{"id":17658,"date":"2011-12-05T09:52:20","date_gmt":"2011-12-05T09:52:20","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/12\/joe-r-lansdale-gauklersommer\/"},"modified":"2022-06-08T20:12:50","modified_gmt":"2022-06-08T18:12:50","slug":"joe-r-lansdale-gauklersommer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/12\/joe-r-lansdale-gauklersommer\/","title":{"rendered":"Joe R. Lansdale: Gauklersommer"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"180\" height=\"283\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2011\/cover\/gauklersommer.jpg\" alt=\"gauklersommer.jpg\"\/>Nichts Neues von Joe R. Lansdale. Gut halt. Aber wem sag ich das. Wer Lansdale mag, mag auch &#8222;Gauklersommer&#8220;, die Geschichte des Irak-Veteranen Cason Stadler, eines talentierten Journalisten, der einst am Pulizerpreis vorbeischrammte, in eine Art Daseinskrise ger\u00e4t und sich in seine Geburtsstadt Camp Rapture im tiefsten Texas zur\u00fcckzieht (den Lesern schon aus &#8222;Kahlschlag&#8220; bekannt, damals 30er Jahre, nun Jetztzeit). Dort leben seine Eltern, der Bruder unterrichtet an der Uni, Stadler findet eine Anstellung als Kolumnist beim Ortsbl\u00e4ttchen und alles ist irgendwie gut. Bis es verdammt schlecht wird.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Stadler st\u00f6\u00dft auf der Suche nach Kolumnenthemen auf den Fall einer unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden verschwundenen Studentin, ger\u00e4t an delikate Pornofilme, auf denen nicht nur die Verschwundene zu erkennen ist, sondern, unter anderem, auch jemand, den Stadler sehr gut kennt. Stich ins Wespennest, weitere grausame Morde und ein Phantom, &#8222;der Gaukler&#8220;. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin ger\u00e4t Stadler nun selbst ins Fadenkreuz der Killer, ein alter, ziemlich rabiater Kumpel aus Irakzeiten eilt zu Hilfe und nach furiosem Finale ist auch dieser Fall gekl\u00e4rt. Liest sich gewohnt pr\u00e4chtig, ist also Lansdale wie man ihn kennt. Na ja, fast.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Dinge n\u00e4mlich fallen auf. Lansdales gro\u00dfe Themen, das Hinterw\u00e4ldlertum, der Frauenhass, der Rassismus, sind zwar pr\u00e4sent, werden aber nicht weiter ausgewalzt. Zwei Prediger, der eine schwarz und militant, der andere wei\u00df und militant, spielen eine Rolle, erscheinen aber in Persona nicht im Text, ebenso wenig wie die Gruppe der B\u00f6sen, die lediglich einen finalen Auftritt haben. So wird &#8222;Gauklersommer&#8220; zu einer Art Kammerspiel, das B\u00f6se ist abwesend, aber nat\u00fcrlich stets pr\u00e4sent.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch sonst ist &#8222;Gauklersommer&#8220; ein Werk der Andeutungen, des skizzenhaften Abbildens, vor allem was die Figuren angeht. \u00dcber Stadler, der ein verquerer Charakter ist, erf\u00e4hrt man eigentlich erstaunlich wenig, sein Kriegstrauma wird nicht ausf\u00fchrlich thematisiert, wie es naheliegend w\u00e4re, die B\u00f6sen sind es auf eine solche abgrundtiefe Art, dass ihre Pers\u00f6nlichkeiten dahinter zur\u00fcckstehen m\u00fcssen. Aber genau das ist Absicht, die der Handlung zugute kommt. Das B\u00f6se als Hintergrundrauschen, sehr banal und allgegenw\u00e4rtig, Menschen, die sich irgendwie durchlavieren m\u00fcssen, keineswegs nur unschuldig sind, aber pr\u00e4destinierte Opfer. Nichts anderes geschieht in &#8222;Gauklersommer&#8220; und das reicht v\u00f6llig aus, wenn ein K\u00f6nner wie Lansdale eine solche Geschichte inszeniert, Richard Betzenbichler sie gewohnt gekonnt \u00fcbersetzt und der Golkonda Verlag sie liebevoll zum auch optischen Genuss veredelt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Joe R. Lansdale: Gauklersommer <br \/>(Leather Maiden. 2008. Deutsch von Richard Betzenbichler). <br \/>Golkonda 2011. 300 Seiten. 16,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts Neues von Joe R. Lansdale. Gut halt. Aber wem sag ich das. 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