{"id":17634,"date":"2007-05-11T07:41:31","date_gmt":"2007-05-11T07:41:31","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/tag-und-nachtbuecher\/"},"modified":"2022-06-06T14:39:31","modified_gmt":"2022-06-06T12:39:31","slug":"tag-und-nachtbuecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/tag-und-nachtbuecher\/","title":{"rendered":"Tag- und Nachtb\u00fccher"},"content":{"rendered":"\n<p>L\u00e4uft alles wie geplant, steckt der Krimikritiker seine Nase t\u00e4glich in zwei B\u00fccher. Eins f\u00fcr tags\u00fcber, eins f\u00fcr die Nacht. Welches man wann zu sich nimmt, ist eine spontane Entscheidung, aber meistens liegt man damit richtig, denn es gibt sie tats\u00e4chlich, die Tag- und Nachtb\u00fccher.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nicht dass man die \u201edunklen Themen\u201c f\u00fcr die Dunkelheit aufsparen w\u00fcrde \u2013 es hat wohl eher etwas mit der Ruhe zu tun, die einem manches Buch abverlangt, w\u00e4hrend andere auch schon mal zwischendurch konsumiert werden k\u00f6nnen. Vielleicht tut bestimmten B\u00fcchern auch ein Leser gut, dessen Sinne nachts nicht mehr auf Faktisches und Logisches fixiert sind, wenn ganz allm\u00e4hlich der Zustand zwischen dem Ist des Lebens und seinem Soll die Oberhand gewinnt, ein Zustand der Toleranz also, in dem Gelesenes nicht mehr ausschlie\u00dflich durch die Filter der Vernunft in den Kopf einsickert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein aktuelles Tagbuch ist Titus Kellers \u201eAussortiert\u201c. Der Name des Autors ist ein Pseudonym, hinter dem sich \u201eein bekannter Schriftsteller\u201c verbirgt, wahrscheinlich aus der sogenannten E-Literatur, man wei\u00df es nicht, und, ganz ehrlich, ich will es auch gar nicht wissen. Dass er schreiben k\u00f6nne, behauptet der Klappentext, habe er hinl\u00e4nglich bewiesen \u2013 und muss es wohl bei einem Krimi nicht mehr tun, so jedenfalls liest sich das. \u201eSpannend schreiben\u201c k\u00f6nne er auch \u2013 wieder Klappentext \u2013 nun, das sollte man eigentlich immer, nicht nur im Krimi, aber dort nat\u00fcrlich besonders.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df ja nicht, was man sich von dieser Pseudonymerei verspricht. Sollen hier lediglich Spekulationen angeregt werden? Oder sch\u00e4mt sich da einer tats\u00e4chlich f\u00fcr seinen Seitensprung ins Lotterbett des Trivialen? Letzteres versteht man gut nach Zurkenntnisnahme der ersten H\u00e4lfte von \u201eAussortiert\u201c. Die zweite steht noch aus, Hoffnungen, dass sich doch noch alles zum Besseren wendet, hat man indes nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas versp\u00e4tet hat mich \u201eDie dritte Jungfrau\u201c von Fred Vargas erreicht, ein Buch f\u00fcr die Stunde vor dem Schlaf, ohne St\u00f6rendes von drau\u00dfen. Wieder ein h\u00f6chsteigenes Koordinatensystem, durch das sich Schatten bewegen, Vorahnungen, Reminiszenzen an doch l\u00e4ngst Vergessenes. Einzig dass man bei den deutschen \u00dcbersetzungen jetzt scheinbar auf Ordnungszahlen fixiert ist (\u201eDer vierzehnte Stein\u201c, \u201eDie dritte Jungfrau\u201c), mag mir nicht gefallen, ist aber nebens\u00e4chlich. Einmal in Adamsbergs Universum, findet man so schnell nimmer hinaus, keine innere Stimme beschwert sich \u201eDas ist doch unrealistisch!\u201c, denn das Realistische bei Vargas ist das Realistische des Textes, etwas h\u00f6chst Eigenes also.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon wartet ein neuer Stapel Krimis darauf, in Tag &amp; Nacht getrennt zu werden. Keine leichte Sache diesmal. Sollte man Horst Eckerts \u201eK\u00f6nigsallee\u201c tats\u00e4chlich auf der sonnen\u00fcberfluteten Terrasse lesen? Eva Maasers \u201eDer Clan der Giovese\u201c dagegen im traulichen Schein der Nachttischlampe? Das neue Abenteuer von Robert Bracks juveniler Detektivin Lenina Rabe scheint ein klarer Fall f\u00fcrs Tageslicht zu sein, Ronnith Neumans \u201eTod auf Korfu\u201c desgleichen. Und Wolfgang Brenners \u201eBollinger und die Friseuse\u201c, ein Saarland-Krimi, ideal f\u00fcr die Nacht, wenn das Saarland zur Ruhe gekommen ist, nur noch die Hunde bellen, aber nicht mehr die Lautsprecherboxen in vorbeirauschenden Autos? Ein Nachtbuch ist Friedrich Glausers \u201eGourrama\u201c. Aber erstens kein Krimi und zweitens hab ich das vor Jahren schon einmal gelesen. Spricht beides nicht dagegen, es ein zweites Mal anzugehen. Nachts.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4uft alles wie geplant, steckt der Krimikritiker seine Nase t\u00e4glich in zwei B\u00fccher. Eins f\u00fcr tags\u00fcber, eins f\u00fcr die Nacht. 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