{"id":17687,"date":"2007-05-29T16:54:32","date_gmt":"2007-05-29T16:54:32","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/presseerklaerung\/"},"modified":"2022-06-10T23:59:28","modified_gmt":"2022-06-10T21:59:28","slug":"presseerklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/presseerklaerung\/","title":{"rendered":"Presseerkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"\n<p><em>&#8222;Plagiatsfall&#8220; Schenkel vs. Leuschner. Andrea Maria Schenkel hat sich nun zum Vorwurf, ihr Buch &#8222;Tann\u00f6d&#8220; sei von Leuschners &#8222;Hinterkaifeck&#8220; (beide behandeln einen Mordfall aus dem Jahr 1922, Schenkel fiktionalisiert, Leuschner pr\u00e4sentiert den Fall dokumentarisch, als &#8222;Sachbuch&#8220;) &#8222;abgekupfert&#8220;, ge\u00e4u\u00dfert &#8211; und gew\u00e4hrt darin einige interessante Einblicke in ihre Werkstatt. Hier die Presseerkl\u00e4rung im Wortlaut:<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Anl\u00e4sslich der angek\u00fcndigten Klage gegen Andrea Maria Schenkels Buch \u00bbTann\u00f6d\u00ab hier \u00bbein letztes Wort zu Leuschner &amp; Co.\u00ab von Andrea Maria Schenkel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe nie gesagt, ich h\u00e4tte ein Sachbuch zu dem Mordfall von Hinterkaifeck geschrieben. Ich habe einen wahren Mordfall literarisch bearbeitet, einen wahren Fall zu einer Fiktion umgestaltet. Alles in dem Buch ist als eine Einheit zu sehen, die Art und Weise, wie die Charaktere miteinander agieren, ihre Sprache, die Litanei, alles das hat sich dem Gesamtentwurf unterzuordnen, ist Teil des Ganzen. So ist die Litanei nicht nur ein Gebet, sie steht f\u00fcr die Bigotterie, die k\u00f6rperlich zu sp\u00fcrende geistige Enge. Durch ihren \u00bbKlang\u00ab bringt sie den Leser in einen Rythmus,<br \/>zwingt ihn in eine gewollte und nicht zuf\u00e4llige Stimmung. L\u00e4sst den Leser die Stimmen der Klagenden nach dem Tod der Opfer h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiederholungen innerhalb der Textpassagen sind nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt, sie sind ein Stilmittel, durch das sich die Figuren erkl\u00e4ren, lebendig werden, ohne bis ins Detail beschrieben zu werden. Die Figuren beschreiben sich durch die Art und Weise ihres Sprechens selbst. Alles das ist gewollt, ist nicht Zufall, ist Teil der literarischen Bearbeitung.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re mir am wahren Mordfall gelegen, h\u00e4tte ich ein anderes Buch, ein Sachbuch, geschrieben. Zu einem Sachbuch geh\u00f6rt es, in Archiven zu suchen, nach Details zu forschen, kein auch noch so kleines \u00bbTeilchen\u00ab unbeachtet zu lassen. Alles muss erw\u00e4hnt, erkl\u00e4rt, nachgewiesen werden. Die Fiktion ist der Tod des Sachbuchs, sie macht den Autor unglaubw\u00fcrdig, straft ihn L\u00fcgen. Ich bin kein Archivar und es ist nicht meine Aufgabe, als Autorin eines belletristischen Werkes, einer zu werden. Ich bin keine Sachbuchautorin, der wahre Fall interessiert mich nicht. Es ist mir relativ gleichg\u00fcltig, wer die Opfer get\u00f6tet hat und warum, wie sich die wahren Opfer verhielten, was sie taten und was sie unterlie\u00dfen. Es ist mir auch gleichg\u00fcltig, wer der wirkliche T\u00e4ter war. Es ist f\u00fcr mich so nichtig, dass ich Schwierigkeiten habe, die Opfer zu benennen. So leid es mir tut, sie spielen f\u00fcr mich keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich leben meine Kunstfiguren, sie sind zu realen Personen geworden, sie sind es, die zu mir und mit mir sprechen, und wie man an dem Erfolg des Buches sieht, nicht nur zu mir. Sie haben sich, wie es den Anschein hat,<br \/>auch in den K\u00f6pfen anderer verselbst\u00e4ndigt, was, ohne arrogant klingen zu wollen, f\u00fcr die Qualit\u00e4t der literarischen Bearbeitung spricht. Wenn man so will, ist die Klage und Aufgeregtheit mancher Leute das gr\u00f6\u00dfte Lob, da sie<br \/>Fiktion und Realit\u00e4t vermengen und Kunstfiguren als reale Charaktere betrachten. Gibt es ein gr\u00f6\u00dferes Lob f\u00fcr einen Romancier?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe der Auseinandersetzung gelassen entgegen, Fakten werden nicht zu Fiktion, auch wenn man es sich noch so sehr w\u00fcnscht. Und eine Person, die als lichtscheu, sparsam bis zum Geiz beschrieben wird, wird nicht zu einem gelassenen Lebemann. Eine Schraube, die in eine leere Wassergrube f\u00e4llt, wird nicht zum geistigen Eigentum, zur eigenen Idee, wenn sie bereits vor \u00fcber 80 Jahren durch die Finger eines anderen geglitten ist. Das ist<br \/>Realit\u00e4t und nicht Fiktion, wie ein Sachbuch ein Sachbuch ist und eben keine Belletristik.<\/p>\n\n\n\n<p>Andrea Maria Schenkel<br \/>25. Mai 2007<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Plagiatsfall&#8220; Schenkel vs. Leuschner. 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