhaben k\u00f6nnen, wie z\u00e4rtlich der Verstand die niederen Bed\u00fcrfnisse nach Spannung und Unterhaltung unterst\u00fctzt und wie gut es den kleinen grauen Zellen tut, wenn sie von Zeit zu Zeit mit dem Besen des Lesevergn\u00fcgens ausgefegt werden. Dass Kay Kafka mit M\u00e4dchennamen Dickenson hei\u00dft, ist ebenso wenig ein Zufall wie ihr jetziger Nachname. Das Sch\u00f6nste aber: Selbst wenns einem wurscht ist, kommt man auf seine Kosten. Doch, doch, das ist so. An Weihnachten l\u00fcgt man nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Reginald Hill: Welch langen Weg die Toten gehen. <br \/>Droemer 2006. 556 Seiten. 19,90 \u20ac<br \/>(Original: \u201eGood morning, midnight\u201c 2004, deutsch von Karl-Heinz Ebnet)<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Weihnachten naht. Und mit ihm die Frage: Welche Krimis schenke ich meinen Liebsten? Jeder wei\u00df: Das kann ins Auge gehen und langj\u00e4hrige Freundschaften abrupt beenden. Doch keine Angst: Hinternet hilft. Die Krimiredaktion hat einige aktuelle Spitzenprodukte der Spannungsindustrie unter die Lupe genommen und ihnen den jeweiligen Idealtypus Leser (hier \u201eGeschenkempf\u00e4nger\u201c genannt) zugeordnet. 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