{"id":17645,"date":"2011-11-27T12:09:39","date_gmt":"2011-11-27T12:09:39","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/11\/manfred-wieninger-das-dunkle-und-das-kalte\/"},"modified":"2022-06-08T20:15:42","modified_gmt":"2022-06-08T18:15:42","slug":"manfred-wieninger-das-dunkle-und-das-kalte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/11\/manfred-wieninger-das-dunkle-und-das-kalte\/","title":{"rendered":"Manfred Wieninger: Das Dunkle und das Kalte"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"227\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2011\/cover\/wieninger_kalt.jpg\" alt=\"wieninger_kalt.jpg\"\/> Auch Kriminalromane, die nicht unter dem Etikett des Regionalen \u00e4chzen, spielen irgendwo. An realen oder fiktiven Orten, manchmal sowohl als auch, wie die Marek-Miert-Krimis von Manfred Wieninger. Harland hei\u00dft das triste Provinzkaff im Nieder\u00f6sterreichischen (man kann sich kaum vorstellen, dass auch dort die Sonne einmal scheint), eine Kopfgeburt wohl, doch unverkennbar nach dem Vorbild von Wieningers Geburtsstadt St. P\u00f6lten geformt. So springt das Faktische ins Fiktive und wieder zur\u00fcck, ein Vorgang, in dem sich immer schon die Dynamik von Literatur entfaltet hat und immer entfalten wird. Jetzt hat Wieninger die Maske des Literaten f\u00fcr einen Moment abgenommen und f\u00fchrt uns durch sein Harland, wenn es St. P\u00f6lten hei\u00dft. Dass er dabei weiterhin Literat bleibt \u2013 wen wundert&#8217;s?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>&#8222;Das Dunkle und das Kalte: Reportagen aus den Tiefen Nieder\u00f6sterreichs&#8220; hei\u00dft der Band, der sich bei aller Themenvielfalt doch immer am roten Faden der Vorurteile und der Niedertracht durch das Leben hangelt, uns mit Menschen bekannt macht, die kein Gewissen haben und solchen, die unter ihrem Gewissen leiden. Es beginnt mit der (nicht nur nieder-) \u00f6sterreichischen Fu\u00dfballlegende Franz Binder, der sich den Spitznamen &#8222;Bimbo&#8220; gefallen lassen musste, stellt uns &#8222;den ersten Gastarbeiter&#8220; vor und schaut tief in den Abgrund des Rassismus, wenn er &#8222;Das Schweigen der Jenischen&#8220; bricht. Es sind allesamt dunkle und kalte Geschichten \u2013 oder nein, es sind Geschichten \u00fcber das Dunkle und das Kalte, mit jener Anteilnahme und manchmal auch Wut geschrieben, die wir von Marek Miert, dem &#8222;Diskontodetektiv&#8220; kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf wessen Seite Wieninger steht, ist von vornherein klar: Auf der Seite der Objekte f\u00fcr diese Dumpf- und Dummheit, auf der Seite der Opfer, auf der Seite der Mutigen auch. Besonders markant die Figur des Polizisten Winkler, der nach einem NS-Massaker zum Ende des Krieges unverdrossen seine Ermittlungen aufnimmt und zwischen alle Fronten ger\u00e4t, auch zwischen die eigenen seelischen und moralischen. Diese Geschichte wird \u00fcbrigens im Mittelpunkt von Wieningers n\u00e4chstem Roman stehen, &#8222;223 oder Das Faustpfand: Ein Kriminalfall&#8220;, nein, diesmal kein Marek-Miert-Krimi, kein Harland, sondern schn\u00f6de Wirklichkeit als Literatur und umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer also Mierts Harland verlassen m\u00f6chte, um es an seinen Wurzeln zu erkunden, dem sei dieser Band empfohlen. Man wird dann vielleicht die Krimis nicht &#8222;mit anderen Augen&#8220; lesen, mit noch klarerem Blick aber doch.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Manfred Wieninger: <br \/>Das Dunkle und das Kalte. Reportagen aus den Tiefen Nieder\u00f6sterreichs. <br \/>Edition Mokka 2011. 180 Seiten. 18,50 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch Kriminalromane, die nicht unter dem Etikett des Regionalen \u00e4chzen, spielen irgendwo. An realen oder fiktiven Orten, manchmal sowohl als auch, wie die Marek-Miert-Krimis von Manfred Wieninger. 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