{"id":17493,"date":"2007-02-27T07:21:45","date_gmt":"2007-02-27T07:21:45","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/02\/massimo-carlotto-the-goodbye-kiss\/"},"modified":"2022-06-15T01:17:18","modified_gmt":"2022-06-14T23:17:18","slug":"massimo-carlotto-the-goodbye-kiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/02\/massimo-carlotto-the-goodbye-kiss\/","title":{"rendered":"Massimo Carlotto: The Goodbye Kiss"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Dieses ist die erste Besprechung eines der Kandidaten f\u00fcr den Edgar des Jahres 2007, Kategorie \u201eBestes Taschenbuch\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Massimo Carlotto ist aufgrund seiner Vergangenheit in Italien ein bekannter Mann. Bevor er 1993 wegen des Drucks der \u00d6ffentlichkeit, die ihn f\u00fcr unschuldig hielt, begnadigt wurde, war er in einem Mordfall schuldig gesprochen worden und \u00e4hnlich wie der Hauptdarsteller dieses Buches anschlie\u00dfend jahrelang auf der Flucht in S\u00fcdamerika und einige Jahre im Gef\u00e4ngnis gewesen. Mittlerweile hat er sich in Italien auch als Autor einen Namen gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ins Deutsche waren vor mehreren Jahren bisher zwei seiner fr\u00fchen B\u00fccher um einen als \u201eAlligator\u201c genannten Privatdetektiv \u00fcbersetzt worden. Danach herrschte Pause: Zu sehr weichen m\u00f6glicherweise seine B\u00fccher vom Klischee ab, dass bei uns \u00fcber italienische Autoren besteht. Dieser Tage erscheint nun sein Buch \u201eArrivederci amore, ciao\u201c in Deutsch. [Vorlage dieser Rezension ist jedoch die amerikanische Fassung, da ich keinen Hinweis auf eine bevorstehende deutsche Publikation gefunden hatte, als ich mir die 2006 erschienene amerikanische Fassung besorgte.]<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Goodbye Kiss\u201c passt gewisserma\u00dfen auch gut in die deutsche Gegenwart, denn der Ich-Erz\u00e4hler des Buches, Giorgio Pellegrini war in den 70er Jahren Terrorist. Keiner der Gro\u00dfen, kein R\u00e4delsf\u00fchrer, aber doch jemand, durch dessen Hand ein Mensch umgekommen ist. Jahrelang, w\u00e4hrend er sich in S\u00fcdamerika aufhielt, wurde er von der italienischen Polizei gesucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann ist er dann des Lebens auf der Flucht m\u00fcde und stellt sich der Polizei. Er kollaboriert mit der Justiz, verbringt eine kurze Zeit im Gef\u00e4ngnis und entdeckt, als er \u2019rauskommt, dass er ein Problem hat: Mittlerweile ist er 40 Jahre und steht ohne Perspektive, ohne Beziehungen da und findet ein Italien vor, welches sich seit den 70er Jahren ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz dicht, in den Kopf geht \u201eThe Goodbye Kiss\u201c an Pellegrini \u2019ran. Ungeschminkt offenbart der Ich-Erz\u00e4hler, was f\u00fcr ein moralisch verdorbener, emotional leerer und skrupelloser Typ er ist. Er findet einen Job in einem Strip-Schuppen und plant seinen gesellschaftlichen Aufstieg. Jede sich bietende Gelegenheit ergreift er und nimmt sie r\u00fccksichtslos wahr. Der Einzige, den er f\u00fcrchtet ist der machtgeile und korrupte Polizeibeamte, der ihn festnahm, als er sich stellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als dann ein Bekannter aus dem Gef\u00e4ngnis ihn um seine Mithilfe bei einem Bankraub bittet, scheint seine Stunde gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Goodbye Kiss\u201c ist ein Thriller der so sehr fasziniert, wie sein Held abst\u00f6\u00dft. Sein intensiver Stil lie\u00dfe sich fast als karg bezeichnen. Es ist ein Buch, welches in der klassischen Noir-Tradition steht, kein Buch f\u00fcr Leser also, die explizite Analysen des Autors zu sch\u00e4tzen wissen. Massimo Carlotto beschreibt aber auch eine Welt, in der Kriminelle und \u201efeine Leute\u201c sich in der Zeit nach der \u201eersten Republik\u201c Italiens neu eingerichtet haben. Er zeigt aber auch die Ver\u00e4nderungen, die der Zusammenbruch des Ostens und insbesondere Jugoslawiens mit sich brachte &#8211; und wenn vielleicht der stete Zustrom krimineller Elemente aus dem Osten auch nur ein Klischee ist, welches paneurop\u00e4isch verstanden wird.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Massimo Carlotto: The Goodbye Kiss. <br \/>Europa Editions 2006. 144 Seiten. 14,00 \u20ac <br \/>(Deutsch: Arrivederci more, ciao. Tropen Verlag 2007. 216 Seiten. 18,80 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses ist die erste Besprechung eines der Kandidaten f\u00fcr den Edgar des Jahres 2007, Kategorie \u201eBestes Taschenbuch\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[397,474],"class_list":["post-17493","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives","tag-buchkritik","tag-krimi"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Bernd Kochanowski","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/bernd-kochanowski\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17493","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17493"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17493\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17493"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17493"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17493"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}