{"id":17718,"date":"2007-06-07T10:06:23","date_gmt":"2007-06-07T10:06:23","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/warum-ich-krimis-mag-ein-karnevalsbeitrag\/"},"modified":"2022-06-07T01:56:34","modified_gmt":"2022-06-06T23:56:34","slug":"warum-ich-krimis-mag-ein-karnevalsbeitrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/warum-ich-krimis-mag-ein-karnevalsbeitrag\/","title":{"rendered":"Warum ich Krimis mag &#8211; ein Karnevalsbeitrag"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/cover\/blog_karneval_logo_klein_rot.jpg\" alt=\"blog_karneval_logo_klein_rot.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Mein Krimi und ich&#8220;. Oder so. Das Thema eines von Ludger Menke organisierten \u2192<a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/758\/aufruf-zum-ersten-krimi-blog-karneval.html\">&#8222;Blogkarnevals&#8220;<\/a>, zu dem wir im Rahmen unserer Ludger-Menke-Schmusewochen einen l\u00e4ngeren Beitrag zu leisten nicht vers\u00e4umen wollen. Es wird immerhin ein &#8222;Krimijahrbuch 2007&#8220; verlost. Vielleicht haben wir Gl\u00fcck und gewinnen das Teil! Deshalb also: Warum ich Krimis mag.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Warum ich Krimis mag &#8211; ein spontaner Besinnungsaufsatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil ich Literatur mag.<br \/>Weil ich einer der wenigen Gl\u00fccklichen bin, die jene gro\u00dfe Literaturhass-Kampagne, genannt Deutsch-Unterricht, unbeschadet \u00fcberstanden haben.<br \/>Weil ich also lesen wollte.<br \/>Weil ich nach geraumer Zeit keine Lust mehr hatte, \u201eanspruchsvolle Literatur\u201c zu lesen.<br \/>Weil Literatur, die von sich behaupten muss, einen Anspruch zu haben oder von der behauptet wird, sie habe einen, nicht sehr von sich selbst \u00fcberzeugt sein kann.<br \/>Weil irgendwann einmal ein Mann auftauchte, der an der Spitze dessen stand, was Literatur hierzulande und sonstwo bieten konnte, und sich nicht entbl\u00f6dete, Karl May und Jules Verne zu loben und ernsthaft zu studieren. All die Vergessenen vergangener Jahrhunderte auch.<br \/>Weil es mir von da an nichts mehr ausmachte Krimis zu lesen.<br \/>Weil gleich die ersten, die ich gelesen habe, von Hammett bis Himes, von Glauser bis Sj\u00f6wall \/ Wahl\u00f6\u00f6, mehr zu sagen schienen als das immer tristere Nabelbeschauen und Schwerdenken der sogenannten Hochliteratur.<br \/>Weil Krimis selbstverst\u00e4ndlich auch Hochliteratur sind und zugleich Magenliteratur (manchmal auch Unterleibsliteratur; manchmal auch Kniekehlenliteratur).<br \/>Weil ich es gern habe, wenn an meine niederen Instinkte appelliert wird.<br \/>Weil es eine Verbindung zwischen dem Kopf und diesen niederen Instinkte gibt.<br \/>Weil ich inzwischen glaube, dass wenigstens 80% dessen, was uns als nichttrivial verkauft wird, trivial ist.<br \/>Weil ich die Spannung der Spannungsliteratur nur f\u00fcr eine andere Form der Spannung in s\u00e4mtlicher Literatur halte.<br \/>Weil ich die klaren Genrevorgaben sch\u00e4tze, das Handwerk, das sie umsetzt, ebenso \u2013 und die Kunst, aus oft verwendeten Bausteinen etwas Singul\u00e4res zu fabrizieren.<br \/>Weil ich generell nicht glaube, aus der Lekt\u00fcre eines Menschen auf seinen Intelligenzquotienten schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<br \/>Weil ich vielmehr glaube, dass das WIE einer Lekt\u00fcre wichtiger ist als das WAS.<br \/>Weil ich also davon \u00fcberzeugt bin, dass die Krimilekt\u00fcre eines Arbeiters im Zug erhellender f\u00fcr diesen Leser sein kann als die Lekt\u00fcre eines Literaturwissenschaftlers in seinem Arbeitszimmer f\u00fcr diesen.<br \/>Weil ich ein Unterhaltungsbed\u00fcrfnis habe.<br \/>Weil mich gute Krimis gut unterhalten.<br \/>Weil es mir manchmal gen\u00fcgt, einfach nur gut unterhalten zu werden.<br \/>Weil es mir manchmal nicht gen\u00fcgt.<br \/>Weil gute Krimis aus der Wirklichkeit destilliert wurden und werden.<br \/>Weil ich mich nicht f\u00fcr \u201eAuthentizit\u00e4t\u201c interessiere.<br \/>Weil es mir furchtbar egal ist, ob deutsche Streifenpolizisten gr\u00fcne oder rosa oder quergestreifte Uniformen anhaben.<br \/>Weil Krimis Dinge dorthin transportieren k\u00f6nnen, wo sie gebraucht werden, wo sie hingeh\u00f6ren.<br \/>Weil das nicht nur f\u00fcr Morde gilt, wie Chandler \u00fcber Hammett ja schon gesagt hat, sondern f\u00fcr die banalsten Kleinigkeiten, die epochalsten Erkenntnisse, die einfach zu schade sind, in den Gehirnen von Intellektuellen und solchen, die sich daf\u00fcr halten, deponiert zu werden wie Schrott auf dem Schrottplatz.<br \/>Weil das Leben mit seinen Widerspr\u00fcchen und Finten im Krimi gut aufgehoben ist.<br \/>Weil nichts so schnell vergessen wird wie ein Krimi und weil mich die Vergessenen mehr interessieren als die Gefeierten.<br \/>Weil es ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl ist, einem Vergessenen seinen Namen und sein Werk zur\u00fcckzugeben.<br \/>Weil ich nach vielen Krimis gerne mal etwas anderes lese, bei dem ich mich nicht bis zum Ende fragen muss, ob tats\u00e4chlich der Butler seinen Herrn vergiftet hat.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Mein Krimi und ich&#8220;. 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