{"id":17392,"date":"2007-01-11T12:26:41","date_gmt":"2007-01-11T12:26:41","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/01\/die-dicken-krimis\/"},"modified":"2022-06-05T22:33:55","modified_gmt":"2022-06-05T20:33:55","slug":"die-dicken-krimis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/01\/die-dicken-krimis\/","title":{"rendered":"Die dicken Krimis"},"content":{"rendered":"\n<p>In Mailand, habe ich geh\u00f6rt, d\u00fcrfen jetzt Models, die aussehen wie mit Haut umspannte Kleiderst\u00e4nder, nicht mehr auf den Laufsteg. Weg mit den Hungerhaken, mehr Form, mehr Inhalt, bitte. Gut so. In Deutschland, lese ich gerade, will man \u00fcbergewichtige Kriminalromane abspecken lassen. So jedenfalls steht es \u2192<a href=\"http:\/\/www.literaturen.de\/krimi.html\">hier<\/a> und \u2192<a href=\"http:\/\/www.buchmarkt.de\/index.php?mod=themen&amp;sub=33&amp;page=24893\">hier<\/a>, ja sogar \u2192<a href=\"http:\/\/forum.krimi-couch.de\/idThread-2740.html\">dort<\/a> regt sich Unmut \u00fcber die Wabbelkrimis und eigentlich ist das so wie in Mailand: mehr Form, mehr Inhalt, weniger F\u00fcllstoff.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dass Krimis zu dick, zu langatmig sind, hat mehrere Gr\u00fcnde. Einmal den, dass in Zeiten des gepflegten Serienmordes sieben Leichen ihr Erz\u00e4hlquantum beanspruchen. Dann den, dass der Trend, nicht nur einen, sondern gleich mehrere F\u00e4lle innerhalb von zwei Buchdeckeln auszubreiten, nicht aufzuhalten ist, siehe Stuart McBrides \u201eDie dunklen Wasser von Aberdeen\u201c oder Thomas Kasturas \u201eDer vierte M\u00f6rder\u201c. Die Mutter aller kriminalliterarischen Fettleibigkeit ist allerdings SIE: die Tendenz, den Schwerpunkt der Erz\u00e4hlung vom Verbrechen auf den Ermittler zu legen, auf sein Team gar.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher war es n\u00e4mlich so: Ein Mord geschieht, ein Kommissar ermittelt, er hat seine Paladine um sich, die zumeist nicht mehr sind als hinskizzierte Lemuren. Der Held selbst hat eine Frau, ein Laster, ein paar sonstige Eigenarten, das wars denn aber auch schon. Macht summa 200 Seiten, die dem Eigentlichen des Krimis gewidmet sind: der Tat, dem T\u00e4ter, den Folgen, den Opfern, der Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist das leider so: Ein Mord geschieht, ein Kommissar ermittelt. Aber nur in den Atempausen, die ihm die Turbulenzen der eigenen Existenz g\u00f6nnen. Er hat eine Frau \u2013 aber die geht fremd oder versteht ihn nicht, er hat keine Frau, daf\u00fcr eine Freundin, meistens hat er jedoch eine Exfrau, eine Exfreundin, eine drogens\u00fcchtige Tochter, einen hinterh\u00e4ltigen Bruder und einen Vater, der an Alzheimer erkrankt ist. Das schlaucht richtig. Es macht aber noch etwas viel Schlimmeres: Es l\u00f6st Gedanken aus, es l\u00e4sst r\u00e4sonnieren, alle Themen des ach so komplizierten Lebens entfalten sich im Kopf des Kommissars, der gottlob ein Team um sich hat, das die Arbeit macht \u2013 nein, falsch, denn auch dieses Team besteht l\u00e4ngst nicht mehr aus den Lemuren, es sind jetzt ausgewachsene Menschenaffen, die \u00c4rger mit der Frau, der Freundin, der Tochter, dem Sohn, dem Vater, dem Nachbarn, dem Finanzamt, der Mafia haben und ihrerseits zu r\u00e4sonnieren anfangen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Das, versteht man, kostet Zeit, kostet Seiten. Der eigentliche Fall wird dann nur noch nebenbei abgewickelt, das, was er eigentlich aufrollen sollte, das Leben und die Wirklichkeit, sind ihm ja abhanden gekommen, das alles befindet sich l\u00e4ngst in den r\u00e4sonnierenden Hirnen der Ermittler, wo die Plattit\u00fcden wie Eisberge gegeneinander krachen und zu den winzigen geistigen Eisw\u00fcrfeln zerbr\u00f6seln, die sie von Natur aus eigentlich auch sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ja. Gerade kommt ein neuer Roman von Reginald Hill ins Haus, \u00fcber 500 Seiten. Man flucht: Warum schreibt der Mann keine 1000-Seiter? Der n\u00e4mlich kanns.<\/p>\n\n\n\n<p>(geschrieben mit deaktivierter Autokorrekturfunktion)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Mailand, habe ich geh\u00f6rt, d\u00fcrfen jetzt Models, die aussehen wie mit Haut umspannte Kleiderst\u00e4nder, nicht mehr auf den Laufsteg. Weg mit den Hungerhaken, mehr Form, mehr Inhalt, bitte. Gut so. 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