{"id":17646,"date":"2011-12-01T09:58:20","date_gmt":"2011-12-01T09:58:20","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/12\/was-ist-krimi-neues-aus-der-zettelwirtschaft-11\/"},"modified":"2022-06-08T20:13:25","modified_gmt":"2022-06-08T18:13:25","slug":"was-ist-krimi-neues-aus-der-zettelwirtschaft-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/12\/was-ist-krimi-neues-aus-der-zettelwirtschaft-11\/","title":{"rendered":"Was ist Krimi? Neues aus der Zettelwirtschaft 11"},"content":{"rendered":"\n<p>Und ein neuer Packen Zettel. Diesmal mit einem wei\u00dfen Wal, der zu einem roten Faden geh\u00f6rt, ein wenig Idiotenbashing (business as usual) und ein paar k\u00fchnen Behauptungen. Und nun weiter im Text.<br \/><strong>Zettel 101: <\/strong>Es gibt keine schlechten Krimis. Es gibt schlecht geschriebene, schlecht recherchierte, schlecht erz\u00e4hlte, schlecht verk\u00e4ufliche Krimis.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Zettel 102:<\/strong> Es gibt keine guten Krimis. Es gibt gut geschriebene, gut recherchierte, gut erz\u00e4hlte, gut verk\u00e4ufliche Krimis.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 103:<\/strong> Der Krimi rotiert im magischen Viereck von Autor \/ Verlag \/ Kritik \/ Leser und nimmt dort seine Form an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 104: <\/strong>Mit der Kriminalliteratur ist passiert, was mit Literatur schon immer passiert ist. Sie ist in die H\u00e4nde der Pedanten und Pensionsberechtigten geraten, des mit der Signalfarbe der Bildung angemalten Durchschnitts, der Besserwisser und Besserk\u00f6nner. Das alles muss uns, weil der Regelfall, nicht irritieren. Sie schaden damit nicht der Literatur, sondern nur dem Zerrbild, das sie sich davon machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 105:<\/strong> Einer der ewigen Automatismen der Menschheitsgeschichte, im Gro\u00dfen wie im Kleinen, ist die wundersame Verwandlung von T\u00e4tern in Opfer. Aus Brandstiftern werden Biederm\u00e4nner, wer das Gas andrehte, hatte doch selbst eine Pistole im Genick. Und in der Kriminalliteratur? T\u00e4ter zu Opfern, Opfern zu T\u00e4tern, gibt\u2019s nat\u00fcrlich, aber vielleicht mal genauer unter die Lupe nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 106:<\/strong> Gestern Abend zuf\u00e4llig in die letzte Verfilmung von &#8222;Moby Dick&#8220; reingeraten, RTL. Ich liebe Werbeunterbrechungen, diese f\u00fcnf Minuten, in denen sich eine Bande Gedanken zum Liebesakt mit \u00fcberraschendem Ausgang trifft. Nat\u00fcrlich! Moby Dick! Das Tier! 1851! Nantucket, der tumbe J\u00fcngling, der aus reiner Abenteuerlust zur See fahren will! Das ist Poes Arthur Gordon Pym, das ist kein Geheimnis, das wusste z.B. schon Umberto Eco. Aber der Zusammenhang von Moby Dick, dem Hobbes&#8217;schen Leviathan und dem Orang Utan in Poes &#8222;Die Morde in der Rue Morgue&#8220;? Danke, RTL.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 107:<\/strong> Fr\u00fcher musste, wer \u00fcber die Abgr\u00fcnde der menschlichen Psyche schrieb, in Gerichtss\u00e4len und Psychiatrien oder den Morgenz\u00fcgen des Personennahverkehrs herumsitzen. Heutzutage geht man ins Internet. Wie wird das die Kriminalliteratur ver\u00e4ndern? Diese st\u00e4ndige Konfrontation mit Dumpf- und Dummheit, Wahn und Wollen in den Foren, den Chats und sozialen Netzwerken? Die Zukunft wird es zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Realit\u00e4tenzettel: <\/strong>Gerade am B\u00e4ckerauto, Dialog Kundin \/ Verk\u00e4uferin: &#8222;M\u00e4nner wollen immer unbest\u00e4ubtes Brot. \u2013 &#8222;Ja, die verstehen das nicht.&#8220; \u2013 &#8222;Genau. Das Auge isst doch mit.&#8220; \u2013 &#8222;Nicht bei M\u00e4nnern.&#8220; \u2013 &#8222;Nee. F\u00fcr die ist das \u00fcberfl\u00fcssig.&#8220; \u2013 &#8222;Die k\u00f6nnen sowieso nix mit Deko anfangen.&#8220; \u2013 &#8222;Aber auch gar nichts. Immer nur n\u00fctzlich, n\u00fctzlich, n\u00fctzlich. Deshalb gucken die auch nicht Rosamunde Pilcher.&#8220; \u2013 &#8222;Meiner schon. Aber immer nur Meckern.&#8220; \u2013 &#8222;Hm. F\u00fcr das Sch\u00f6ne haben die keine Geduld. Die lesen auch nix au\u00dfer Bauanleitungen.&#8220; \u2013 &#8222;Ja. Oder so Krimis.&#8220; \u2013 &#8222;Noch schlimmer. Darfs noch was sein?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 108:<\/strong> Gerade in einer Verlagsvorschau wiederholt gelesen, der Autor f\u00fchre seine Leser &#8222;erfolgreich in die Irre&#8220;. Aber, f\u00fcgen wir automatisch hinzu, nur bis kurz vor Schluss, dann gibt es ein Happyend. Der Krimi als fortw\u00e4hrender und furchtbar harmloser Betrugsversuch, ins Leben springen, ohne dass einem dabei wirklich die Knochen brechen k\u00f6nnen. Der Ermittler-Protagonist entlarvt die Irref\u00fchrer, er ist unser ausgelagertes Superhirn, der Komplett\u00fcberblicker, der Bestrafer. Frage: Was kompensieren wir da eigentlich krimilesend? Die allt\u00e4gliche Irref\u00fchrung OHNE Happyend?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 109:<\/strong> Es gibt Kriminalliteratur, die keine F\u00e4lle l\u00f6st, sondern F\u00e4lle schafft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zettel 110:<\/strong> Jahresr\u00fcckblick 2011 begonnen. Prospektiver Titel, frei nach REM: &#8222;Das ist das Ende der Krimiwelt, wie wir sie kannten.&#8220; Nein, zu fr\u00fch. Aber ein hoffnungsvolles Atom in einem Universum der hoffnungslos klischeeverbackenen Teilchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und ein neuer Packen Zettel. 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