{"id":17576,"date":"2007-04-10T08:07:35","date_gmt":"2007-04-10T08:07:35","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/04\/jan-burke-bloodlines\/"},"modified":"2022-06-15T02:01:31","modified_gmt":"2022-06-15T00:01:31","slug":"jan-burke-bloodlines","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/04\/jan-burke-bloodlines\/","title":{"rendered":"Jan Burke: Bloodlines"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit 637 Seiten in der amerikanischen TB-Ausgabe kann Jan Burkes \u201eBloodlines\u201c als au\u00dfergew\u00f6hnlich umfangreich gelten. Die in den USA erfolgreiche Autorin, die u.a. 2000 den Edgar f\u00fcr ihr Buch \u201eBones\u201c bekam und von der alle B\u00fccher ins Deutsche \u00fcbersetzt vorliegen, gruppiert ihre Serie um die Journalistin Irene Kelly, die bei einer kleineren Zeitung arbeitet und, da ihr Mann Polizist in der Gemeinde ist, nicht die Kriminalgeschichten f\u00fcr die Zeitung bearbeitet, aber dennoch immer wieder auf solche st\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eBloodlines\u201c ist ein ambitioniertes Buch, in welchem die Autorin nicht nur, wie h\u00e4ufig, die Verbrechen der Gegenwart auf ihre Wurzeln aus der Vergangenheit zur\u00fcckf\u00fchrt. Stattdessen erz\u00e4hlt sie in dem epischen Werk eine Geschichte von Verbrechen, die \u00fcber sieben Jahrzehnte reichen und von vielfach verflochtenen Beziehungen zwischen Menschen. Manche dieser Menschen sind inzwischen alt geworden, andere mittlerweile gestorben und einige sind noch j\u00fcnger und geraten (der beziehungsreiche Titel des Originals deutet es an) in dieses Beziehungsgeflecht \u00fcber Freunde oder Verwandte. Kelly steht dabei noch nicht einmal im Zentrum des Buches, sondern ihr fr\u00fcherer Lehrmeister und Mentor Cork O`Connor.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBloodlines\u201c ist in drei Teile aufgebaut. Der erste Teil ist zwischen 1936 und 1958 angesiedelt und erz\u00e4hlt, wie O\u00b4Connor schon als kleiner Zeitungsjunge vom Reporter Jack Corrigan ans Zeitungsgesch\u00e4ft herangef\u00fchrte wurde. Nach einer Party wird Corrigan zusammengeschlagen aufgefunden. Die Gastgeber bleiben nach einer n\u00e4chtlichen Yachtfahrt verschwunden und ihr kleines Kind wird zeitgleich entf\u00fchrt. Mittlerweile mit Corrigan befreundet, schreibt O\u00b4Connor als junger Reporter \u00fcber diese Vorkommnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich bleiben sie ungel\u00f6st und 1978, im zweiten Teil, sto\u00dfen O\u00b4Connor und Kelly, ihrerseits nun junge Reporterin, zuf\u00e4lligerweise auf Hinweise zu diesen alten Geschehnissen. Die beiden Journalisten und die Polizei nehmen die Nachforschungen wieder auf und k\u00f6nnen einiges Licht in die damaligen Ereignisse bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als dann Kelly im Jahr 2000 einen Teil des schriftlichen Nachlasses O\u00b4Conners erh\u00e4lt und in diesem st\u00f6bert, findet sie Informationen, die ihr zuvor unbekannt waren und ein weiteres Mal werden die fr\u00fcheren Ereignisse aufgerollt. Nun versucht Kelly alleine das Verm\u00e4chtnis des Mentors ihres Mentors aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBloodlines\u201c ist nicht nur ein Buch, in dem Verbrechen komplex aufgearbeitet wird, sondern es ist auch ein wunderbar gef\u00fcgtes Buch mit interessanten Menschen und den vielf\u00e4ltigen Beziehungen zwischen ihnen. Es ist ein Vergn\u00fcgen, mit den Personen durch die Zeiten zu reisen und zu sehen, wie sie und das Zeitungsmetier sich \u00e4ndern. Das R\u00e4tsel wird mit wechselnden Personen, neuen Informationen und zunehmender Kriminaltechnik immer wieder aus anderen Blickwinkeln angegangen und letztlich gel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Jan Burke schreibt mit einer geradezu federnden Leichtigkeit. Direkt provokant unangestrengt, aber nie schal liest sich das Buch. So manche Metapher, so manches Motiv, so manches Empfinden transportiert sie gekonnt durch die Zeit und greift diese immer wieder auf. Das einzige was mich ein wenig st\u00f6rt, sind die verschiedenen Perspektiven, aus denen die Geschichte erz\u00e4hlt wird. Irene Kelly erz\u00e4hlt grunds\u00e4tzlich in der ersten Person, anderen Personen blickt der Leser \u00fcber die Schulter. So dass der erste Teil des Buchs grunds\u00e4tzlich in der dritten Person und der dritte Teil \u00fcberwiegend in der ersten Person geschrieben ist. Im zweiten Teil, in dem Kelly zunehmend in den Mittelpunkt r\u00fcckt, wechselt die Erz\u00e4hlung immer wieder von der ersten zur dritten Person. Da Kelly hier noch nicht Hauptfigur des Buches ist, st\u00f6rt die Verwendung der ersten Person in meinen Augen ein wenig den Erz\u00e4hlfluss; sie ist aber aus Gr\u00fcnden der Serienkonsistenz unumg\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch: Jan Burke ist auch so eine Autorin, die ein wenig mehr \u201e\u00d6ffentlichkeit\u201c in Deutschland verdient h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Jan Burke: Bloodlines. <br \/>Simon &amp; Schuster 2006. 637 Seiten. 8.50 \u20ac <br \/>(deutsch: Totenruhe. Goldmann 2005, 671 Seiten. 8.95 \u20ac )<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit 637 Seiten in der amerikanischen TB-Ausgabe kann Jan Burkes \u201eBloodlines\u201c als au\u00dfergew\u00f6hnlich umfangreich gelten. 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