{"id":17642,"date":"2007-05-15T07:11:30","date_gmt":"2007-05-15T07:11:30","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/clyde-w-ford-the-long-mile\/"},"modified":"2022-06-15T01:15:48","modified_gmt":"2022-06-14T23:15:48","slug":"clyde-w-ford-the-long-mile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/clyde-w-ford-the-long-mile\/","title":{"rendered":"Clyde W. Ford: The Long Mile"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eThe Long Mile\u201c von Clyde W. Ford sei gewisserma\u00dfen, so war (\u2192<a href=\"http:\/\/www.who-dunnit.com\/reviews\/261\/\"> anderenorts <\/a>) zu lesen, ein Watts-Aufstand im Kleinen, die Darstellung des Zorns der Afroamerikaner auf die wei\u00dfen H\u00fcter von Recht und Ordnung &#8230; Ich bin mir da nicht so sicher. Es f\u00e4ngt schon mit dem Hinweis auf dem Cover an, dass \u201eThe Long Mile\u201c Teil der \u201eShango-Mysteries\u201c ist &#8230; und tats\u00e4chlich ist \u201eThe Long Mile\u201c ein mit dem Shango-Mythos aufgeladenes Buch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Icherz\u00e4hler und Hauptperson des Buches ist John Shannon, ehemaliger Polizei und vorl\u00e4ufig frisch aus der Haft entlassen. Bei dem Namen und der Vorliebe f\u00fcr Guinness ist es ganz klar, dass auch ein 1,92 Meter gro\u00dfer sehr dunkler US-Amerikaner den Spitznamen \u201eIrish\u201c bekommt. Der als Polizistenm\u00f6rder verurteilte Mann ist nur aus der Haft \u00b4rausgekommen, weil seine ehrenamtliche (wei\u00dfe) Anw\u00e4ltin Polizei und Staatsanwaltschaft zahlreiche Verfahrensfehler nachweisen konnte. Dieses \u00fcbrigens aus gutem Grund, denn Irish ist unschuldig, aber kaum einer glaubt es ihm, und auch seine Frau hat sich von ihm getrennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Offensichtlich macht seine Entlassung aus dem Gef\u00e4ngnis manche Leute nerv\u00f6s. Mag es John Shannon noch belustigen, dass er in kurzer Zeit nicht weniger als vier Jobangebote erh\u00e4lt (<em>If I`d known going to prison was such a career move I would have gone sooner.<\/em>), so droht das pl\u00f6tzliche Verschwinden seines Sohnes, den in ihm angestauten Zorn zum Platzen zu bringen. Der Versuch, die Hintergr\u00fcnde seiner Verurteilung zu verstehen, die verzweifelte Suche nach seinem Sohn und die Heerschar von Polizisten, die wieder auf seinen Fersen sind, d\u00fcrften allerdings auch gelassenere Menschen als John Shannon ins emotionale Chaos st\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Leser beobachtet im Folgendem nichts weniger als die Transformation eines Mannes. Dabei durchmisst John Shannon das Lebens \u2192<a href=\"http:\/\/www.feste-der-religionen.de\/feste\/shango.html\"> Shangos<\/a>, des Gottes von Donner und Blitzes der Yoruba und Symbol gegen die Versklavung der Afrikaner durch die Europ\u00e4er. Shango war so gewaltt\u00e4tig, dass er auch \u00fcber die Eigenen Tod und Verderben brachte und, so die Variante des Mythos, die Ford in \u201eThe Long Mile\u201c erz\u00e4hlt, erst nach der L\u00e4uterung in der Einsamkeit des Waldes zu einer vern\u00fcnftigen Balance fand.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch John Shannon kann seine Aggression kaum b\u00e4ndigen und hat damit, so seine Frau, erst seine Verurteilung erm\u00f6glicht. Und auch er bringt sich und die Seinen in gro\u00dfe Gefahr, weil er sich beharrlich weigert, die n\u00f6tige Hilfe in Anspruch zu nehmen, w\u00e4hrend sich die Schlinge um seinen Hals immer mehr zuzieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also auch ein spannendes Buch, bei dem der Leser durch diverse kleinere Finten um einen Teil seiner Erwartungen gebracht wird, atemlos durch New York hetzt, zuschaut wie John Shannon w\u00fctet und Menschen unter Druck setzt, um an Informationen zu kommen. Wenn man als Leser, auf allerdings hohem Niveau, jammern mag, dann in diesem Bereich. Die gro\u00dfe Linie scheint dem Leser schnell klar, so manche Finte wirkt nicht ganz organisch und auf der nicht-symbolischen Ebene des Buches w\u00fcrde etwas weniger Gewalt stimmiger wirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf h\u00f6chstem Niveau ist jedoch der Stil des Autors, nicht nur dass sich (der schwarze) John Shannon elegant \u00fcber die mangelnde Bildung der (wei\u00dfen) B\u00f6sewichte lustig machen kann, die Dialoge \u00fcberhaupt ein intelligentes Vergn\u00fcgen darstellen, sondern auch die kraftvolle und intensive Sprache des Ich-Erz\u00e4hlers bezeugt Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konflikte zwischen Wei\u00df und Schwarz sind allerdings nicht Hauptthema des Buches. Denn die Frontlinien zwischen Freund und Feind und Gut und B\u00f6se gehen quer durch die Rassen. Ein Drogendealer wird nicht dadurch besser, dass er schwarz ist, ein wei\u00dfer Menschenfreund bleibt ein Menschenfreund und auch schwarze Polizisten k\u00f6nnen in h\u00f6chste \u00c4mter aufsteigen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Long Mile\u201c bewegt sich im Fahrwasser der B\u00fccher, welche die Tradition afroamerikanischer Kultur beschreiben. Genauso wie \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/12\/grace-f-edwards-do-or-die.php\"> Grace F. Edwards <\/a> stellt er uns Harlem als Ort der Tradition und der gro\u00dfen Kultur vor, zeigt uns dar\u00fcber hinaus aber auch das heutige Harlem (<em>The Disney Store on 125th street ? Black America`s main street looked ever more like a Middle American shopping mail.<\/em>). Letztlich ist es diese Suche der schwarzen US-Amerikaner nach einer <em>eigenen<\/em> Identit\u00e4t, die sich unter anderem in der Hinwendung zur afrikanischen Kultur ausdr\u00fcckt (und die z.B. auch in Eleanor Taylor Bland \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/01\/eleanor-taylor-bland-fatal-remains.php \"> &#8222;Fatal Remains&#8220; <\/a> dargestellt ist), die sich in \u201eThe Long Mile\u201c manifestiert. Den <em>Hurston\/Wright Legacy Award<\/em>, welcher literarische Bem\u00fchungen um das Erbe des schwarzen Amerikas auszeichnet, hat das Buch sicher zurecht erhalten, und am Ende, wenn alles \u00fcberstanden ist, ist die Transformation abgeschlossen und John Shannon zu \u201eShango\u201c geworden.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Clyde W. Ford: The Long Mile: The Shango Mysteries. <br \/>Llewellyn Publications 2005, 256 Seiten. 11,95 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eThe Long Mile\u201c von Clyde W. Ford sei gewisserma\u00dfen, so war (\u2192 anderenorts ) zu lesen, ein Watts-Aufstand im Kleinen, die Darstellung des Zorns der Afroamerikaner auf die wei\u00dfen H\u00fcter von Recht und Ordnung &#8230; Ich bin mir da nicht so sicher. 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