{"id":17633,"date":"2011-11-23T07:35:34","date_gmt":"2011-11-23T07:35:34","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/11\/rob-alef-kleine-biester\/"},"modified":"2022-06-08T20:17:43","modified_gmt":"2022-06-08T18:17:43","slug":"rob-alef-kleine-biester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/11\/rob-alef-kleine-biester\/","title":{"rendered":"Rob Alef: Kleine Biester"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"170\" height=\"285\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2011\/cover\/alef.jpg\" alt=\"alef.jpg\"\/> Darf ein Krimi, in dem reihenweise Kinder ermordet werden, lustig sein? Kann ein Krimi, der gr\u00e4ssliche Monster durch die Berliner Unterwelt rumoren l\u00e4sst, die Wirklichkeit widerspiegeln? Er darf, er kann. H\u00e4ngt, wen wundert&#8217;s, vom K\u00f6nnen des Autors ab und das ist im Falle von Rob Alef beneidenswert gro\u00df. &#8222;Kleine Biester&#8220; hei\u00dft das Buch, was, hat man es zu Ende gelesen, durchaus doppelsinnig ist und dennoch einen sehr eindeutigen Blick auf die Verh\u00e4ltnisse erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gemeint sind mit den &#8222;kleinen Biestern&#8220; zun\u00e4chst einmal Kinder. Wer sie in die Welt gesetzt hat, sieht das naturgem\u00e4\u00df anders und w\u00fcnscht ihnen das Beste, tut auch alles f\u00fcr sie, sorgt f\u00fcr gute Startchancen und hier besonders f\u00fcr die optimale Schulausbildung. Was ja, gerade in Berlin, nicht so einfach ist. Integration? Gut und sch\u00f6n. Aber bitte nicht auf dem R\u00fccken UNSERER Kinder. Leider nimmt die Politik darauf keine R\u00fccksicht, Kinder m\u00fcssen dort eine weiterf\u00fchrende Schule besuchen, wo sie wohnen, doch Eltern sind erfinderisch, sie melden ihre Kinder einfach um, besorgen f\u00fcr ihren Nachwuchs provisorische Schlafpl\u00e4tze, was streng verboten ist und von einem Sondereinsatzkommando der Polizei sanktioniert wird, das immer wieder zu Razzien ausr\u00fcckt. Ein weiteres Problem sind die Dealer. Jene schlechten Menschen, die an Kinder gef\u00e4lschte Schulb\u00fccher mit unn\u00fctzem und falschem Wissen verkaufen. Sie nutzen die grenzenlose Lernbereitschaft der Kids gnadenlos aus und machen sie abh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sieht schon: &#8222;Kleine Biester&#8220; ist ein satirischer Roman. Er spielt an zwei benachbarten Schulen, eine Grundschule und einem renommierten Gymnasium. Die Sch\u00fcler der ersten streben danach, Sch\u00fcler der zweiten zu werden, es gibt eine Warteliste \u2013 und genau die kommt auf ziemlich unnat\u00fcrliche Weise in Bewegung. Zun\u00e4chst wird ein M\u00e4dchen, das im Sandkasten eines Spielplatzes sitzt, von einem Krater verschluckt. Man findet ein unterirdisches System von G\u00e4ngen, undeutbare Spuren eines gro\u00dfen Tieres, aber keine Spur von dem Kind. Hauptkommissar Pachulke und sein Team sind ratlos. Dann stirbt ein Junge im Chemielabor. Was wir ein Ungl\u00fcck aussieht, entpuppt sich als kaltbl\u00fctiger Mord. Und das Sterben geht weiter&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Eines haben die Opfer gemeinsam: Sie standen alle auf der Liste f\u00fcr die weiterf\u00fchrende Schule ganz weit oben. Schrecklicher Verdacht: Ist der T\u00e4ter unter denen zu suchen, die ganz unten auf der Liste stehen? Bei ihren ehrgeizigen Eltern? Und was hat es mit dem Monster auf sich, das unter Berlin sein Unwesen treibt?<\/p>\n\n\n\n<p>Von Anfang an ist das alles sehr witzig, mit vielen \u00fcberspitzten Situationen inszeniert. Das Leben ein immerw\u00e4hrender Kampf um die besten Bildungschancen, bei dem die Schw\u00e4chsten auf der Strecke bleiben oder die St\u00e4rksten zur Strecke gebracht werden. Es geht schlie\u00dflich um unsere wichtigste Ressource f\u00fcr den k\u00fcnftigen Wohlstand, um Kinder. Kinder? Nein, sorry, wirkliche Kinder kommen bei Alef gar nicht vor. Es sind elf- bis f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Erwachsenenimitate, die schon so reden wie ihre Eltern, deren Lebensmittelpunkt die Schule ist, wo sie sich um Insektenaufzucht k\u00fcmmern, weil das eben von ihnen verlangt wird. Wenn also Kinder ermordet werden, dann werden in Wahrheit hochgez\u00fcchtete Wissensmonster ermordet, die schon sehr viel fr\u00fcher eines unnat\u00fcrlichen Todes gestorben sind, als man ihnen das Kindsein aus dem Leib p\u00e4dagogisierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie jeder satirische Roman ist auch &#8222;Kleine Biester&#8220; eine Typen-Geschichte, die das scheinbar Normale zum Grotesken hoch schreibt, um es zu enth\u00fcllen. Alef gelingt das pr\u00e4chtig, seine Figuren sind erfreulich mehrdimensional, gerade weil viele von ihnen an ihrer Eindimensionalit\u00e4t zu ersticken drohen. Mit dem allgegenw\u00e4rtigen &#8222;Krimihumor&#8220; hat das gar nichts zu tun, hier setzt einer die Waffe Lachen ein, um das Grauen blo\u00dfzustellen, das wir im sogenannten wirklichen Leben Bildung nennen, wenn wir eigentlich Karriere meinen. Man lernt nicht f\u00fcr die Schule, sondern f\u00fcr das Leben? Weitertr\u00e4umen, Leute. Oder: Zu lesen anfangen. &#8222;Kleine Biester&#8220; ist ein idealer Einstieg in die Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Rob Alef: Kleine Biester. <br \/>Rotbuch 2011. 349 Seiten. 14,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darf ein Krimi, in dem reihenweise Kinder ermordet werden, lustig sein? Kann ein Krimi, der gr\u00e4ssliche Monster durch die Berliner Unterwelt rumoren l\u00e4sst, die Wirklichkeit widerspiegeln? Er darf, er kann. 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