{"id":17515,"date":"2007-03-14T07:44:18","date_gmt":"2007-03-14T07:44:18","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/03\/willi-voss-gegner\/"},"modified":"2022-06-14T19:44:04","modified_gmt":"2022-06-14T17:44:04","slug":"willi-voss-gegner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/03\/willi-voss-gegner\/","title":{"rendered":"Willi Voss: Gegner"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/cover\/buchkiste_voss.jpg\" alt=\"buchkiste_voss.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der deutsche Ex-Offizier und Gesch\u00e4ftsmann Kanter kehrt zur\u00fcck in die geteilte Stadt Beirut, in der sich Christen und Moslems auch in Zeiten des Stillstands erbitterte Gefechte liefern. Er ist auf der Suche nach Erl\u00f6sung, die er zu finden glaubt, wenn er den Verantwortlichen t\u00f6tet, der ihn verh\u00f6rt und gefoltert hat, der ihn in zerm\u00fcrbenden, von k\u00f6rperlichen und geistigen Qualen durchsetzten Wochen auf ein menschliches Nichts reduziert hat, ohne Hoffnung, ohne W\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Am Ende einer Odyssee durch eine Stadt, eine Region, die dem Untergang geweiht ist, stellt Kanter seinen Folterer George Chehada \u2013 und wer jetzt denkt, aha: Showdown! hat so ganz unrecht nicht. Aber Voss beendet seinen Roman nicht mit einem schn\u00f6den Akt der Selbstjustiz; sein Schluss ist profaner und doch diffiziler als der gewaltt\u00e4tige Abschluss einer konsequent ausgelebten Racheodyssee es sein w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Chehada, der willf\u00e4hrige Lakai eines aus den Fugen geratenen Systems, ist ein Getriebener, ein Gefangener seiner vielf\u00e4ltigen \u00c4ngste und Lebensl\u00fcgen, mit denen er sich verzweifelt und letztlich vergeblich einzureden versucht, dass alle Gr\u00e4ueltaten, die er begeht, gottgewollt sind, und selbst ein Mord aus Lust eine g\u00f6ttliche Pr\u00fcfung darstellt. Opfer m\u00fcssen gebracht werden, wenn es DER Sache dient; die diesmal jene ist, die sich \u201echristlich\u201c nennt. Was nat\u00fcrlich austauschbar ist, aber auch hier verweigert sich Voss dem einfachen Weg, in dem er den Moslems nicht einfach den Schwarzen Peter zuschiebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Chehada, dem dunklen Gegenst\u00fcck Kanters, fehlen vor allem zwei Zutaten in der Suppe des Lebens: Freundschaft und Liebe. Beides darf Kanter erfahren, und so, w\u00e4hrend die \u00e4u\u00dfere Situation immer weiter zum offenen Krieg eskaliert, ein mildes Happy End erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Willi Voss hat mit \u201eGegner\u201c nicht nur einen spannenden Thriller geschrieben, sondern einen Roman, der die Situation im Nahen Osten schn\u00f6rkellos und treffend skizziert, und dadurch die Perversion dieses politischen und weltanschaulichen Schlachtfelds, dessen ideelle Gemetzel bis in den Familienverbund reichen, entlarvt. Ich wei\u00df nicht, ob er DEN Beirut Roman geschrieben hat, aber eine kluge und spannende Reise ins dunkle Herz dieser Stadt ist ihm allemal gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Traurig nur, dass der urspr\u00fcnglich 1983 erschienene (und dezent zur Jahrtausendwende \u00fcberarbeitete) Roman, kaum etwas von seiner Aktualit\u00e4t verloren hat. Die Namen der St\u00e4dte, der Regionen m\u00f6gen sich \u00e4ndern, die (selbst)zerst\u00f6rerischen Ideologien und Aktionen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Jochen K\u00f6nig<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Willi Voss: Gegner. <br \/>Schmidt Verlag; Mediaprovo 2001 &amp; 2003, <br \/>Reprint des vom Autor \u00fcberarbeiteten Romans \u201eGegner\u201c von E.W. Pless (Voss-Pseudonym) <br \/>Gustav L\u00fcbbe Verlag + Schweizer Verlagshaus 1983<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Ex-Offizier und Gesch\u00e4ftsmann Kanter kehrt zur\u00fcck in die geteilte Stadt Beirut, in der sich Christen und Moslems auch in Zeiten des Stillstands erbitterte Gefechte liefern. 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