{"id":17612,"date":"2007-05-01T07:32:04","date_gmt":"2007-05-01T07:32:04","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/walter-mosley-cinnamon-kiss\/"},"modified":"2022-06-15T01:27:10","modified_gmt":"2022-06-14T23:27:10","slug":"walter-mosley-cinnamon-kiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/walter-mosley-cinnamon-kiss\/","title":{"rendered":"Walter Mosley: Cinnamon Kiss"},"content":{"rendered":"\n<p>Bekannt wurde Walter Mosley mit seiner Serie um den Detektiv Easy Rawlings. F\u00fcr den Erstling \u201eDevil in a Blue Dress\u201c erhielt er 1991 den renommierten \u201eShamus Award\u201c (verliehen f\u00fcr B\u00fccher mit Privatdetektiven). Er war zwar nicht der erste der zeitgen\u00f6ssischen afroamerikanischen Autoren, der einen der renommierten Krimipreise gewann, aber er war derjenige, der auch vom \u201ewei\u00dfen\u201c Lesepublikum in gr\u00f6\u00dferem Umfang akzeptiert und gelesen wurde, und er war der erste Afroamerikaner als Pr\u00e4sident der \u201eMystery Writers of America\u201c. Auch heute, 17 Jahre nach dem Beginn seiner Karriere, unterschiedlichen Serien, Jugend- und Science-Fiction B\u00fcchern, hat Mosley wohl immer noch als Leitstern der afroamerikanischen Krimiliteratur zu gelten. Anderen afroamerikanischen Autoren hat sein Erfolg bei der Akzeptanz durchs \u201ewei\u00dfe\u201c Publikum jedoch nur wenig geholfen.<br \/>In Deutschland scheint es in den letzten Jahren stiller um Mosley geworden zu sein, seine neueren B\u00fccher sind bei uns allesamt nicht erschienen. Im Vergleich ist sein inniger Stil wohl zu wenig plakativ, zu wenig rei\u00dferisch und belohnt zu sehr den mitdenkenden Leser. Dabei ist Ezekiel (Easy) Rawlings, Held auch des vorliegenden Buches, eine zutiefst moralische Figur, die scheinbar naiv auf die (rassischen) Ungerechtigkeiten dieser Welt blickt und uns an ihren \u201ePhilosophien\u201c \u00fcber das Leben als schwarzer US-Amerikaner teilhaben l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Beginn an folgen die B\u00fccher der Serie, wie einstmals die der McGhee Serie von John D. MacDonald der \u201eFarbenlehre\u201c. Mit \u201eCinnamon Kiss\u201c ist Easy bei einer zimtfarbenden Sch\u00f6nheit angekommen, die wei\u00dfen wie schwarzen M\u00e4nnern durch Intelligenz und Aussehen den Kopf verdreht und die im Besitz wertvoller Dokumente ist. Easy wurde eigentlich beauftragt, den Chef von \u201eCinnamon\u201c ausfindig zu machen und so dringend er den Auftrag braucht, leicht tut er sich nicht ihn anzunehmen, denn der Auftraggeber hei\u00dft mit Nachnamen Lee, ganz so wie der S\u00fcdstaatengeneral, welcher im amerikanischen B\u00fcrgerkrieg gegen die Aufhebung der Sklaverei k\u00e4mpfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Easy wird schnell klar, dass der Gesuchte ermordete wurde und dass Cinnamon sich versteckt h\u00e4lt. Aus gutem Grund wohl, denn ein Killer sucht Easy in seinem B\u00fcro auf und versucht ihn von seiner Suche nach Cinnamon abzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Serie, deren erstes Buch zur\u00fcck ins Jahr 1948 f\u00fchrte und sich langsam durch die Zeit arbeitet, gelangt mit \u201eCinnamon Kiss\u201c ins Jahr 1966. Ein Jahr nach den ber\u00fchmten Rasseunruhen in LA\u00b4s Stadtteil Watts (und etwa zwei Jahre vor dem gewaltsamen Tod Martin Luther Kings) ist die Stimmung in LA zwischen wei\u00df und schwarz immer noch gereizt. Anderenorts merkt Easy zwar, dass sich die Zeiten zu \u00e4ndern beginnen, und dass es Wei\u00dfe gibt, die ihn und \u201eseinesgleichen\u201c nicht aufgrund seiner Hautfarbe beurteilen. Aber dennoch, schwarz zu sein bedeutet immer noch \u00f6konomisch benachteiligt zu sein und willk\u00fcrlich von der Polizei aufgegriffen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher, diese \u00dcberraschung, die es beim Lesen der alten Mosleys gab und die wohl auch einen Teil des Erfolges ausmachte, ist weg; mittlerweile kann man andere, \u201eradikalere\u201c Autoren finden \u2013 wie die von deutschen Lesern konsequent nicht verstandene Paula L. Woods &#8211; und dennoch: \u201eCinnamon Kiss\u201c ist ein ausgesprochen gutes Buch. Die in sich gekehrte Figur des Easy Rawlings ist vielleicht noch etwas dunkler get\u00f6nt als sonst, aber das ist eigentlich auch kein Wunder. St\u00fcrzt er sich \u00fcberhaupt nur in das Abenteuer um die zimtfarbende Sch\u00f6nheit, weil er schnell die astronomische Summe von 35.000 $ braucht, um seiner \u00fcber alles geliebten Adoptivtochter zu helfen, die eine r\u00e4tselhafte Bluterkrankung hat und nur durch eine teure Therapie in der fernen Schweiz gerettet werden kann [Mithin ein Strang, den Mosley nicht weiterverfolgt, obwohl die problematische medizinische Versorgung der Unterprivilegierten in den USA durchaus ein interessantes Thema w\u00e4re].<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Easys mitunter eigenwilligen Beobachtungen und seine exzentrischen Freunde und Bekannten, die sich \u00fcber die B\u00fccher der Serie angesammelt haben und ihm auch diesmal wieder helfen, geben dem Buch doch mitunter auch eine Leichtigkeit und profunden Humor. Alles das ist geschrieben aus der sehr pers\u00f6nlichen Sicht Easys, die vieles beschreibt, aber wenig auswalzend erkl\u00e4rt. Nichts also f\u00fcr Liebhaber mankellschen Erkl\u00e4rungsoverkills. Aber im Vergleich zu diesem hat Mosley ja auch ein \u201eechtes\u201c Thema, \u00fcber das er mit dem Leser reden m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Most Americans wouldn\u00b4t understand why two well-dressed men would have to explain why they were standing on a public street. But most Americans cannot comprehend the scrutiny that black people have been under since the days we were dragged here in bondage.<\/p><p><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Walter Mosley: Cinnamon Kiss. <br \/>Warner Books 2006, 336 Seiten. 6,26 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bekannt wurde Walter Mosley mit seiner Serie um den Detektiv Easy Rawlings. 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