{"id":17471,"date":"2007-02-13T07:20:45","date_gmt":"2007-02-13T07:20:45","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/02\/paul-levine-solomon-vs-lord\/"},"modified":"2022-06-06T14:39:14","modified_gmt":"2022-06-06T12:39:14","slug":"paul-levine-solomon-vs-lord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/02\/paul-levine-solomon-vs-lord\/","title":{"rendered":"Paul Levine: Solomon vs. Lord"},"content":{"rendered":"\n<p>Der 12j\u00e4hrige Bobby ist nur eine Nebenfigur in Paul Levines \u201eSolomon vs. Lord \u201c, aber dennoch eine der tragenden Figuren des Buches. Er hat eine Inselbegabung (Savantsyndrom). Eine sehr seltenen Kombination &#8211; die Kinog\u00e4nger werden es dank \u201eRain Man\u201c wissen \u2013von Defiziten, meistens im emotionalen Bereich, und singul\u00e4ren Hochbegabungen in einzelnen intellektuellen Bereichen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bobby vereint in typisch literarischer \u00dcbertreibung eine Vielzahl solcher Begabungen, wobei die f\u00fcr den Fortgang des Buches wichtigste seine F\u00e4higkeit zur Bildungen von Anagrammen ist (1). \u00c4hnlich wie Lionel Essrog aus <em>\u201eMotherless Brooklyn\u201c<\/em>, der dem Gegen\u00fcber unter Stress seine Tics entgegenschleuderte, so macht Robert es mit Anagrammen aus W\u00f6rtern oder Satzfragmenten seines Gegen\u00fcbers. Robert lebt bei Steve Solomon, seinem Onkel, einer der Hauptfiguren des Buches.<\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt damit, dass Solomon, als Strafverteidiger und Victoria Lord als Vertreterin der Staatsanwaltschaft sich im Gerichtssaal ungeb\u00fchrlich auff\u00fchren und wegen Missachtung des Gerichts gemeinsam in der Zelle landen. Den Fall \u2013 und letztlich auch ihre Arbeitsstelle &#8211; wird Victoria Lord im Weiteren aufgrund eines raffinierten Tricks Solomons verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Als eine junge attraktive Frau vom Staatsanwalt wegen Mordes angeklagt wird, nachdem ihr deutlich \u00e4lterer Ehemann beim Bondage-Sex an der Fesselung erstickt ist, er\u00f6ffnet sich eine Chance f\u00fcr Victoria. Denn die junge Frau ist eine Clubbekannte von Victoria und so f\u00e4llt es ihr leicht, deren Verteidigung zu \u00fcbernehmen. Aber auch hier ist der Igel schon am Ziel und letztlich landet Victoria zu ihrer eigenen Verwunderung und trotz ihres gerechten Zorns an der Seite Solomons und verteidigt gemeinsam mit ihm die junge Frau.<\/p>\n\n\n\n<p>Hund und Katze: Oder wie hier Solomon und Lord (sic!), dem ersten Band einer neuen Serie. Es ist wie in vielen B\u00fcchern: Schnell merken Beide, dass der Andere nicht so ist, wie er sich nach Au\u00dfen hin gibt. Und doch: Levine macht das gut. Langsam, von \u201eR\u00fcckschl\u00e4gen\u201c begleitet, \u00fcber rund 200 Seiten kippt das Verh\u00e4ltnis der Beiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend hierf\u00fcr ist nicht unbedingt der gro\u00dfe Mordfall, sondern ein zweiter, ins Pers\u00f6nliche Solomons reichender Fall, bei dem Lord die Verteidigung \u00fcbernommen hat. Solomon erzieht n\u00e4mlich Robert ohne offiziell dessen Vormund zu sein. Da Solomon nicht nur im Gericht unorthodox auftritt, sondern auch daheim, m\u00f6chte der Erziehungsbeh\u00f6rde, um Bobbys <em>Savantsyndrom<\/em> zu therapieren, diesen in eine staatliche Einrichtung einweisen lassen. Solomon dagegen f\u00fcrchtet, dass solche Einweisung die sensible Pers\u00f6nlichkeit Bobbys kaputtmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bobbys Anagramme, Solomons &#8211; zwischen eigenwillig und originell schwankenden &#8211; Auftritte vor Gericht und die kontrapunktische Victoria geben die Richtung des Buches vor: \u201eSolomon vs. Lord\u201c ist der Versuch, einen Gerichtskrimi mit einer Krimiburleske zu kreuzen. Das Ergebnis kann als gelungen, kaum aber als gro\u00df gelten. Anf\u00e4nglich ist die Geschichte zu sehr damit besch\u00e4ftigt, den Weg durch das Beziehungsgestr\u00fcpp von Solomon und Lord zu finden und erst als der Staatsanwalt, nach mehr als der H\u00e4lfte des Buches im Mordfall seine Karten auf den Tisch legt und beide F\u00e4lle sich aufs Gericht zu bewegen, steigt die Spannung und der <em>Krimi<\/em>leser beginnt, so etwas wie ein Krippeln zu versp\u00fcrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der vielen ironischen An- und Bemerkungen kann \u201eSolomon vs. Lord\u201d kaum als klassischer Gerichtskrimi bezeichnet werden; da das Buch durch gute Dialoge \u00fcberzeugt, intelligent und originell daherkommt und m\u00f6glicherweise der Ballast des in die Serie einf\u00fchrenden Werkes abgeworfen ist, bin ich neugierig auf den zweiten Band der Serie.<\/p>\n\n\n\n<p>(1) President Clinton of the USA -&gt; &#8222;To copulate he finds interns\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Bernd Kochanowski<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Paul Levine: Solomon vs. Lord. <br \/>Bantam Books 2005. 548 Seiten. 5,95 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 12j\u00e4hrige Bobby ist nur eine Nebenfigur in Paul Levines \u201eSolomon vs. Lord \u201c, aber dennoch eine der tragenden Figuren des Buches. 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