{"id":17544,"date":"2007-03-23T07:45:52","date_gmt":"2007-03-23T07:45:52","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/03\/john-connolly-nocturnes\/"},"modified":"2022-06-14T19:42:59","modified_gmt":"2022-06-14T17:42:59","slug":"john-connolly-nocturnes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/03\/john-connolly-nocturnes\/","title":{"rendered":"John Connolly: Nocturnes"},"content":{"rendered":"\n<p>John Connolly als Meister der kleinen Form? 15 Geschichten, deren k\u00fcrzeste 11 und die l\u00e4ngste 121 Seiten lang ist. Grenzg\u00e4nge und \u2013\u00fcberschreitungen zur Phantastik, der Thrillerautor als Sch\u00f6pfer kurzer Horrorminiaturen \u2013 kann das gut gehen? Es geht, und wie. Schon in seinen recht umfangreichen Romanen ist Connolly ein hervorragender Sch\u00f6pfer mannigfaltiger Stimmungen, die Beschr\u00e4nkung auf wenige Seiten zeigt, WIE gut er wirklich ist. Ihm reichen Andeutungen, kurzes Aufflackern von Gewalt, um D\u00fcsternis und Bedrohung sehr anschaulich darzustellen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es beginnt mit einer fantastischen, hundsgemeinen Allmachtsphantasie \u00fcber ein Wesen, dessen blo\u00dfe Ber\u00fchrung den Tod bringt und ihm selbst das Leben. Am Ende einer der wenigen, sprachlich dezidiert brutalen Abg\u00e4nge, die gleichzeitig eine Wiedergeburt einl\u00e4uten. Der Kreislauf des Lebens und Sterbens als zynische Allegorie. Formidabler Einstieg und neben \u201eDas spiegelnde Auge\u201c \u2013 welches den Band beendet \u2013 die l\u00e4ngste Geschichte der Sammlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach gibt\u2019s gotischen Horror, eine Erlk\u00f6nig-Variante, ironische Schilderungen zu unterschiedlichsten Themen: warum das Spielen im Sand gef\u00e4hrlich ist, eine Armenspeisung nicht unbedingt etwas Positives ist, oder Frauen die besseren Vampire sind. Au\u00dferdem kl\u00e4rt Connolly beil\u00e4ufig und einleuchtend die Frage, warum Clowns bei vielen Menschen eher Angst und Abscheu, anstatt Lust am Lachen ausl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlussendlich hat Connollys Serienheld Charlie \u201eBird\u201c Parker seinen Auftritt, darf mit hervorragendem Musikgeschmack gl\u00e4nzen (100 Punkte alleine f\u00fcr \u201eYou will know us by the trail of dead\u201c) und bringt verst\u00e4rkt Krimimotive (kindermordender Serienkiller, Kleingangster, obskure Polizisten) ins Geschehen ein, ohne die Zone des Zwielichts ganz zu verlassen. Das klassische Spiegelmotiv \u2013 WAS lebt im, bzw. hinter dem Spiegel \u2013 bildet einen zentralen Punkt der Geschichte. Der damit einhergehende Untergang, bzw. die Verwandlung der Pers\u00f6nlichkeit, der eigenen Identit\u00e4t, ist der Grundtenor, der sich durch die Romane und Erz\u00e4hlungen Connollys zieht. Es gibt die Verf\u00fchrer &#8211; h\u00e4ufig religi\u00f6se Gruppierungen, meist repr\u00e4sentiert durch charismatische, aber sinistre Anf\u00fchrer und Handlanger -, die Verf\u00fchrten \u2013 Menschen, die den Versuchungen erliegen und das mit dem Verlust ihres Wesens, ihrer Individualit\u00e4t oder des Lebens bezahlen m\u00fcssen \u2013 und die Standhaften, die um die Verlockungen der Dunkelheit wissen, sich ihr aber widersetzen. Meist zu einem hohen Preis.<br \/>Somit lege ich die \u201eNocturnes\u201c w\u00e4rmstens ans hoffentlich schlagende LeserInnenherz. Der ein oder andere Zombie darf sich\u2019s aber auch mit Genuss zu Gem\u00fcte f\u00fchren\u2026<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">John Connolly: Nocturnes. <br \/>Ullstein 2007 <br \/>(Original: \u201eNocturnes\u201c, 2004, deutsch von Charlotte Breuer und Norbert M\u00f6llemann). <br \/>412 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Connolly als Meister der kleinen Form? 15 Geschichten, deren k\u00fcrzeste 11 und die l\u00e4ngste 121 Seiten lang ist. Grenzg\u00e4nge und \u2013\u00fcberschreitungen zur Phantastik, der Thrillerautor als Sch\u00f6pfer kurzer Horrorminiaturen \u2013 kann das gut gehen? Es geht, und wie. 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