{"id":17705,"date":"2012-01-09T11:07:37","date_gmt":"2012-01-09T11:07:37","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2012\/01\/expose-fuer-einen-sehr-deutschen-thriller\/"},"modified":"2022-06-08T19:59:51","modified_gmt":"2022-06-08T17:59:51","slug":"expose-fuer-einen-sehr-deutschen-thriller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2012\/01\/expose-fuer-einen-sehr-deutschen-thriller\/","title":{"rendered":"Expos\u00e9 f\u00fcr einen sehr deutschen Thriller"},"content":{"rendered":"\n<p>Liebe Gesine!<br \/>Ich darf Sie doch so nennen, meine hochverehrte Lektorin? Jedenfalls hat es mich sehr gefreut, dass Sie meine IDEE, ach was: meinen HAUCH von einer Idee f\u00fcr einen wirklich realit\u00e4tshaltigen Thriller gewisserma\u00dfen auf S\u00fcdafrika-Wirklichkeitsniveau nicht sogleich in Bausch und Bogen verworfen haben, wie es leider Ihre Kolleginnen und Kollegen anderer gro\u00dfer Verlagsh\u00e4user getan haben. Sie haben noch Mut zum Neuen! Sie sind noch innovativ! Aber genug des Lobes. Ich erdreiste mich, Ihnen anbei ein kleines Expos\u00e9 zu \u00fcbersenden, das hei\u00dft, ich m\u00f6chte Ihnen zun\u00e4chst einmal ganz zwanglos den PLOT meines Romanes umrei\u00dfen. Es wird ein dicker Roman. Hardcover? 500 Seiten mindestens, also 19,90 \u20ac!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Worum geht es also? Alles beginnt mit einem ausgebrannten Wohnwagen, in dem zwei Leichen aufgefunden werden, Bankr\u00e4uber, die sich \u2013 hoffnungslos in der Sackgasse \u2013 selbst das Leben genommen haben. Kurze Zeit sp\u00e4ter explodiert ein Haus, eine Komplizin der beiden nun toten Bankr\u00e4uber ist spurlos verschwunden. Szenenwechsel. Kurz nach diesen dramatischen Ereignissen spricht eine hochgestellte Pers\u00f6nlichkeit Drohungen auf den Anrufbeantworter eines Chefredakteurs. Wiederum geht es um ein Haus, diesmal um eins, das noch nicht explodiert ist. Der ge\u00fcbte Krimileser sagt sich sogleich: Aha, da gibt es einen Zusammenhang! Erneuter Szenenwechsel (Sie merken schon: Es geht hin und her und her und hin, das ist atemberaubend!): Eine Fernsehjournalistin hat Besuch von Freunden. Es ist ihr peinlich, aber sie muss 150 Euro pro Person und \u00dcbernachtung von ihnen verlangen. Noch wei\u00df sie nicht, dass dies einmal wichtig wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu den Bankr\u00e4ubern. Es stellt sich heraus, dass diese beiden M\u00e4nner seit \u00fcber zehn Jahren gesucht wurden, weil sie eigentlich Rechtsradikale sind. Die Frau auch. Sie wird als &#8222;Nazibraut&#8220; eingef\u00fchrt und soll, Sie ahnen es l\u00e4ngst, f\u00fcr ein wenig schmutzige NS-Erotik sorgen, Dreier mit Knobelstiefeln sozusagen, ha, ha! Ach ja, der ermittelnde Kommissar hei\u00dft Walter Sp\u00e4rlich, ist 57 und, weil dieser Teil der Handlung in den Neuen Bundesl\u00e4ndern spielt, irgendwie hin und her gerissen zwischen Stasi und Rechtsstaat. Jedenfalls ein Gr\u00fcbler. Und im Moment gr\u00fcbelt er, warum ihm der Bundesnachrichtendienst den Fall wegnehmen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Chefredakteur gr\u00fcbelt. Einerseits die Drohungen der hochgestellten Pers\u00f6nlichkeit. Andererseits hat er im Moment Wichtigeres zu tun, als diesen Kerl zu Fall zu bringen. Denn der Euro wackelt. Eine bekannte Fernsehsendung ebenso, weil ihr der Moderator abhanden gekommen ist. Und soeben hat ihn einer seiner Reporter angerufen und von dem Doppelselbstmord berichtet und dem explodierten Haus und den Nazis und davon, dass diese m\u00f6glicherweise f\u00fcr eine beispiellose Mordserie verantwortlich sind, der Besitzer von D\u00f6nerbuden zum Opfer fielen, von denen einige gar keine T\u00fcrken und wiederum andere gar keine Besitzer von D\u00f6nerbuden waren. Und dass der Verfassungsschutz mit diversen V-M\u00e4nnern immer im Bilde gewesen sein muss und der Doppelselbstmord wahrscheinlich gar kein Doppelselbstmord und das explodierte Haus kein Zufall.<\/p>\n\n\n\n<p>Szenenwechsel. Die hochgestellte Pers\u00f6nlichkeit wei\u00df, dass sie Schei\u00dfe gebaut hat. Sie ruft eine noch h\u00f6her gestellte Pers\u00f6nlichkeit an und spricht von R\u00fccktritt. Die noch h\u00f6her gestellte Pers\u00f6nlichkeit r\u00e4t ab. Sie hat gerade ein anderes Problem mit einem Griechen und Italiener, die gef\u00e4lligst zur\u00fccktreten sollen, aber nicht wollen. Dazu dieser Moderator der Fernsehsendung. Sie beruhigt die hochgestellte Pers\u00f6nlichkeit, beendet das Gespr\u00e4ch und ruft den Chefredakteur an. Er solle mit seiner Pressekampagne bittesch\u00f6n bis kurz vor Weihnachten warten. Als Trostpflaster erz\u00e4hlt sie ihm von den Nazis, die ganze Geschichte, die k\u00f6nne er bringen. Der Chefredakteur ist zufrieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommissar Sp\u00e4rlich ist unzufrieden. Pl\u00f6tzlich kommt die ganze Schweinerei mit den Nazis und ihren Morden an die \u00d6ffentlichkeit, die Nazibraut stellt sich, schweigt aber. Ein anonymer Anrufer teilt mit, Sp\u00e4rlich solle sich um das Haus einer hochgestellten Pers\u00f6nlichkeit k\u00fcmmern, da gehe auch etwas nicht mit rechten Dingen zu. Sp\u00e4rlich, immer noch \u00fcber Stasi und Rechtsstaat gr\u00fcbelnd, macht sich an die Arbeit \u2013 und kommt einem d\u00fcsteren Familiengeheimnis auf die Spur. Kostenlose Urlaube bei alten Freunden, das ganze Programm. Er st\u00f6\u00dft auf merkw\u00fcrdige Zusammenh\u00e4nge. K\u00f6nnte es sein, dass in der N\u00e4he aller Urlaubsorte der hochgestellten Pers\u00f6nlichkeit Ausl\u00e4nder erschossen wurden? Und zwar von dem Naziduo? Eine unglaubliche Geschichte. Und warum fand man zwischen den Lippen jedes Opfers eine Zweieurom\u00fcnze? Sp\u00e4rlich macht sich kundig und erf\u00e4hrt, dass dies ein alter germanisch-r\u00f6mischer Brauch war. Man gab den Toten eine M\u00fcnze mit, damit sie den F\u00e4hrmann f\u00fcr die \u00dcberfahrt ins Jenseits entlohnen konnten. Heidnisch-germanische Br\u00e4uche? Euro? Sp\u00e4rlich hat einen schrecklichen Verdacht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Szenenwechsel. Die Kommandozentrale eines Nachrichtendienstes. Irgendjemand will ihnen an den Kragen, streut Informationen, die Presse berichtet, die Kacke ist am Dampfen. Und ist es wirklich Zufall, dass, w\u00e4hrend die die Geheimdienste implodieren, sich auch eine kleine Partei freiwillig zerlegt? Ein politischer Selbstmord sozusagen, der die Verbindung zu den vorgeblichen Selbstmorden im Wohnwagen nicht leugnen kann. Szenenwechsel. Kurz vor Weihnachten. Auch um die hochgestellte Pers\u00f6nlichkeit zieht sich die Schlinge zu, denn weder mit Euro noch Nazis noch Fernsehshow lassen sich mehr gen\u00fcgend Schlagzeilen produzieren. Es wird Zeit f\u00fcr die n\u00e4chste Kampagne&#8230; Kommissar Sp\u00e4rlich \u00fcbernachtet derweil bei der Fernsehjournalistin und h\u00e4lt 150 Euro f\u00fcr ein Bett ohne Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr reichlich \u00fcbertrieben. Dann \u00fcberst\u00fcrzen sich die Ereignisse&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit, liebe Gesine. K\u00f6nnten Sie sich vorstellen, diesen Thriller in Ihrem Hause zu publizieren? 500, was sage ich!, 700 Seiten pralles Leben? Gehen Sie in sich und geben Sie mir dann bitte Bescheid. Ich sage Ihnen dann auch, wer der M\u00f6rder ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gesine!Ich darf Sie doch so nennen, meine hochverehrte Lektorin? 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