{"id":17497,"date":"2007-03-01T07:31:54","date_gmt":"2007-03-01T07:31:54","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/03\/bernhard-jaumann-die-drachen-von-montesecco\/"},"modified":"2022-06-16T01:53:33","modified_gmt":"2022-06-15T23:53:33","slug":"bernhard-jaumann-die-drachen-von-montesecco","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/03\/bernhard-jaumann-die-drachen-von-montesecco\/","title":{"rendered":"Bernhard Jaumann: Die Drachen von Montesecco"},"content":{"rendered":"\n<p>Bernhard Jaumanns Welt wird von f\u00fcnfundzwanzig Personen bev\u00f6lkert. Die meisten von ihnen sind alt und manche tot, wenn wir Jaumanns Welt wieder verlassen, das kleine \u00d6rtchen Montesecco in der Mitte Italiens. Wir gehen nicht gerne, wir m\u00f6gen Montesecco und seine Geschichten. Nach den Vipern sind es nun die Drachen, deren mythische Existenz f\u00fcr ganz irdische Komplikationen sorgt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Immer wenn uns Jaumann die Geschichten seiner Welt-Menschen erz\u00e4hlt, erhebt sich aus den Allt\u00e4glichkeiten ganz gem\u00e4chlich das Existentielle. In \u201eDie Vipern von Montesecco\u201c st\u00fcrzte man zur\u00fcck ins Archaische von Gerechtigkeit und Rache, \u201eDie Drachen von Montesecco\u201c fliegen in die andere Richtung und landen im Materialismus einer durch und durch dinglichen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der alte Benito Sgreccia haut noch einmal so richtig auf die Pauke. Er l\u00e4sst drei Prostituierte aus Rom kommen, einen Pianisten, dazu erlesene Buffets und teure M\u00f6belst\u00fccke, dann gibt er sich drei Tage lang s\u00e4mtlichen Lastern hin und entschlummert am vierten friedlich auf der Terrasse. Friedlich? Sein Kumpel Gianmaria Curzio tippt auf Mord, es gibt gute Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Annahme. Denn Sgreccia war, was zun\u00e4chst niemand glauben will, ein reicher Mann, hatte durch B\u00f6rsenspekulationen f\u00fcnfeinhalb Millionen Euro eingenommen, deren Verteilung im Folgenden die Beschaulichkeit des Kaffs nachhaltig st\u00f6rt, die ber\u00fchmten Begehrlichkeiten weckt, Intrigantentum und Anschleimerei bef\u00f6rdert \u2013 und eine unbekannte Person auf eine schreckliche Idee bringt. Der kleine Minh, passionierter Bauer von Papierdrachen, wird entf\u00fchrt, nur zwei Millionen Euro L\u00f6segeld k\u00f6nnen sein Leben retten.<\/p>\n\n\n\n<p>War Jaumanns Vipern-Geschichte ihrer Absicht entsprechend ziemlich dunkel, durchzieht die \u201eDrachen\u201c eine manchmal milde, manchmal beinahe berstende Heiterkeit. Die verwickelte und doch immer stringend erz\u00e4hlte Story f\u00fchrt die Bewohner des \u00d6rtchens hinaus in die Welt, bis nach Rom, zu den Nutten, den B\u00f6rsenspekulanten, den Mafiosi, es gelangen Fremde nach Montesecco, ein Privatdetektiv aus Rimini beispielsweise, ein afrikanischer illegaler Einwanderer ebenso. In die Welt also geht man, die Welt gelangt nach Montesecco, dessen Einwohner hin und her gerissen sind zwischen Mammon und Moral.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte eine gu\u00dfeiserne Geschichte werden k\u00f6nnen, mit von Bedeutungsschwangerschaft prallen Botschaften, wurde es aber nicht. Jaumann erz\u00e4hlt gewohnt unaufdringlich, unspektakul\u00e4r, sprachlich noch konzentrierter als in den \u201eVipern\u201c, sehr dicht das alles, auch und gerade, was die eigentliche Kriminalhandlung betrifft, ein nach der bew\u00e4hrten Whodunnit-Dramaturgie hochgezogenes Geb\u00e4ude ohne die modischen Assessoires einer selbstverliebten Krimiarchitektur.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Bernhard Jaumann beweist auch mit \u201eDie Drachen von Montesecco\u201c seine Ausnahmestellung innerhalb der deutschen Kriminalschriftstellerei, die ihm seine ruhige und souver\u00e4ne Art, eine Geschichte zu erz\u00e4hlen, wohl auch in Zukunft garantieren wird. So lange, bis kein Mensch mehr in Montesecco am Leben ist.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Bernhard Jaumann: Die Drachen von Montesecco. <br \/>Aufbau Verlag 2007. 278 Seiten. 19,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernhard Jaumanns Welt wird von f\u00fcnfundzwanzig Personen bev\u00f6lkert. 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