{"id":17511,"date":"2007-03-09T07:35:35","date_gmt":"2007-03-09T07:35:35","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/03\/fuenfundzwanzig\/"},"modified":"2022-06-13T16:10:03","modified_gmt":"2022-06-13T14:10:03","slug":"fuenfundzwanzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/03\/fuenfundzwanzig\/","title":{"rendered":"F\u00fcnfundzwanzig"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit der Ver\u00f6ffentlichung von Annie Hruschkas \u201eSch\u00fcsse in der Nacht\u201c feiert die \u2192<a href=\"http:\/\/alte-krimis.de\/\">\u201eCriminalbibliothek des 19. Jahrhunderts\u201c<\/a> ein kleines Jubil\u00e4um, ist doch Frau Hruschka der\/die f\u00fcnfundzwanzigste Autor\/in unseres ebenso ehrgeizigen wie arbeitsintensiven Projekts. Anlass f\u00fcr eine kleine R\u00fcck- und Vorschau.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Am Anfang stand Ver\u00e4rgerung. Ver\u00e4rgerung \u00fcber die so h\u00e4ufig leichtfertig in die Welt gesetzte Erkenntnis, der deutschsprachige Kriminalroman besitze keine Tradition, habe seit jeher von den gro\u00dfen, zumeist britischen Vorbildern gezehrt und k\u00f6nne sich, wenn \u00fcberhaupt, auf eine Handvoll \u201eHochliteraturkrimis\u201c des 19. Jahrhunderts berufen, von E.T.A. Hoffmann bis Theodor Fontane. Der Nachweis, dass diese Behauptungen nichts weiter sein konnten als sorglos ins \u00d6ffentliche geplappertes Unwissen, lie\u00df sich ersch\u00fctternd leicht f\u00fchren. Man musste nur einige Antiquariatskataloge fl\u00fcchtig durchbl\u00e4ttern, ein wenig durchs Netz googeln, um auf Namen und Daten und Titel zu sto\u00dfen, die in ihrer blo\u00dfen Quantit\u00e4t ein Vorhandensein von \u201eWurzeln des deutschsprachigen Kriminalromans\u201c nahelegten. Hatte man ein paar wenige der dort aufgef\u00fchrten Werke gelesen, war man gleicherma\u00dfen ergriffen wie ersch\u00fcttert. Ergriffen, weil sich hier, in den Werken von Holtei, Streckfu\u00df oder Temme, etwas sehr Eigenst\u00e4ndiges offenbart, ersch\u00fcttert, weil mit jedem Jahr, das verging, auch diese Zeugen einer Tradition zu verschwinden drohen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Entschluss, eine \u201eCriminalbibliothek des 19. Jahrhunderts\u201c zu etablieren, in der diese fr\u00fchen Zeugnisse deutscher Kriminalliteratur jenseits der Zelebrit\u00e4ten dokumentiert und f\u00fcr jedermann kostenlos zur Lekt\u00fcre bereitgestellt werden sollten, war schnell gefasst. Es gab keine \u201eBedarfsanalyse\u201c, keinen \u201eEditionsplan\u201c; wozu auch. Ver\u00f6ffentlicht werden musste schier alles, was man irgendwie in die H\u00e4nde bekommen konnte, denn mit dem Sammeln und Zug\u00e4nglichmachen der Quellen beginnt jegliche Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es ist eben nicht nur die Wissenschaft, der hier Quellen und Anregungen geboten werden sollen. Von Anfang an war an den interessierten Laien gedacht, all die neugierigen Menschen, denen pausenloser Verzehr aktueller Krimikost nicht mehr gen\u00fcgen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, knapp 15 Monate nach dem Start der \u201eCriminalbibliothek\u201c, warten dort, grob \u00fcbern Daumen, 6000plus Seiten auf die Neugierde der LeserInnen. Das ist, wirft man einen Blick in Mirko Sch\u00e4dels \u201eBibliographie der deutschsprachigen Kriminalliteratur\u201c, immer noch wenig, zumal wenn man ber\u00fccksichtigt, dass Sch\u00e4del nur eigenst\u00e4ndige Ver\u00f6ffentlichungen, jedoch keine Zeitschriftenkrimis listet, die wir sehr wohl in digitalisierter Form anbieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir? Die \u201eCriminalbibliothek\u201c ist bislang das Werk von Zweien, der andere sei hiermit herzlich gegr\u00fc\u00dft, der obligatorische Hut gezogen. Manchmal, selten nur, erreichen mich Hinweise von Dritten, auch Ihnen ein Dank. Noch k\u00f6nnen wir gew\u00e4hrleisten, dass die \u201eCriminalbibliothek\u201c langsam, aber kontinuierlich w\u00e4chst, das laufende Jahr ist schon verplant, doch wie es in dieser kleinen Besetzung weitergeht \u2013 man wei\u00df es nicht. Aufforderung zum Mitmachen also.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen hat sich die \u201eCriminalbibliothek des 19. Jahrhunderts\u201c einen Appendix \u201efr\u00fches 20.\u201c geleistet, der die Willk\u00fcr beim Publizieren (ver\u00f6ffentlicht werden darf ja nur das Werk \u201efreier\u201c, sprich seit wenigstens 70 Jahren toter AutorInnen) zwar noch steigert, zugleich jedoch zeigt, dass Jahrhundertgrenzen keine Entwicklungsgrenzen waren. Nicht zuletzt durch diese gro\u00dfz\u00fcgigere Auslegung des Begriffs \u201ealte Krimis\u201c spiegelt sich in den angebotenen Krimis die tats\u00e4chliche Situation des damaligen \u201eMarktes\u201c wieder. Vom seriell gefertigten Heftroman \u00fcber die Sherlock-Holmes-Imitation und die psychologische Fallstudie bis zum kritischen Zeitroman und den Vorl\u00e4ufern rasant geschnittener Polizeikrimis \u2013 all das findet sich in der \u201eCriminalbibliothek\u201c, und mit jeder neuen Ver\u00f6ffentlichung erhellt sich die Vergangenheit deutschsprachiger Kriminalliteratur weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Es muss eigentlich nicht gesondert erw\u00e4hnt werden, dass die \u201eCriminalbibliothek\u201c ein unkommerzielles, von keiner Seite finanziell gef\u00f6rdertes Unternehmen ist. Der Versuch, eine Buchreihe \u201eCriminalbibliothek\u201c zu etablieren, ist nach gutem Beginn (Carl von Holteis \u201eSchwarzwaldau\u201c fand bisher \u00fcber 200 K\u00e4ufer) inzwischen wohl als gescheitert zu betrachten. Das Interesse ist mehr als m\u00e4\u00dfig, die Subskriptionsmengen ern\u00fcchternd bis katastrophal. Das ist schade, aber kein Beinbruch. Vielleicht inspiriert das digitale Vorhandensein der alten Krimis irgendwann einen Verlag, daraus ein auch papiernes zu machen; es w\u00fcrde uns freuen. Bis dahin behalte ich mir allerdings vor, jeden Verlag, der sich zum xten Mal \u201eunterm Birnbaum\u201c ausruht, statt Emilie Heinrichs\u2019 \u201eLeibrenten\u201c zu drucken, bis ins f\u00fcnfte Glied zu verfluchen und ihm jegliches Recht auf die \u201eDichter und Denker\u201c \u2013 Attit\u00fcde abzusprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht es nun weiter? So wie bisher. Wir werden unverdrossen alte Krimis publizieren, am Teppich weben, auf dem es sich Wissenschaft und neugierige LeserInnen bequem machen k\u00f6nnen. Der 50. Autor, die 50. Autorin wartet schon am Horizont, wir werden auch dieses freudige Ereignis geb\u00fchrend feiern. Mit der uns eigenen Bescheidenheit. Und dem auch dann ge\u00e4u\u00dferten Wunsch: Wenn Sie mitmachen wollen, etwas beitragen k\u00f6nnen (und sei es nur einen \u201ealten Krimi\u201c, den Sie uns zum Digitalisieren zur Verf\u00fcgung stellen): tun Sie es doch einfach!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Ver\u00f6ffentlichung von Annie Hruschkas \u201eSch\u00fcsse in der Nacht\u201c feiert die \u2192\u201eCriminalbibliothek des 19. Jahrhunderts\u201c ein kleines Jubil\u00e4um, ist doch Frau Hruschka der\/die f\u00fcnfundzwanzigste Autor\/in unseres ebenso ehrgeizigen wie arbeitsintensiven Projekts. 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