{"id":17744,"date":"2007-06-17T17:23:05","date_gmt":"2007-06-17T17:23:05","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/okay-dann-lektoriert-mal\/"},"modified":"2022-06-05T02:19:44","modified_gmt":"2022-06-05T00:19:44","slug":"okay-dann-lektoriert-mal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/okay-dann-lektoriert-mal\/","title":{"rendered":"Okay, dann lektoriert mal"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Ein wahllos aus einem Krimi herauskopierter Text. Der Autor fragt: Gut so? Bedenken? Einw\u00e4nde? IHR seid die LektorInnen! Ihr k\u00f6nnt hier nach Herzenslust&#8230;Wir wollen ja in Zukunft gute Krimis lesen, oder? Dann mal los!<br \/>Noch so einer mit B\u00fcgelfalten in der Trainingshose: Gupphorst; schon der Name. H\u00fcpfte am Spielfeldrand auf der Stelle, klatschte in die H\u00e4nde \u2013 was sie ihm bei einem Seminar als akustisches Motivationsmittel beigebracht hatten \u2013 schrie seine Anweisungen in grammatisch korrekten und vollst\u00e4ndigen S\u00e4tzen aufs Feld, wo sich die Halbw\u00fcchsigkeit hinter B\u00e4llen herbem\u00fchte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Noch keine 25 konnte der sein, dieser Lockenkopf. Selbst schon in der A-Jugend wegen offenkundiger Talentlosigkeit ausgemustert, trainierte er jetzt die B-Jugend, einer, der \u201emit seinen Spielern kommunizierte\u201c, auch das seminarm\u00e4\u00dfig eingetrichtert. Lanhoff spazierte zu ihm hin, r\u00e4usperte sich, als er noch zehn Meter zu gehen hatte, der soll der Gefahr ins Auge blicken, drehte sich auch tats\u00e4chlich um.<br \/>\u201eHallo.\u201c<br \/>Ja, du wei\u00dft nicht, warum ich hier bin, ich h\u00f6rs aus diesem einen Wort. H\u00f6r endlich auf zu h\u00fcpfen.<br \/>\u201eHallo. Na, wie stehn die Aktien?\u201c<br \/>Gupphorst wie aus der Pistole: \u201eWir haben ein paar wirkliche Talente an Bord.\u201c<br \/>An Bord. Soso.<br \/>\u201eFreut mich zu h\u00f6ren. Sag mal&#8230;\u201c<br \/>Ihn jetzt zu duzen, festigt das Herr-Knecht-Verh\u00e4ltnis. Wag blo\u00df nicht, zur\u00fcckzuduzen.<br \/>\u201e&#8230; h\u00e4ttest du nicht Lust&#8230; ich bin ja nun anderweitig ziemlich involviert&#8230;mal meinen Assistenztrainer zu machen?\u201c<br \/>Gupphorst h\u00fcpfte tats\u00e4chlich nicht mehr. Es h\u00fcpfte in ihm; das, was er Gedanken nennen d\u00fcrfte, machte rhythmische Sportgymnastik f\u00fcr Anf\u00e4nger.<br \/>\u201eJa, oh, \u00e4h, gerne, ich meine, das ehrt mich, ja, klar, mach ich, prima.\u201c<br \/>Es war kurz vor Mittag, Samstag, der Bus musste gleich kommen. Einige der Spieler sa\u00dfen auf der Trib\u00fcne, schauten verzagt zu ihrem Chef, der sich Gupphorst jetzt auf Arml\u00e4nge gen\u00e4hert hatte.<br \/>\u201eOkay. Reden wir Montagmittag dr\u00fcber. Kannst du dann \u00fcberhaupt?\u201c<br \/>Gupphorst, das wusste Lanhoff nat\u00fcrlich, arbeitete als Sachbearbeiter bei der Stadt, \u00f6ffentlicher Dienst, kein Problem, sich einen Nachmittag frei zu nehmen.<br \/>\u201eIch nehme mir den Nachmittag frei.\u201c<br \/>\u201eSch\u00f6n so. Ist auch nur aushilfsweise, verstehst du? Und wir trainieren ja sp\u00e4tnachmittags, nur am Montag h\u00e4tte ich dich halt gerne zu einer Vorbesprechung hier. Sagen wir um zwei?\u201c<br \/>\u201eUm zwei.\u201c<br \/>Lanhoff tat, als verfolge er interessiert die Bem\u00fchungen der B-Jugendspieler auf dem Platz. Gupphorst folgte seinem Blick. Die Jungs schoben sich die B\u00e4lle zu, Genauigkeit beim Passspiel, aber ohne Gegenspieler, was?<br \/>\u201eHast du eigentlich einen Kevin in der Mannschaft?\u201c<br \/>Gupphorst gluckste.<br \/>\u201eEinen? F\u00fcnf!\u201c<br \/>\u201eKevin Kuhn.\u201c<br \/>\u201eAch der.\u201c<br \/>\u00dcberblickte die H\u00e4upter seiner Sch\u00e4fchen, blieb an einem h\u00e4ngen, wies drauf.<br \/>\u201eDer da ganz links. Der jetzt mal wieder den Ball verspringen l\u00e4sst. Erg\u00e4nzungsspieler. Gut, wenn d&#8230;man die Brechstange braucht, einen, der auch mal mit beiden F\u00fc\u00dfen zuerst.\u201c<br \/>Lanhoff nickte. Klar, hatte er nicht anders erwartet. Filigran war etwas anderes.<br \/>\u201eK\u00f6nntest du mir den mal herrufen?\u201c<br \/>Konnte Gupphorst. Ohne zu wissen wozu das jetzt. War nicht sein Bier, blo\u00df nicht danach fragen.<br \/>\u201eKuhn!\u201c<br \/>Der zuckte zusammen, hob den Kopf.<br \/>\u201eHerkommen!\u201c<br \/>Keine Autorit\u00e4t, dachte Lanhoff. Der lernts nie. Kevin Kuhn setzte sich in Trab, Lanhoff hatte sich umgedreht, winkte Gupphorst zu, gab Kuhn ein Zeichen: Komm mal mit. Sie gingen Richtung Umkleidekabinen.<br \/>\u201eZieh dich schnell um. Zwei Minuten.\u201c<br \/>Drei Minuten sp\u00e4ter:<br \/>\u201eIch hab nix davon gesagt, dass du auch noch duschen sollst.\u201c<br \/>Kevin schaute ihn nur an.<br \/>Nat\u00fcrlich hockte auch Kevin bisweilen auf der Trib\u00fcne und verfolgte das Training der ersten Mannschaft. Nat\u00fcrlich geisterten wahre und f\u00fcr wahr erkl\u00e4rte Anekdoten durch die Reihen der Jugendspieler, Horrorfilme, Splattervideos, in deren Mittelpunkt ein B\u00f6sewicht namens Lanhoff stand, der seine Spieler mit Worten in Schei\u00dfehaufen verwandeln konnte. Das alles hatte Kevin Kuhn, der darauf bedacht war, einen Sicherheitsabstand von einem guten Meter zu Lanhoff zu halten, selbst gese-hen, geh\u00f6rt, sich in seiner Phantasie zurecht gelegt. Jetzt stritten in ihm Angst und Neugierde, Verwirrung und die Vorboten einer pl\u00f6tzlich lichkeit gewordenen Vision, er, Kevin, Abr\u00e4umer mit begrenzten technischen M\u00f6glichkeiten, war IHM aufgefallen, im Raster h\u00e4ngengeblieben, eines zweiten Blickes f\u00fcr w\u00fcrdig befunden worden. Er w\u00fcrde ihn ausbilden, ja. Man brauchte auch Arbeiter, das wusste Kevin, das sagten sie ihm daheim, das sagten sie ihm in der Schule, das wurden die Fu\u00dfballre-porter nicht m\u00fcde zu behaupten, auch Arbeiter, nicht nur K\u00fcnstler, denk blo\u00df an den M\u00fcll, der muss ja auch irgendwie weg von der Stra\u00dfe.<br \/>Aber warum schleppte er ihn nun an den Umkleidekabinen vorbei zum Parkplatz, wo der Bus, mit dem die Mannschaft zum Ausw\u00e4rtsspiel fahren w\u00fcrde, jede Minute eintreffen musste?<br \/>Kevin Kuhn hatte pl\u00f6tzlich keine Angst mehr. Angst hat man nur, wenn man \u00fcber die Dinge, die man nicht versteht, nachdenkt, und das hatte Kevin noch nie getan. Die Dinge waren die Dinge.<br \/>Er sah sich um. Die Spieler hatten die Trib\u00fcne verlassen, folgten dem seltsamen Paar zum Parkplatz, wo andere Spieler bereits warteten, schwiegen, als der Trainer, einen Pimpfen im Schlepptau, an ihnen vorbeiging, sie nicht ansah. Die haben voll die Angst, dachte Kevin Kuhn. Ich<\/p>\n\n\n\n<p>nicht. Ich auch. Aber mir ist Angst so was von egal. Mit mir wird passieren, was passieren muss.<br \/>Wei\u00df ich doch, du kleine Ratte. Insgeheim hoffte Lanhoff, seine Mannschaft m\u00f6ge verlieren. Er w\u00fcrde sie vor Augen und Ohren des Kleinen zusammenfalten, diese Augen und Ohren w\u00fcrden sehen und h\u00f6ren, was Angst ist, besser noch: Sie w\u00fcrden es f\u00fchlen. Schon in den besseren Zeiten des Mittelalters hatte man die Erfahrung gemacht, dass Angst etwas war, das mit den Sinnen aufgenommen wurde. Zeig ihnen die Instrumente. Erkl\u00e4r ihnen, wie Daumenschrauben und Eiserne Jungfrauen funktionieren. Lass sie zusehen, wie andere damit gequ\u00e4lt werden. Das erzeugt die Angst, die man braucht. Nicht die Folter selbst schafft Angst, denn Schmerz verdr\u00e4ngt alle anderen Empfindungen, macht sogar stark. Bis zu einem gewissen Punkt, nat\u00fcrlich. Irgendwann ist jeder weichgeklopft.<br \/>Als s\u00e4mtliche Spieler eingestiegen waren, ihre Pl\u00e4tze eingenommen hatten, legte Lanhoff seine Rechte auf Kevin Kuhns Hinterkopf und registrierte befriedigt, wie durch den Besitzer dieses Kopfes ein seismografisch zu erfassendes Vibrieren lief. Und er sprach:<br \/>\u201eDu wirst jetzt mal sehen, wie das so l\u00e4uft, ja?\u201c<br \/>Kevin Kuhn versuchte zu nicken, was ihm, die Hand des Trainers auf dem Hinterkopf, gr\u00fcndlich misslang.<br \/>\u201eDas volle Programm, Kleiner. Du darfst sogar zusehen, wie sie nach dem Spiel ihre Schw\u00e4nzchen abduschen.\u201c<br \/>Ich bin doch nicht schwul, dachte Kevin, aber er freute sich drauf.<br \/>\u201eDanach gehen wir ne Runde spazieren. Wenn wir wieder daheim sind, ja? Bisschen durch den Wald.\u201c<br \/>Ach du Schei\u00dfe. Vielleicht ist DER schwul?<br \/>\u201eUnd dann stelle ich dir eine Frage, und diese Frage wirst du mir wahrheitsgem\u00e4\u00df beantworten. Du wei\u00dft doch, was wahrheitsgem\u00e4\u00df bedeutet?\u201c<br \/>Werds schon rausfinden, war sich Kevin sicher, und scheiterte beim zweiten Versuch zu nicken.<br \/>\u201eWunderbar. Und jetzt steig ein. Gleich die erste Bank. Setz dich ans Fenster und genie\u00df die Fahrt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein wahllos aus einem Krimi herauskopierter Text. Der Autor fragt: Gut so? Bedenken? Einw\u00e4nde? IHR seid die LektorInnen! Ihr k\u00f6nnt hier nach Herzenslust&#8230;Wir wollen ja in Zukunft gute Krimis lesen, oder? Dann mal los!Noch so einer mit B\u00fcgelfalten in der Trainingshose: Gupphorst; schon der Name. H\u00fcpfte am Spielfeldrand auf der Stelle, klatschte in die H\u00e4nde [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-17744","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17744","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17744"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17744\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17744"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17744"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17744"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}