{"id":17716,"date":"2007-06-07T07:26:15","date_gmt":"2007-06-07T07:26:15","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/robert-brack-schneewittchens-sarg\/"},"modified":"2022-06-15T21:56:50","modified_gmt":"2022-06-15T19:56:50","slug":"robert-brack-schneewittchens-sarg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/robert-brack-schneewittchens-sarg\/","title":{"rendered":"Robert Brack: Schneewittchens Sarg"},"content":{"rendered":"\n<p>Durch zwei vertrackte F\u00e4lle hat Robert Brack seine Serienheldin Lenina Rabe schon gejagt. Und durch das Hamburg jenseits des sch\u00f6nen Scheins. Jungm\u00e4dchenkrimis, die Heldin verletzlich und wehrhaft zugleich, viel bunte Fassade in den Vierteln der kleinen Leute, der Andersdenkenden und \u2013lebenden, dahinter nicht selten die Mechanismen der ausgekochten Mehrwertwelt, die doch eigentlich bek\u00e4mpft werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auch \u201eSchneewittchens Sarg\u201c wuchert mit dem Pfund des \u201eMilieus\u201c; um Kriminalstory und den aktuellen Zustand der Gesellschaft in ein organisches Verh\u00e4ltnis zu bringen. Im Keller eines Hauses, das einem Sanierungprojekt weichen soll, findet man die \u00dcberreste eines jungen M\u00e4dchens, \u201eSchneewittchen\u201c, das vor zwanzig Jahren verschwunden ist. Damals geh\u00f6rte das Haus noch zu einem \u201eSozialverein\u201c, in dem sich idealistische Menschen um sogenannte Problemf\u00e4lle k\u00fcmmerten, zu denen auch \u201eSchneewittchen\u201c geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass heute davon nicht mehr viel \u00fcbriggeblieben ist, versteht sich. Die einstmals streng antikapitalistischen, antib\u00fcrgerlichen und antiautorit\u00e4ren Betreiber des Vereins haben sich l\u00e4ngst in Arrivierte und Gescheiterte aufgeteilt. Lenina Rabe, von einem dieser \u201eGescheiterten\u201c mit der Aufkl\u00e4rung des Falles beauftragt, beginnt ihre Nachforschungen und verstrickt, wie nicht anders zu erwarten, in diese sehr heutige Welt aus entt\u00e4uschten Hoffnungen, knallhartem Business und sonstigen Verlogenheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u201eD\u00e4nische Befreiungsfront\u201c, die das fr\u00fcher zum nordischen K\u00f6nigreich geh\u00f6rige Altona \u201eheimholen\u201c m\u00f6chte, sorgt nur anfangs f\u00fcr bizarre Erheiterung. Denn nat\u00fcrlich steckt auch dahinter \u00f6konomisches Kalk\u00fcl.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon in den beiden Vorg\u00e4ngerabenteuern lebt die Geschichte von ihrer Protagonistin, der einerseits noch sehr teeniehaften, andererseits bereits erstaunlich cleveren Lenina. Ob St. Pauli oder Altona, sie bewegt sich wie ein Fisch im Wasser durch die alternative Szene, locker eingebunden in einem Freundeskreis, der ihr mal hilfreich zur Seite steht, mal st\u00f6rend in die Quere kommt. \u00dcberhaupt das Personal. Allesamt Platzhalter, allesamt Akteure, deren einzige Existenzberechtigung es zu sein scheint, einen Rahmen ums \u201eMilieu\u201c zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist, so wie Brack es macht, v\u00f6llig in Ordnung. 190 Seiten l\u00e4sst er Lenina Zeit, den Fall zu kl\u00e4ren, 190 Seiten, die fast v\u00f6llig ohne gro\u00dfartiges Reflektieren oder Analysieren auskommen, dramaturgisch pflanzt sich die Geschichte von einer Aktion zur n\u00e4chsten fort, angenehm unpr\u00e4tenti\u00f6s und, wie gesagt, nicht zum Zwecke eines ausdifferenzierten Gesellschaftsbildes geschrieben. Brack will spannend unterhalten \u2013 das gelingt ihm, er will \u00fcberdies ein Stimmungsbild skizzieren \u2013 auch darin ist er erfolgreich. \u201eSchneewittchens Sarg\u201c ist also schm\u00f6kertauglich \u2013 mit einem Klecks Wirklichkeit obendrauf.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Robert Brack: Schneewittchens Sarg. <br \/>Nautilus 2007, 190 Seiten, 12,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch zwei vertrackte F\u00e4lle hat Robert Brack seine Serienheldin Lenina Rabe schon gejagt. Und durch das Hamburg jenseits des sch\u00f6nen Scheins. 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