{"id":17474,"date":"2007-02-15T07:39:51","date_gmt":"2007-02-15T07:39:51","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/02\/paul-freeman-die-legenden-von-ophir\/"},"modified":"2022-06-16T02:01:45","modified_gmt":"2022-06-16T00:01:45","slug":"paul-freeman-die-legenden-von-ophir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/02\/paul-freeman-die-legenden-von-ophir\/","title":{"rendered":"Paul Freeman: Die Legenden von Ophir"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Krimi aus Zimbabwe \u2013 da assoziiert man unwillk\u00fcrlich Blettenberg und Blaudez, also den Blick von au\u00dfen auf einen turbulenten Kontinent, zumal auch der Autor von \u201eDie Legenden von Ophir\u201c, Paul Freemann, kein Einheimischer ist, sondern Engl\u00e4nder, der als Lehrer im Lande t\u00e4tig gewesen war. Ein Krimi mit einer geh\u00f6rigen Portion Erste-Welt-Kritik also, noch dazu aus einem Staat, der als Musterbeispiel f\u00fcr das W\u00fcten eines autokratischen Herrschers gelten kann. Aber nein: \u201eDie Legenden von Ophir\u201c entstand noch in der Zeit der demokratischen Hoffnung Mitte der neunziger Jahre und entwickelt sich rasch zu einem geradezu klassischen Whodunnit.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ein Portugiese, angeblich zwecks Ahnenforschung eingereist, wird ermordet aufgefunden, ein Minenmitarbeiter, den er kontaktiert hatte, ebenfalls. Als Sonderermittler soll James Carter, Expolizist und nach einer pers\u00f6nlichen Katastrophe in den Lehrerberuf gewechselt, den politisch brisanten Fall aufkl\u00e4ren. Schnell wird deutlich, dass sich hinter den Killern \u2013 drei Br\u00fcder, die als ehemalige Kindersoldaten in Mozambique ihr blutiges Handwerk gelernt haben \u2013 ein mysteri\u00f6ser Auftraggeber verbirgt, der den wahren Grund f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten des Portugiesen kennt. Einen seit 300 Jahren irgendwo im Minengebiet verschollenen Goldschatz wollte der auffinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Assistiert von der jungen Julia, Tochter eines Kollegen, aus der Prostitution in den Polizeidienst gewechselt, nimmt Carter die Ermittlungen auf. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck kommt er den T\u00e4tern auf die Schliche, entr\u00e4tselt auch das Schatzgeheimnis, bringt sich durch seinen egoistischen Starrsinn und das auch ihn befallende Goldfieber in die genre\u00fcblichen Schwierigkeiten und stellt den drei Hauptverd\u00e4chtigen am Ende die klassische Falle, in die der \u00dcbelt\u00e4ter wie nicht anders zu erwarten tappt. Whodunnit mit dramatischem Finale also.<\/p>\n\n\n\n<p>Was man Freeman nicht vorwerfen kann. Er blendet die soziale Wirklichkeit im Zimbabwe des \u00dcbergangs nicht aus, stellt sie aber auch nicht in den Mittelpunkt des Romans. Sein Personal ist s\u00e4mtlich blessiert, der Protagonist nicht ohne Schw\u00e4chen, was man ziemlich umstandslos erf\u00e4hrt, etwas plakativ manchmal, aber nicht l\u00e4nglich ins Gemeinpl\u00e4tzige abschweifend.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut; die Erz\u00e4hlweise Freemans schreckt auch nicht davor zur\u00fcck, uns zu berichten, Julia trage<em> \u201eblaue Pumps, wadenlange Hosen aus einem roten schimmernden Stoff und eine vielfarbig karierte Bluse\u201c. <\/em>Soviel Modereport muss sein. Und zum Schluss gibt Carter etwas zu penetrant den afrikanischen Sherlock Holmes. Ansonsten jedoch liest man sich nett und schmerzlos durch \u201eDie Legenden von Ophir\u201c, denn Freeman hat tats\u00e4chlich einen Kriminalroman geschrieben, keine politisch-gesellschaftliche Analyse. Mit den bekannten Versatzst\u00fccken hantiert er gekonnt, entwickelt eine solide Dramaturgie und konturiert seine Figuren ohne den Ehrgeiz, uns Leser in ihre psychischen Abgr\u00fcnde zu sto\u00dfen. Da der Roman bei \u201epulp master\u201c erschienen ist, bescheinigen wir ihm gern, in diese Reihe zu passen. It\u2019s pulp, it\u2019s okay.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Paul Freeman: Die Legenden von Ophir <br \/>(Original: \u201eRumors of Ophir\u201c, 1995, deutsch von Ango Laina und Angelika M\u00fcller). <br \/>Pulp Master 2007. 304 Seiten. 12,80 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Krimi aus Zimbabwe \u2013 da assoziiert man unwillk\u00fcrlich Blettenberg und Blaudez, also den Blick von au\u00dfen auf einen turbulenten Kontinent, zumal auch der Autor von \u201eDie Legenden von Ophir\u201c, Paul Freemann, kein Einheimischer ist, sondern Engl\u00e4nder, der als Lehrer im Lande t\u00e4tig gewesen war. Ein Krimi mit einer geh\u00f6rigen Portion Erste-Welt-Kritik also, noch dazu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-17474","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17474"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17474\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}