{"id":17567,"date":"2007-04-03T07:47:57","date_gmt":"2007-04-03T07:47:57","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/04\/patrick-neate-city-of-tiny-lights\/"},"modified":"2022-06-15T02:03:50","modified_gmt":"2022-06-15T00:03:50","slug":"patrick-neate-city-of-tiny-lights","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/04\/patrick-neate-city-of-tiny-lights\/","title":{"rendered":"Patrick Neate: City of Tiny Lights"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Dieses ist die vierte Besprechung eines der Kandidaten f\u00fcr den Edgar des Jahres 2007, Kategorie \u201eBestes Taschenbuch\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Terroranschl\u00e4ge des Jahres 2005 auf U-Bahnen der britischen Hauptstadt wurden von Immigranten der zweiten Generation ver\u00fcbt und k\u00f6nnen auch als Zeichen f\u00fcr den tiefen Riss, der durch die britischen Gesellschaft geht, verstanden werden. Seit den Anschl\u00e4gen unterliegen die muslimischen Gemeinden in Gro\u00dfbritannien dem Generalverdacht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe City of Tiny Lights\u201c von Patrick Neate ist vor den Anschl\u00e4gen geschrieben, schildert \u201edie Ereignisse\u201c und ihre Folgen jedoch seltsam stimmig, so dass man mutma\u00dfen darf, dass die Geschehnisse f\u00fcr den Verst\u00e4ndigen nicht \u00fcberraschend kamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das Buch im Jahre 2005 schon bald nach der englischen Originalausgabe auch in Deutschland erschien, fand es wenig Resonanz bei den deutschen Krimikritikern. An der Qualit\u00e4t des Buches lag es wohl nicht. Eher daran, dass Patrick Neate durchs Raster fiel: Der mehrfach ausgezeichnete Autor \u2013 unter anderem 2001 den Whitbread Novel Prize &#8211; hatte, bei dato vier B\u00fcchern, keinen Krimi geschrieben. In den USA haben die Krimikritiker genauer hingeschaut und einen Schatz steinfestscher Stilistik und lethemscher Qualit\u00e4t gehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ich-Erz\u00e4hler, Tommy Akhtar ist ugandischer Inder und als kleines Kind mit seinen Eltern, die vor den H\u00e4schern Idi Amins fl\u00fcchteten, nach England gekommen. Sein Vater, eigentlich ein Arzt, aber fortan ohne das Recht der Berufsaus\u00fcbung, m\u00fchte sich redlich, aus ihm einen echten Briten zu machen und hinterlie\u00df wohl doch nur einen zerrissenen Seelenteppich und einen leidenschaftlichen Cricketfan &#8211; dessen Beschreibungen voll sind mit Vergleichen aus eben diesem Sport. Nach Jahren der Wanderschaft und eines l\u00e4ngeren Aufenthaltes in Afghanistan im Kampf gegen die russischen Besatzer \u2013 Tommy Akhtar ist Muslim &#8211; lebt er nun in einem ethnisch gemischten Stadtteil Londons und arbeitet als Privatdetektiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00e4ngt reicht unspektakul\u00e4r an. Er soll f\u00fcr eine Prostituierte ihre, ebenfalls im Gewerbe t\u00e4tige Mitbewohnerin finden. Dank seiner ausgepr\u00e4gten Intuition findet er bald eine Spur und k\u00f6nnte den Fall abschlie\u00dfen, wenn es nicht an ihm nagen w\u00fcrde, dass der letzte Kunde der Prostituierten ein Parlamentsmitglied war, dessen Ermordung \u00fcberhaupt erst zu deren Abtauchen f\u00fchrte. Nun, es kommt eins ins andere und am Ende ist er mitten drin in einer w\u00fcsten Verschw\u00f6rung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eCity of tiny lights\u201c verf\u00fcgt \u00fcber einen ordentlichen Plot und wird zum Ende hin sogar recht spannend. Faszinierend, nein: begeisternd ist jedoch der Erz\u00e4hlstil, mit dem Tommy Akhtar seine Geschichte vortr\u00e4gt. Scheinbar erratisch folgt er immer wieder seinen Gedankenstr\u00f6men und philosophiert \u00fcber das Leben im Allgemeinen und das als Immigrant im Besonderen. Dabei ist er ein ironischer bis zynischer Mensch, dessen Wortwitz nicht kom\u00f6diantisch plump daherkommt, sondern sich (gewisserma\u00dfen hinterfotzig) h\u00e4ufig erst im Nachsatz offenbart. Dieses ist h\u00f6chstvergn\u00fcglich zu lesen, f\u00fcgt sich zu einem Bild des Immigrantenlebens im heutigen Gro\u00dfbritannien und wirkt &#8211; siehe oben \u2013 \u00fcberzeugend .<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Patrick Neate: City of Tiny Lights. <br \/>Riverhead Books 2006. 335 Seiten. 14,50 \u20ac <br \/>(deutsch: \"Stadt der kleinen Lichter\", Rogner &amp; Bernhard 2005. 350 Seiten. 17,90 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses ist die vierte Besprechung eines der Kandidaten f\u00fcr den Edgar des Jahres 2007, Kategorie \u201eBestes Taschenbuch\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[397,474],"class_list":["post-17567","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives","tag-buchkritik","tag-krimi"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Bernd Kochanowski","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/bernd-kochanowski\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17567","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17567"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17567\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}