{"id":17670,"date":"2007-05-25T07:06:59","date_gmt":"2007-05-25T07:06:59","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/crime-school-das-partywissen-2\/"},"modified":"2022-06-05T01:32:24","modified_gmt":"2022-06-04T23:32:24","slug":"crime-school-das-partywissen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/crime-school-das-partywissen-2\/","title":{"rendered":"Crime School &#8211; das Partywissen -2-"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/cover\/crime_school_new.jpg\" alt=\"crime_school_new.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Was ist denn nun eigentlich Krimi, h\u00e4? Alles was zum Genre geh\u00f6rt. Aber dazu geh\u00f6rt eben nicht alles. Den Schund klauben wir mit spitzen Fingern heraus, das &#8222;Schwerliterarische&#8220; kippen wir nur unter Protest hinein. Sollten wir nicht tun. Denn ein Genre ist immer ein vertikales Gebilde, es reicht vom literarischen Himmel bis in die literarische H\u00f6lle &#8211; und nicht selten paaren sich Teufel und Engel in schier zauberhafter Weise&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was ist Krimi? Ein Sammelbegriff. Ein aus diversen Kriterien gebasteltes Beh\u00e4ltnis, in dem alles Platz findet, was mit Verbrechen, Ermittlung und Spannung zu tun hat. Qualit\u00e4t darf keines dieser Kriterien sein; theoretisch. In praxi jedoch stopfen wir ins Genre-Gef\u00e4\u00df mit Vorliebe das Arrivierte, nicht selten Mittelm\u00e4\u00dfige, Konfektionierte, w\u00e4hrend wir das Extreme misstrauisch be\u00e4ugen und eigentlich so gar nicht in der Heimeligkeit der Genresicherheit sehen m\u00f6chten: Groschenhefte? Sind uns zu schundig. \u201eRichtige\u201c Literatur? Soll bleiben wo sie hingeh\u00f6rt, diese Mogelpackung.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch hat man \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/02\/exkurs.php\">die j\u00fcngste Diskussion<\/a> im Ohr, als die vorgebliche Literarisierung des Krimis (Schenkel, Hochgatterer und andere) von den einen freudig als Genreauffrischung und \u2013aufwertung begr\u00fc\u00dft, von den anderen hingegen als Genreverw\u00e4sserung und \u2013missbrauch verurteilt wurde. Jean Amilas \u201eMond \u00fcber Omaha\u201c war vor Jahresfrist ein \u00e4hnlicher Fall von \u201ePseudokrimi\u201c. Ganz aktuell im Gerede: Pablo De Santis \u201eDie sechste Laterne\u201c, von der Kritik ohne Widerspruch als \u201eKrimi\u201c angenommen und sehr zu Recht gepriesen, von der Normallesern wohl eher als Mogelpackung ge\u00e4chtet. Sollen wir ihn dennoch ins Genre werfen? Und was ist mit Dieter K\u00fchns aktuellem Roman \u201eGeheimagent Marlowe&#8220;? Das Gros der Krimileser wird dieses Buch nicht als \u201eKrimi\u201c lesen oder, falls doch, als entt\u00e4uschenden Krimi, weil er dessen Charakteristika nicht oder nur rudiment\u00e4r oder verfremdet enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was zu einem Genre geh\u00f6rt, ist, so lautet eine Definition, Ergebnis einer \u00dcbereinkommens von, im weitesten Sinne: Lesern. Das ist richtig und doch falsch. Abgestimmt, was Krimi sei, wird in den Buchhandlungen und den einschl\u00e4gigen Rezensionsorganen, es ist stets eine Sache von Vorliebe und Qualit\u00e4t, also eine horizontale Auslese. In den meisten F\u00e4llen ist Krimi dann die literarische Mittellage, Unterhaltung mit Schuss, Wohlf\u00fchlnervenkitzelware jenseits des Trivialdiscounts, aber auch jenseits der literarischen Delikatessenl\u00e4den. Doch damit wird ja nicht wirklich das Genre definiert (und auch nicht, dies der Vollst\u00e4ndigkeit halber, durch das Herauspicken der Delikatessen) \u2013 es wird lediglich hierarchisch (\u201ehorizontal\u201c) bewertet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem: Krimi ist nie. Krimi wird immer. Und zwar vertikal, in einem best\u00e4ndigen Austausch von unteren (\u201edas Triviale\u201c) und oberen (\u201edas Literarische\u201c) Schichten. Das Paradoxe daran: Ausgerechnet dieses Mittel zur Eingrenzung erm\u00f6glicht die Entgrenzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das urspr\u00fcngliche \u201eGenre\u201c ist zudem zeitlos, was es kreiert, sind lediglich Moden. Wenn wir also sagen, das Krimigenre habe sich entwickelt, dann meinen wir: Es sind neue Mischungen entstanden, die wir favorisieren, die vielleicht zum Gemeingut wurden (wer wei\u00df, f\u00fcr wie lange&#8230;), die tats\u00e4chlich das Spektrum Krimi erweitert, nuanciert haben. Wir haben sie aus dem st\u00e4ndig sich quasi selbst umr\u00fchrenden Genretopf gefischt und r\u00fchmen sie als Paradigmen f\u00fcr \u201egute Krimis\u201c. Auch das nat\u00fcrlich ein Qualit\u00e4tsurteil.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber den legitimen Aufenthalt des Heftchenkrimis im gro\u00dfen Genretopf sollte unter vern\u00fcnftigen Menschen eigentlich keine Uneinigkeit herrschen. Schlie\u00dflich hat der Trivialkrimi dieses Genre entscheidend gepr\u00e4gt und, dies lehrt uns ein Blick in die Geschichte, aus sich selbst heraus Neuerungen zustande gebracht, die im Laufe der Jahre \u201equalitativ nach oben\u201c gewandert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Als kleines Beispiel sei Paul Rosenhayns \u201eDer Fall Valenti\u201c aus dem Jahre 1929 genannt. Es ist eigentlich ein Fall f\u00fcr Rosenhayns Detektiv Joe Jenkins, einen f\u00fcr die Zeit typischen Serienhelden. Das Besondere hier: Der kleine Roman besteht ausschlie\u00dflich aus Dokumenten. Verh\u00f6rprotokolle, Fahndungsplakate, Telegramme, Zeitungsausschnitte etc. Eine reizvolle Angelegenheit, das ganz bestimmt, aber eben noch mehr. Im \u201eFall Valenti\u201c erweitert Rosenhayn, der best\u00e4ndig \u00fcber Heftchenniveau schrieb, nicht nur das Spektrum des Trivialromans, er nimmt auch Bezug auf neuere allgemeinliterarische Str\u00f6mungen, die Aufl\u00f6sung des Erz\u00e4hlkontinuums etwa, den raschen Szenen- und Perspektivwechsel, und ist zudem von den Stilmitteln des noch relativ neuen Mediums Film beeinflusst \u2013 was f\u00fcr viele seiner Mitautoren der Zwanziger Jahre gilt, die nicht selten auch als Drehbuchschreiber, Regisseure oder Schauspieler ihr Brot verdienten.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachten wir dies unter dem Genre-Aspekt, dann wird klar, wie innig sich hier das Untere und das Obere verschwistern, durcheinandergewirbelt werden. Mit Qualit\u00e4t hat das zun\u00e4chst \u00fcberhaupt nichts zu tun \u2013 und das ist gut so.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/cover\/valenti.jpg\" alt=\"valenti.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Dokumentarisch-visuell: eine Seite aus Rosenheyns &#8222;Der Fall Valenti&#8220; (1929)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Fall des Hard Boiled sei nur am Rande erw\u00e4hnt, er ist bekannt genug. Was uns heute kriminalistische Hochliteratur ist, begann als Pulp, der in den Augen der meisten gebildeteren Zeitgenossen nichts weiter war als Schund. Und es w\u00e4re eine ausf\u00fchrliche Untersuchung wert, welche Widerst\u00e4nde der \u201eAgatha-Christie-Krimi\u201c-Fraktion zu \u00fcberwinden waren, Hard Boiled als wichtigen und \u00fcberhaupt nicht minderwertigen Teil des Genres zu akzeptieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Spa\u00dfeshalber erw\u00e4hnen wir noch ein Abenteuer des \u201eWeltdetektivs Sherlock Holmes\u201c, der seit 1905 als Heftchenheld global f\u00fcr Recht und Ordnung sorgte \u2013 Genrebodensatz also. Die Geschichte hei\u00dft \u201eDer M\u00e4dchenm\u00f6rder von Boston\u201c (demn\u00e4chst in der \u201eCriminalbibliothek\u201c) und schildert, wie ein \u2013 sagen wir heute nicht : Serienkeller? \u2013 seine Opfer, s\u00e4mtlich Frauen, an Fleischerhaken h\u00e4ngt und hernach mit dem Hackebeilchen portioniert. Aber es sind besondere Frauen, denen dieses Schicksal widerf\u00e4hrt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDas Gr\u00e4\u00dflichste aber war, da\u00df an den W\u00e4nden an gro\u00dfen, eisernen Haken die Leichen von etwa f\u00fcnf oder sechs Frauen hingen. Sherlock Holmes \u00fcberlief bei ihrem Anblick ein eisiger Schauer. Der rote Bill bemerkte wohl den furchtbaren Eindruck, den diese Leichen auf seinen Gefangenen machten. Er schleppte ihn dicht an dieselben heran.<br \/>\u201eDa, mein Junge\u201c, rief er, \u201esieh\u2019 sie dir nur genau an. Nicht wahr, h\u00fcbsche Weiber? Der rote Bill hat einen guten Geschmack? Alles Frauenzimmer, die nichts anderes wert sind, als zu Hackefleisch verarbeitet zu werden. Da sind sie doch wenigstens zu etwas n\u00fctze. Haha, die liebten alle die M\u00e4nner nicht, die waren es wert, vom Erdboden vertilgt zu werden.\u201c<br \/>Bei diesen Worten brach der Unhold in ein wahnsinniges Gel\u00e4chter aus.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der rote Bill t\u00f6tet also Lesben. Und man muss kein gro\u00dfer Kenner der Kriminalliteratur sein, um \u201edas Moderne\u201c an dieser Geschichte zu erkennen. All die Serienm\u00f6rder-, Psychopathenthriller, die Killer mit Kindheitstraumata, Impotenz\u00e4ngsten oder faschistoider Grundierung, mithin die K\u00f6nige und K\u00f6niginnen des heutigen Genrebegriffs \u2013 hier liegen sie bereit, mitten im allergr\u00f6\u00dften Igitt, dem oft verachteten, gerne ignorierten Bodensatz des Krimis.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/cover\/schlaechter.jpg\" alt=\"schlaechter.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Von Lesben traumatisiert oder: Mankell war sp\u00e4ter (Ausschnitt Titelbild &#8222;Der M\u00e4dchenm\u00f6rder von Boston&#8220;)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir jetzt aus den Niederungen hoch an die Spitze des Genres, zu Friedrich D\u00fcrrenmatt etwa. D\u00fcrrenmatt ist ein Ph\u00e4nomen. Ein Hochliterat, der ein paar Krimis geschrieben hat, weil er Geld verdienen wollte, also durchaus dem Credo von Heftchenschreibern folgend. Dass man ihn nicht sogleich als \u201ezu literarisch, zu pseudokrimiesk\u201c aussortierte \u2013 was man heute tun w\u00fcrde, seien wir ehrlich -, lag wohl vor allem daran, dass man zu wenig zum Einsortieren hatte, jene Krimi-Mittellage, die heute das Genre definiert, also fehlte oder als solche nicht erkannt wurde. D\u00fcrrenmatt bewies immerhin, dass Krimi etwas anderes sein konnte als \u201eSchund\u201c, beinahe sogar gute und richtige Literatur. Womit wir sein gr\u00f6\u00dftes Verdienst um den Krimi auch schon genannt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber sonst? Wir tun jetzt etwas, das man nur innerhalb eines Genres, einer Vertikalen tun kann, wir fragen uns n\u00e4mlich, welche kriminellen Zutaten D\u00fcrrenmatt seinen Texten beimengte und was aus diesen Texten geworden w\u00e4re, h\u00e4tte sie D\u00fcrrenmatt nicht als Krimis geschrieben. Dort wo es keine Genres gibt, sondern nur E- und U-Literatur, w\u00e4re dies blasphemisch. Versuchen Sie einmal, Thomas Manns \u201eLotte in Weimar\u201c mit einem \u201eLore-Heftroman\u201c zu korrelieren! Spannend w\u00e4rs, aber der Scheiterhaufen noch schneller errichtet, auf dem man Sie verbrennen w\u00fcrde. Zur\u00fcck zu D\u00fcrrenmatt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Richter und sein Henker\u201c ist f\u00fcr viele DER deutschsprachige Krimi. Das Kernthema des Buches l\u00e4sst sich in einem Satz fixieren: Darf man Recht mit Mitteln des Unrechts durchsetzen? Ein durchaus gel\u00e4ufiges Sujet in der deutschsprachigen Literatur der fr\u00fchen 50er Jahre, Stichwort \u201eTyrannenmord\u201c. D\u00fcrrenmatt selbst hat das Thema sp\u00e4ter mindestens noch einmal behandelt, im \u201eBesuch der alten Dame\u201c n\u00e4mlich, wo es durchaus auch um Verbrechen geht, doch k\u00e4me kein Mensch auf den Gedanken, von einem \u201eKrimitheaterst\u00fcck\u201c zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei \u201eDer Richter und sein Henker\u201c ist es anders, den hier greift er mitten hinein ins plakativste Genre. D\u00fcrrenmatts Protagonist ist ein Kriminalbeamter. Sein Gegenspieler offenkundig ein Verbrecher, er hat einen Mord begangen, nur um zu beweisen, dass man einen Mord begehen kann, ohne daf\u00fcr zur Rechenschaft gezogen zu werden, das perfekte Verbrechen also. Es kommt, Jahrzehnte sp\u00e4ter, zur Konfrontation, als ein Polizist ermordet wird und der Kriminalbeamte versucht, den Verbrecher dieses Mordes zu \u00fcberf\u00fchren. Am Ende erkennen wir den \u201eroten Hering\u201c in der Geschichte, die falsche Spur, die uns D\u00fcrrenmatt folgen l\u00e4sst. Alles n\u00e4mlich ist von der langen Hand des Kriminalbeamten geplant, das Ganze eine Inszenierung zum Zwecke des Kernthemas. F\u00fcr das eine Verbrechen krieg ich dich nicht dran, also b\u00fc\u00dft du f\u00fcr etwas, das du gar nicht begangen hast. Recht durch Unrecht also.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcrrenmatt nutzt die Genrem\u00f6glichkeiten, ein sehr philosophisches und komplexes Thema zu popularisieren. Auch auf die Gefahr hin, dass unter all diesem beinahe whodunnithaften Spektakel das eigentliche Thema nicht mehr wahrgenommen wird. Immerhin: Es ist ein Krimi geworden, eine Mischung aus Trivialelementen und \u201etieferem Sinn\u201c. Und man kann ihn nur innerhalb der Grenzen eines Genres wirklich analysieren, nicht in den Gefilden von \u201eHochliteratur\u201c, die den Trivialelementen und Versatzst\u00fccken nichts weiter zu entlocken hat als ihre \u00fcblichen Banalit\u00e4ten, sobald man dort auf das Banale zu sprechen kommt. Als Teil des Genres Krimi begreift man diese Romane nicht; sie sind Hochliteratur, Krimis, die besser als Krimis zu sein haben.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcrrenmatts Einfluss auf die deutschsprachige Kriminalliteratur war und ist enorm, das mal souver\u00e4n, viel zu h\u00e4ufig jedoch holprig ans Genreger\u00fcst geh\u00e4ngte \u201ePhilosophisch-Psychologisch-Gesellschaftlich-Wertvolle und Kritische\u201c heutiger Kriminalromane w\u00e4re ohne ihn, der zum Vorbild wurde, gar nicht denkbar.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt keine Beachtung fand hingegen \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/08\/egon-eis-duell-im-dunkel.php\">\u201eDuell im Dunkel\u201c<\/a> von Egon Eis, das 1957, also kurz nach D\u00fcrrenmatts Krimi-Drillingen, erschien. Keine Frage: D\u00fcrrenmatt ist dramaturgisch eleganter, sprachlich cleverer. Das Thema von \u201eDer Richter und sein Henker\u201c und \u201eDuell im Dunkel\u201c ist jedoch dasselbe. Dem Recht wird durch Unrecht Gen\u00fcge getan.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass D\u00fcrrenmatt indes bis heute gl\u00e4nzt, Eis hingegen ganz romantitelgerecht im Dunkel verblieben ist, verdanken wir der Missachtung der obersten Genreregel: SIE IST VON NATUR AUS VERTIKAL, sie umfasst schlichtweg alle Qualit\u00e4ten. Eis\u2019 Krimi h\u00e4tte es verdient gehabt, genauso ernsthaft analysiert zu werden wie D\u00fcrrenmatts \u201eRichter\u201c, er ist ein Zeitdokument und erz\u00e4hlt uns sogar vielleicht mehr \u00fcber die 50er Jahre und ihre Geisteshaltung als D\u00fcrrenmatts eher allgemeinphilosophischer Entwurf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Quintessenz dieses kleinen Ausflugs in die Welt des Genres ist folgende: Genres sind Gebilde des Begrenzung, in denen eine entgrenzte Analyse von Literatur \u00fcber ihre sogenannte \u201eQualit\u00e4t\u201c hinaus m\u00f6glich wird. Sie sind ein Abbild von Literatur, ihrer Entstehung, Entwicklung und Rezeption schlechthin. Sie zeigen, aus welch unterschiedlichen Schichten sie gebildet wird, wie sich divergente Einfl\u00fcsse verb\u00fcnden, wie sehr dabei auch die \u00e4u\u00dfere Form eines Genres, von Literatur \u00fcberhaupt ver\u00e4ndern kann. Voraussetzung: Toleranz. Weitere Voraussetzung: Verzicht auf Wertung bei der Aufnahme von literarischen Werken ins Genre. Wunsch: Dass alle Literatur vertikal geordnet werde, mit Querverbindungen von oben nach unten, unten nach oben. Dann k\u00e4me man vielleicht auch auf die Idee, Hermann Hesse nicht nur mit Goethe zu vergleichen \u2013 sondern mit der Kitschliteratur seiner Zeit. Das Ergebnis w\u00e4re ersch\u00fctternd. Also erhellend.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Auch diese zweite Folge der neuen Crime School wird, in erweiterter und mit vertiefenden Beispielen angereicherter Form Teil des Buches &#8222;Crime School &#8211; Alles was Sie \u00fcber Krimis wissen sollten, um endlich aufzuh\u00f6ren, sie zu verstehen&#8220; (Arbeitstitel) sein. Es erscheint irgendwann 2008, kann aber <a href=\"mailto:dpr@hinternet.de\">sofort und hier <\/a>zum erm\u00e4\u00dfigten Subskriptionspreis vorbestellt werden. Und wird wahrscheinlich nicht mehr als 20 Euro kosten, f\u00fcr Vorbesteller garantiert weniger.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist denn nun eigentlich Krimi, h\u00e4? Alles was zum Genre geh\u00f6rt. Aber dazu geh\u00f6rt eben nicht alles. Den Schund klauben wir mit spitzen Fingern heraus, das &#8222;Schwerliterarische&#8220; kippen wir nur unter Protest hinein. Sollten wir nicht tun. 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