{"id":17461,"date":"2007-02-07T08:13:24","date_gmt":"2007-02-07T08:13:24","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/02\/greg-iles-e-r-o-s\/"},"modified":"2022-06-14T19:45:59","modified_gmt":"2022-06-14T17:45:59","slug":"greg-iles-e-r-o-s","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/02\/greg-iles-e-r-o-s\/","title":{"rendered":"Greg Iles: @E.R.O.S"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/cover\/buchkiste_iles.jpg\" alt=\"buchkiste_iles.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zuerst das Positive: Der Roman ist streckenweise spannend und \u00fcber weite Teile fl\u00fcssig zu lesen. Die Biographien der Protagonisten werden halbwegs nachvollziehbar entwickelt und sind, wenn man die ma\u00dflose \u00dcbertreibung zugunsten des Spektakul\u00e4ren in Kauf nimmt, mit etwas gutem Willen durchaus nachvollziehbar. Au\u00dferdem ist der Einblick in die Computertechnologie Mitte der 90er heutzutage sehr spa\u00dfig zu lesen (rasend schnelles 14400bps Modem etc). Es ist viel Zeit vergangen seit damals. Von nun an geht\u2019s allerdings bergab&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wir haben eine Homepage, auf der sich gegen horrende Mitgliedsbeitr\u00e4ge mehr oder minder einsame Seelen treffen, um ihre erotischen Fantasien auszutauschen. Eines Tages taucht ER auf: DER Serienkiller, intellektuell \u00fcberragend, formvollendet, technologisch mehr als auf der H\u00f6he der Zeit und stetig auf der Suche nach Opfern. Als dem Systemmitbetreiber Harper Cole mulmig wird \u2013 eine Kundin des virtuellen E.R.O.S. Clubs wird gnadenlos niedergemetzelt \u2013 und er von seinem Verdacht berichtet, dass weitere Teilnehmerinnen ohne ersichtlichen Grund ihren Account haben verl\u00f6schen lassen, wird schnell klar, dass sie allesamt von einem und demselben T\u00e4ter vom Dies- ins Jenseits bef\u00f6rdert wurden. Inklusive Zirbeldr\u00fcsenentfernung und post letalem sexuellen Missbrauch. Das FBI wird hyperaktiv, die lokalen Polizeibeh\u00f6rden und die Protagonisten ebenfalls. Die Lockvogeltaktik fordert allerdings weitere Todesopfer, weder dem FBI noch unserem r\u00fchrigen Sysop gelingt es vorerst den Killer dingfest zu machen. Doch gl\u00fccklicherweise hat der mordende Sch\u00f6ngeist l\u00e4ngst Auge und Ohr auf das Ehegespons des Herrn Cole geworfen. Im langen, langen Showdown wird dann f\u00fcr klare Verh\u00e4ltnisse gesorgt. Easy livin\u2019.<\/p>\n\n\n\n<p>Denkste. In all dem mal atemlosen, mal gelangweilten Lesen dr\u00e4ngt eine Frage immer weiter an die Oberfl\u00e4che: WARUM?<\/p>\n\n\n\n<p>Warum beschr\u00e4nkt sich der Killer auf der Suche nach einer Zirbeldr\u00fcse auf EROS-Kundinnen? Es gibt nicht den geringsten Grund f\u00fcr die Begrenzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum bekommt der Killer am Anfang zwei Kapitel aus seiner Sicht spendiert, die weder besonders sinnig oder spektakul\u00e4r sind, noch seine Motivation erhellen? Es bleibt auch dabei, Iles greift diese Erz\u00e4hlperspektive im weiteren Verlauf nie wieder auf. Ebenso tauchen Komplizen auf, die sofort wieder im Nirvana verl\u00f6schen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum sitzen die Hauptfiguren in der Mitte des Buches an einem Tisch und erz\u00e4hlen sich gegenseitig Seite um Seite, wie toll dieser Serienm\u00f6rder ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Warum legt Iles so viel Detailgenauigkeit in Computersprache -entwicklungen \u2013m\u00f6glichkeiten, wenn letztlich doch alles auf einen schwulen One Night Stand reduziert werden kann?<br \/>Warum 680 Seiten wenn 400 locker gereicht h\u00e4tten? Hochgerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut, es treffen sich Krimi- und Abenteuerroman (wann haben weibliche Thugs schon mal ihren gewaltt\u00e4tigen Auftritt?), Liebesgeschichte(n) und Dramoletten, kurz wildeste Kolportage. Das kann unterhaltsam sein \u2013 ist es ja teilweise auch &#8211; ver\u00e4rgert aber, je mehr man \u00fcber diesen literarischen Hohlraum nachdenkt. Denn wie so oft bei schlechten B\u00fcchern hat das \u00dcbel eine Ursache: zu viele Entwicklungen entstehen, weil es f\u00fcr die Dramaturgie notwendig ist. Da verhalten sich die Protagonisten besonders d\u00e4mlich und vor allem unglaubw\u00fcrdig, damit DAS Ereignis eintreten kann, dass durch diese widersinnigen Aktionen provoziert wurde. Fatal in einem Buch, in dem fast jede Entwicklung ausgiebigst besprochen wird, jede Polizeiaktion seitenlange Kommentare nach sich zieht. Es wird so viel zerredet, dass am Ende nur wenig \u00fcbrig bleibt, was noch wissenswert w\u00e4re. Der Leser wird verschaukelt, soll zum Komplizen gemacht werden: wenn\u2019s der Spannung dient\u2026 tut es aber nicht, sondern produziert nur heftiges Kopfsch\u00fctteln. So billig sind wir nicht zu haben, oder etwa doch? Die Verkaufszahlen des Romans sprechen B\u00e4nde; ich bin allerdings froh, dass ich freundliche Buchh\u00e4ndler(innen) kenne, dank derer ich mein karges Taschengeld nicht sinnlos verprassen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Jochen K\u00f6nig, non E.R.O.S. kompatibel<\/p>\n\n\n\n<p>PS.: Grandios auf dem Holzweg sind auch gewisse Erz\u00e4hler, die erregt darauf hinweisen, dass eine Frau \u201efeucht\u201c ist. Sp\u00e4testens wenn dann noch betont wird, dass sie nicht nur \u201efeucht\u201c, sondern \u201enass\u201c ist, denke ich eher an einen Pudel im Regen, als an knisternden Sex. Und was haben nasse Hunde gemein? Genau, sie stinken.<br \/>Wenn das kein treffender Abschluss ist, dann wei\u00df ich auch nicht\u2026 200 Seiten sp\u00e4ter f\u00e4llt ein L\u00f6ffel vom Tisch, und der nasse Pudel geht in die Diele und sch\u00fcttelt sich. So do I.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Greg Iles: @E.R.O.S. <br \/>Bastei-L\u00fcbbe 1999 <br \/>(Original: \"Mortal Fear\", 1997). <br \/>686 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst das Positive: Der Roman ist streckenweise spannend und \u00fcber weite Teile fl\u00fcssig zu lesen. Die Biographien der Protagonisten werden halbwegs nachvollziehbar entwickelt und sind, wenn man die ma\u00dflose \u00dcbertreibung zugunsten des Spektakul\u00e4ren in Kauf nimmt, mit etwas gutem Willen durchaus nachvollziehbar. 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