{"id":17602,"date":"2007-04-24T07:49:21","date_gmt":"2007-04-24T07:49:21","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/04\/lee-child-one-shot\/"},"modified":"2022-06-15T01:28:46","modified_gmt":"2022-06-14T23:28:46","slug":"lee-child-one-shot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/04\/lee-child-one-shot\/","title":{"rendered":"Lee Child: One Shot"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn ein erfahrener Krimikritiker wie Tobias Gohlis gesteht, dass er innerhalb k\u00fcrzester Zeit s\u00e4mtliche B\u00fccher einer Serie verschlungen hat, weil ihn diese so sehr fesselte, dann ist das sicherlich ein gro\u00dfes Lob. Lee Child, dem dieses Kompliment zuteil wurde, verbindet in seiner Serie um den einsamen Wolf Jack Reacher in \u00fcberragender Weise das R\u00e4tsel und den Thrill.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Reacher, der in der Tradition John D. Macdonalds <em>Travis McGhee<\/em> oder Richard S. Prathers <em>Shell Scott<\/em> steht und der deren Abneigung, ihre \u00fcberlegene Physis und Kampferfahrung einzusetzen teilt, ist nicht nur ein besonderer K\u00e4mpfer f\u00fcr die Gerechtigkeit gegen das B\u00f6se dieser Welt, sondern auch ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Spurenleser, der aus kleinsten Details scheinbar zwingende Schl\u00fcsse zieht. Dieses Spurenlesen, welches immer wieder fasziniert und in seiner Unnachvollziehbarkeit durchaus eine N\u00e4he zu der Arbeit Poirots hat, verkn\u00fcpft Child mit spannenden Plots, die knistern wie die Holzscheite im Ofen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch \u201eOne Shot\u201c ist entsprechend aufgebaut. Wir sehen, wie ein Scharfsch\u00fctze minuti\u00f6s einen Job vorbreitet. Am Ende hat er vier Menschen mit f\u00fcnf Patronen erschossen und wir lernen, dass diese Quote Durchschnitt f\u00fcr einen Scharfsch\u00fctzen <em>im Krieg<\/em> ist. Wenige Stunden sp\u00e4ter wird ein Mann verhaftet &#8211; die Indizien wirken \u00fcberw\u00e4ltigend. Seinem Anwalt gegen\u00fcber sagt er nur, dass der falsche Typ verhaftet wurde und dass man Jack Reacher holen m\u00f6ge &#8230; wenige Stunden sp\u00e4ter liegt er auf der Intensivstation und als er wieder erwacht, hat er sein Ged\u00e4chtnis verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Reacher wundert sich, warum ein so gewissenhaft vorbereiteter Anschlag eine Spur so breit wie ein Elefant im Porzellanladen zur\u00fcckl\u00e4sst. Es sind weitere kleinere Ungereimtheiten, auf die er st\u00f6\u00dft und pl\u00f6tzlich sind wir mitten drin in der \u201eReacher-Welt\u201c, wo es scheinbar kein Entrinnen f\u00fcr Reacher gibt; vor der Polizei, die ihn als unbequemen Querulanten ausschalten m\u00f6chte und den Gaunern, die ihn als Bedrohung empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon mit dem ersten Satz in seinem ersten Buch \u201eKilling Floor\u201c hatte Child deutlich gemacht, dass er ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Schreiber ist. Manche seiner Abs\u00e4tze lassen fast eine stilistische N\u00e4he zu James Ellroy ahnen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>A local anchor called Ann Yanni came on. She recapped the events of the night before. Sniper slaying. Senseless slaughter. An automatic weapon. A parking garage. A public plaza. Commuters on their way home after a long working week. Five dead. A suspect in custody, but a city still grieving.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Lee Child schreibt \u00f6konomisch wie nur wenige. Durchaus mit trockenem Humor, extrem fokussiert und mit dem Gef\u00fchl f\u00fcr \u00dcberraschungen und der richtigen L\u00e4nge der Spannungsb\u00f6gen. Und so endet \u201eOne Shot\u201c auch furios.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine B\u00fccher haben nicht nur au\u00dfergew\u00f6hnliches Niveau, sondern sind auch stilistisch eigenst\u00e4ndig und arbeiten weniger mit den allgemein \u00fcblichen Versatzst\u00fccken als die der meisten seiner Kollegen. Nat\u00fcrlich, wenn man wollte, k\u00f6nnte man dr\u00fcber meckern, dass Childs Reacher keine weltanschauliche Agenda hat und dass ihn scheinbar gar nichts tief beeindrucken kann; aber das ginge am Kern der Sache vorbei. Wie die meisten seiner B\u00fccher ist \u201eOne Shoot\u201c ein Ma\u00dfstab, an dem die der B\u00fccher seiner \u201eThriller-Kollegen\u201c zu messen sind.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Lee Child: One Shot. <br \/>Random house 2006. 496 Seiten. 8,30 \u20ac <br \/>(nochkeine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein erfahrener Krimikritiker wie Tobias Gohlis gesteht, dass er innerhalb k\u00fcrzester Zeit s\u00e4mtliche B\u00fccher einer Serie verschlungen hat, weil ihn diese so sehr fesselte, dann ist das sicherlich ein gro\u00dfes Lob. 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