{"id":17583,"date":"2011-10-10T07:46:14","date_gmt":"2011-10-10T07:46:14","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/10\/was-ist-krimi-neues-aus-der-zettelwirtschaft-4\/"},"modified":"2022-06-16T01:12:27","modified_gmt":"2022-06-15T23:12:27","slug":"was-ist-krimi-neues-aus-der-zettelwirtschaft-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/10\/was-ist-krimi-neues-aus-der-zettelwirtschaft-4\/","title":{"rendered":"Was ist Krimi? Neues aus der Zettelwirtschaft 4"},"content":{"rendered":"\n<p>Von selbstgetretenen Hintern und einem Song der &#8222;\u00c4rzte&#8220;, mit Serienhelden und anderen Hohlblocksteinen: das Hirn schafft immer neue Zettel &#8211; hier sind sie. So. Und jetzt noch schnell die Frau Biermann in den Senkel stellen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Zettel 31:<\/strong> Nicht nur Zettelwirtschaft, jetzt auch noch Collage. Wehe dem Verlag, der dieses Buch ver\u00f6ffentlicht! Manchmal schreibt es sich im Fiktiven leichter als im Faktischen, gerade Krimi \u00fcber Krimi als Krimi and so on. Blo\u00df nicht &#8222;wissenschaftlich&#8220;, das versprechen schon die anderen. Der Krimi als Herrschaftsinstrument. Aber was wird NICHT zum Herrschaftsinstrument? Zuviel Manotti gelesen, wie?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Off-top zum fr\u00fchmorgendlichen Auf- und Abregen:<\/strong> Wenn ich wissen will, was Dummheit ist, rufe ich eine bestimmte Seite im Netz auf. Ob-jek-ti-vi-t\u00e4t. F\u00fcnf Silben, die sich zu einer Faust ballen und jeglicher Form nat\u00fcrlicher Intelligenz ins Gesicht hauen. Langsam wieder topisch werden: Der Krimi unter dem Schmiedehammer, die Form wird erkennbar, das Langschwert der belanglosen Geschichten geschmiedet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 32: <\/strong>\u00dcber Erich Wulffen, den Wissenschaftler, mag man sich trefflich streiten. Der Kriminalschriftsteller Wulffen ist aber allemal pr\u00e4sentabel. &#8222;Die geschlossene Kette&#8220;, 1919, sollte lesen wer an die Existenz des objektiven Beweises glaubt. Dem ein ganzes Kapitel widmen, Wulffen und Landsberger, kennt auch keine Sau mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 33:<\/strong> Die Kriminal- lief der &#8222;Hoch&#8220;-Literatur immer einige Schritte atemlos hinterher, ohne sie jemals einzuholen. Wo hechelt sie heute? 1950? Nach dem Gespr\u00e4ch mit R. noch einmal an das Verh\u00e4ltnis Krimi \u2013 Film gedacht. Landsberger, wie so viele seiner Kollegen in den Zwanzigern zugleich Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler. Dialogkrimi. Apropos: George V. Higgins, &#8222;Die Freunde von Eddie Coyle&#8220;, mal reingeschaut, sehr nett. Nicht ausschlie\u00dflich Dialoge, aber beinahe doch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 34:<\/strong> Noch einmal Landsberger. Es ist eine Schande! Alles! Die grenzenlose Ignoranz! Der deutsche Krimi strebt nach Weltgeltung? Hach! Er H\u00c4TTE SIE HABEN K\u00d6NNEN!!! Zwanziger Jahre, Herrschaften! Stattdessen: Lieber einem Wahnsinnigen hinterhergelaufen. Heute? Nicht besser, eher schlechter. Meine Nichte w\u00fcrde sagen: Fastfood-Suchtis. Und mir DIE \u00c4RZTE vorspielen: &#8222;Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es w\u00e4r nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.&#8220; Also doch Landsberger im Selbstverlag? Lange genug tot ist er ja.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 35:<\/strong> &#8222;Eine Mordsgeschichte wird recherchiert&#8220; ist fertig. 13 Seiten, aparteste Collage, gleich die n\u00e4chste Story im Hirnkasten, &#8222;Blow Up 1844&#8220;. Wer das &#8222;Kurzkrimi&#8220; nennt, wird langsam \u00fcber offenem Feuer ger\u00f6stet. Aber Dummheit wird auch nicht schmackhafter, wenn sie wie ein Spanferkel zubereitet ist. Heute Morgen aggressiv, dpr? Ach wo. Aggressiv? Ich? Das ist nur meine morgendliche Katharsisdusche f\u00fcr die Kollerader.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 36:<\/strong> Das Ph\u00e4nomen des Sympathietr\u00e4gers ist zwar ein allgemein literarisches, in der Kriminalliteratur jedoch besonders rigide gehandhabtes. Der Sympathietr\u00e4ger ist das Flo\u00df, auf dem wir durch die Handlung treiben. Nun ist aber der Sympathietr\u00e4ger \/ das Flo\u00df in der Kriminalliteratur kein homogenes Objekt. Er vereinigt in sich h\u00f6chst widerstreitende Kr\u00e4fte \/ Fliehkr\u00e4fte, Ordnung und Chaos. Also ist seine Konstruktion in aller Regel sehr robust. Verfolgen, wie sich das im Laufe der Zeit entwickelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 37:<\/strong> HEUREKA! Na, wenn ich das SO mache, es w\u00e4re h\u00f6chst umsatzsch\u00e4dlich. DAS erwartet hierzulande niemand. Wir leben im Land der herbeigesehnten Neuerungen, die aber h\u00fcbsch zum alten Mobiliar passen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 38:<\/strong> Sein &#8222;erster literarischer Thriller&#8220;: Formulierungen wie Hohlblocksteine. &#8222;Ein Frauentorso mit Ziegenkopf&#8220;: reicht der \/ dem Mimi wirklich der hundsgew\u00f6hnliche Mord nicht mehr? Ist Krimilesen die \u00fcberkandidelte Heilige Messe der Phantasielosen, die sich die Nervenenden freiwillig ver\u00f6den lassen? Um danach \u2013 Weihrauch, Orgel, Hostie \u2013ihre perversen Rituale vor dem Altar des Genres zu feiern? In China st\u00fcrzt sich eine Arbeiterin aus dem 8. Stock der Fabrik, in der sie unter viehischen Bedingungen iPods zusammenschraubt. Unten angekommen, hat sie Steve Jobs zerschmettert. Mit wessen Tod machen die Nachrichten auf? Richtig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 39:<\/strong> Wenn mit Poe das &#8222;Genre&#8220; beginnt (gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr, gute dagegen), dann ist der erster M\u00f6rder der Kriminalliteratur \u2013 ein Affe, f\u00fcr seine Taten nicht verantwortlich. Der letzte M\u00f6rder wird konsequenterweise die Menschheit-als-solche sein. Ein auf ihre Instinkte abstrahierte Masse, affen\u00e4hnlich. Verantwortlich f\u00fcr ihre Taten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 40:<\/strong> Der Serienheld als Instrument zur Kundenbindung. Fr\u00fch bereits ausgepr\u00e4gt (der &#8222;Criminalrichter&#8220; bei Temme, Detektiv M\u00fcller bei Groner etc.), heute beinahe nur noch mit den Termini des Marketings zu fassen. Identifikationsfigur, Win-Win, wer einen Teil gelesen hat, will &#8222;wissen, wie es mit dem sympathischen Helden weitergeht&#8220;. Nebenbei: Zwei der brillantesten Krimis der Saison sind Standalones von SerienschreiberInnen (Geier, Horst). Zitat Geier: &#8222;Es sollte alles wackeln. Nichts sollte sicher sein. Und das geht besser mit neuen Personen, die noch kein Leser kennt.&#8220; Jo.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weisheitszettel, \u00fcberfl\u00fcssig:<\/strong> (Kriminal-) Literatur entwickelt sich als unregelm\u00e4\u00dfige Folge gezielter Tritte in Autoren-Leser-Kritikerhintern. ABER: den eigenen nicht vergessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von selbstgetretenen Hintern und einem Song der &#8222;\u00c4rzte&#8220;, mit Serienhelden und anderen Hohlblocksteinen: das Hirn schafft immer neue Zettel &#8211; hier sind sie. So. 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