{"id":17599,"date":"2011-10-14T20:34:16","date_gmt":"2011-10-14T20:34:16","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/10\/buchmesse-2011\/"},"modified":"2022-06-16T01:08:53","modified_gmt":"2022-06-15T23:08:53","slug":"buchmesse-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/10\/buchmesse-2011\/","title":{"rendered":"Buchmesse 2011"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Prolog vor dem Theater<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Mayonnaise ist wieder glatt&#8220;: mit diesem enigmatischen Satz versuchte ich vor einigen Tagen auf Facebook, Freitagsbesucher der Buchmesse an den Conte-Stand zu locken. Wer mir zwischen 11 und 12 Uhr als erste\/r die f\u00fcnf W\u00f6rter pr\u00e4zise ins Ohr wispern \/ raunen \/ s\u00e4useln \/ tirilieren w\u00fcrde, der oder dem w\u00e4re ein Exemplar des fulminanten &#8222;Mord(s)kalenders 2012&#8220; sicher. &#8222;Tolle Marketingstrategie&#8220;, lobte der Verleger und Mitherausgeber.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div style=\"text-align: center;\">*<\/div>\n\n\n\n<p>Aber beginnen wir wie jedes Jahr mit dem Essentiellen. Auch heuer war die Buchmesse das einzige verbliebene Strumpfhosen-Eldorado des deutschen literarischen Betriebs. Dominierte in den Vorjahren schwarz sowohl bei Fein- wie auch bei Wollstrumpfhosen, gingen 2011 die T\u00f6ne eher ins Erdfarbene, bisweilen, vor allem bei Kleinverlagen, auch ins Bunte. Dazu trugen die Damen wahlweise Stulpenstiefel, High Heels oder Ballerinas. Die R\u00f6cke waren k\u00fcrzer geraten, wiewohl nicht mehr so eng, mit einem Hauch Faltenfolklore.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Conte-Stand herrschte reges Treiben. Als erster erschien Jochen K\u00f6nig, Ex-Azubi bei wtd und nun stellvertretender Chef der Krimicouch. &#8222;Jetzt hab ich doch glatt die Mayonnaise vergessen&#8220;, t\u00f6nte er und verlangte die sofortige Aush\u00e4ndigung seines gewonnenen Kalenderexemplares. Ich musste ihn entt\u00e4uschen. &#8222;War klar&#8220;, jammerte er, &#8222;meine M\u00e4dels haben auch grad wieder mal ne Pechstr\u00e4hne, ich stehe unter keinem guten Stern.&#8220; Herr K\u00f6nig trainiert eine Damenfu\u00dfballmannschaft. &#8222;Wie stehts um die neueste kriminalliterarische Entwicklung?&#8220; wollte ich vom Experten wissen. &#8222;Jo&#8220;, antwortete dieser nach l\u00e4ngerem Nachdenken, &#8222;da steht schon einiges.&#8220; Um nach einer noch l\u00e4ngeren Pause angestrengter Geistesbet\u00e4tigung auszurufen: &#8222;Aber irgendwie vermisse ich dieses Jahr die schwarzen Strumpfhosen auf der Messe!&#8220; Eine Aussage, die vom Conte-Verleger mit einem &#8222;Und ich erst&#8220; unterstrichen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Jochens Besuch kaum erholt, erwartete mich eine angenehme \u00dcberraschung. Mit den besorgten Fragen &#8222;Du hast Schwierigkeiten mit der Mayonnaise? Nimmst du auch nur das gute Oliven\u00f6l?&#8220; tauchte unvermutet die lange verschollen geglaubte Astrid Paprotta auf. Wir f\u00fchrten ein ebenso intensives wie f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit nicht autorisiertes Gespr\u00e4ch, das, soviel sei verraten, mit dem Tipp endete, eine gelungene Mayonnaise stehe und falle mit der Frische der verwendeten Eier. &#8222;Freilaufend m\u00fcssen sie sein!&#8220; gab mir Astrid als wichtigen Empfehlung auf den Weg, auf den sie sich dann machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ich brauchte nun ein wenig Bewegung und machte mich auf zur Halle 3. Hier war es ein wenig ruhiger als in Halle 4, man kam gut voran. Bis ich in einen Pulk aufgeregt plappernder Menschen geriet. Hm, dachte ich, hier wird doch nicht gleich Sebastian Fitzek lesen? \u2013 Schon ert\u00f6nte eine weibliche Mikrophonstimme: &#8222;Sebastian, Millionen Menschen fragen sich: Woher nimmst du eigentlich deine Ideen?&#8220; Ich fragte mich, was zu tun sei und nahm schleunigst Rei\u00dfaus.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich hau dir die Mayonnaise glatt!&#8220; versprach Pulp-Master-Verleger und Amateurboxer Frank Nowatzki, den ich nun an seinem Stand heimsuchte. Was, bei aller Sympathie f\u00fcr den wackeren Recken des Hardcore-Noir, leider auch nicht f\u00fcr den Gewinn eines Krimikalenders reichte. &#8222;Daf\u00fcr schei\u00df ich dich n\u00e4chstes Jahr wieder mit prima B\u00fcchern zu&#8220;, drohte der athletische Verleger. Ich versprach, es \u00fcber mich ergehen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck am Conte-Stand erwartete mich die n\u00e4chste \u00dcberraschung: Norbert Horst! &#8222;Auf deiner Glatze ist Mayonnaise&#8220; erinnerte mich der grandiose Autor an die soeben genossene Portion Original-Buchmessen-Kartoffelsalat mit W\u00fcrstchen. Leider konnte der vielgefragte Autor nicht lange bleiben, versprach jedoch, die Qualit\u00e4t seiner Krimiproduktion auf h\u00f6chstem Niveau zu halten, ja, sogar noch zu steigern. Verabschiedete sich und folgte einer aufregenden blaulila Strumpfhose, die verf\u00fchrerisch Richtung Suhrkamp-Stand getragen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zum Schluss noch die unwichtigen Dinge: Mit jedem Jahr Buchmesse w\u00e4chst die Zahl der Personen, denen ich keinesfalls begegnen m\u00f6chte, so dass sp\u00e4testens im Jahr 2058 ein Besuch in Frankfurt unm\u00f6glich werden wird. Der Krimitrend geht zu Blauwei\u00df: lustige Bayernkrimis, lustige Bayernkrimis, lustige Bayernkrimis. Und alle irgendwie in der Manier des \u00d6sterreichers Wolf Haas. Und so glatt wie Mayonnaise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prolog vor dem Theater &#8222;Die Mayonnaise ist wieder glatt&#8220;: mit diesem enigmatischen Satz versuchte ich vor einigen Tagen auf Facebook, Freitagsbesucher der Buchmesse an den Conte-Stand zu locken. 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