{"id":17367,"date":"2006-12-27T07:46:23","date_gmt":"2006-12-27T07:46:23","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/12\/john-katzenbach-the-madmans-tale\/"},"modified":"2022-06-15T01:28:05","modified_gmt":"2022-06-14T23:28:05","slug":"john-katzenbach-the-madmans-tale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/12\/john-katzenbach-the-madmans-tale\/","title":{"rendered":"John Katzenbach: The Madman&#8217;s Tale"},"content":{"rendered":"\n<p>Ob jetzt \u201eThe Madman\u00b4s Tale\u201c die Geschichte eines Wahnsinnigen, eines Ver<em>r\u00fcckten<\/em> oder doch die von Macbeths Idioten erz\u00e4hlt, soll dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall aber entf\u00fchrt John Katzenbach den Leser in die Abgr\u00fcnde einer Welt, wie sie sich Dante kaum anders h\u00e4tte ausdenken k\u00f6nnen. Das \u201eGreat Western Hospital\u201c ist eine Verwahranstalt f\u00fcr seelisch Kranke. Wer hier landet, ist den Angestellten ausgeliefert und kann sich, im Gegensatz zu einem Strafgefangenen im Gef\u00e4ngnis, nie sicher sein, ob und wann er wieder \u2019raus, zur\u00fcck in die Welt kommt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Buch erz\u00e4hlt eine Geschichte, die lange zur\u00fcckliegt und es erz\u00e4hlt das Erz\u00e4hlen der Geschichte. Francis Petrel war einst in die Anstalt gebracht worden, weil seine inneren Stimmen \u00fcberm\u00e4chtig geworden waren. Dort traf er auf \u201ePeter the Fireman\u201c, der dort gelandet war, um auf seine Zurechnungsf\u00e4higkeit \u00fcberpr\u00fcft zu werden, nachdem er eine Kirche angez\u00fcndet hatte. Lucy Jones dagegen war freiwillig in die Anstalt gekommen. Der Staatsanw\u00e4ltin waren Parallelen eines bestialischen Mordes in der Anstalt zu mehreren Morden in Massachusetts aufgefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammen versuchen die Drei zu entr\u00e4tseln, ob es tats\u00e4chlich sein kann, dass ein und dieselbe Person den Mord in der Anstalt und gleichartige Morde in der Freiheit beging. Mag Francis Petrel (wie wohl auch der T\u00e4ter) auch ein \u201eMadman\u201c sein, mit luzider Klarheit kann er Menschen und Situationen verstehen und so wird es <i>sein<\/i> Projekt, <i>sein<\/i> Thema den T\u00e4ter zu finden. Er ist es auch, der uns nachtr\u00e4glich die Geschichte erz\u00e4hlt und dabei in den Mahlstrom seines wiedererwachenden Wahns ger\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch ist voll mit skurrilen, eigenartigen und faszinierenden Personen, die liebevoll und nicht \u00fcbertrieben dargestellt werden, Francis Petrel zum Beispiel f\u00e4llt durch Einsicht, Empfindung und Menschlichkeit auf. [Einzig die gebildete Wortwahl und die raffinierten Satzkonstruktionen des hochintelligenten aber unausgebildeten Mannes werden dem Leser nicht plausibel gemacht.] Und so treibt es den Leser zu sehen, wie das ungleiche Trio in dieser \u201eunwirklichen Umgebung\u201c die Suche voran bringt und mit den Widrigkeiten, wie Anstaltsleitung und \u00e4rztlichem Personal fertig wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Katzenbach hat seine \u201eparanormale\u201c Welt klug strukturiert und versucht den Leser nicht zu bevormunden. Entsprechend ausf\u00fchrlich schildert er eine Welt des Wahns, in der die Gesetze der Normalit\u00e4t nur scheinbar nicht gelten und f\u00fcgt ein atmosph\u00e4risch dichtes Bild zusammen. Manchmal merkt man dem Buch dann an, dass es ungew\u00f6hnliche 570 Seiten lang ist. Da wird so manche Psychopirouette gedreht und das Seelenleben der Protagonisten aufgebohrt bis es staubt. Und das in anderen Phasen sehr spannende und gekonnt geschriebene Buch springt und h\u00fcpft dann wie ein Pferd, dessen Reiter die Kontrolle verloren hat.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">John Katzenbach: The Madman's Tale. \nBallantine 2005. 576 Seiten. 5,95 \u20ac \n(deutsch: \"Die Anstalt\", Droemer\/Knaur 2006, dt. von Anke Kreutzer. \n748 Seiten. 8,95 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob jetzt \u201eThe Madman\u00b4s Tale\u201c die Geschichte eines Wahnsinnigen, eines Verr\u00fcckten oder doch die von Macbeths Idioten erz\u00e4hlt, soll dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall aber entf\u00fchrt John Katzenbach den Leser in die Abgr\u00fcnde einer Welt, wie sie sich Dante kaum anders h\u00e4tte ausdenken k\u00f6nnen. Das \u201eGreat Western Hospital\u201c ist eine Verwahranstalt f\u00fcr seelisch Kranke. 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