{"id":17749,"date":"2007-06-20T07:13:58","date_gmt":"2007-06-20T07:13:58","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/deutsche-krimis-eine-statistische-klarstellung\/"},"modified":"2022-06-10T23:35:54","modified_gmt":"2022-06-10T21:35:54","slug":"deutsche-krimis-eine-statistische-klarstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/deutsche-krimis-eine-statistische-klarstellung\/","title":{"rendered":"Deutsche Krimis &#8211; eine statistische Klarstellung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Sind deutsche Krimis besser als ihr Ruf? Wird dieser Ruf in erster Linie von den Kritikern als den Meinungsmultiplikatoren ruiniert? Dar\u00fcber haben wir in den letzten Tagen u.a. heftig diskutiert, und es wird Zeit, die Tatsachen sprechen zu lassen. Wie h\u00e4lt es wtd mit der einheimischen Produktion? Und als besonderes Bonbon: Eine kleine Auswertung der Links aus der Alligatorstellvertreterzeit&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Etwas Statistik vorweg: Im ersten Halbjahr 2007 wurden 21 deutschsprachige Kriminalromane besprochen, davon 16 von \u201eaktuellen\u201c AutorInnen und 5, die als Klassiker durchgehen m\u00f6gen (Willi Voss, Helga Riedel, Adelbert von Chamisso, Carl Albert Loosli, Leo Perutz). Um das Halbjahr abzuschlie\u00dfen: Diese Woche gibt es noch Wolfgang Brenners \u201eBollinger und die Friseuse\u201c, in der n\u00e4chsten dann Horst Eckerts \u201eK\u00f6nigsallee\u201c. 18 Einblicke ins Zeitgen\u00f6ssische deutschsprachiger Krimiproduktion also. Ich erspare mir den zahlenm\u00e4\u00dfigen Vergleich mit den nichtdeutschsprachigen Krimis. Hier wird weder nach Quote noch unter irgendwelchen \u201ediskriminierenden\u201c Aspekten rezensiert. Man bl\u00e4ttert sich durch Verlagskataloge, wird durch andere Kritiken auf Titel aufmerksam, greift wahllos zu, einige der bestellten B\u00fccher erreichen leider nie den willigen Rezensenten usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie aber wurden die B\u00fccher nun bewertet? Ordnen wir sie in vier Grobkategorien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kategorie 1, euphorisch bis sehr zufrieden, insgesamt 6 Titel geh\u00f6ren hierhin:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Astrid Paprotta: Feuertod<br \/>Dieter K\u00fchn: Geheimagent Marlowe<br \/>Bernhard Jaumann: Die Drachen von Montesecco<br \/>Rainer Gross: Grafeneck<br \/>Thomas Raab: Der Metzger muss nachsitzen<br \/>Robert Brack: Schneewittchens Sarg<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kategorie 2, zufrieden bis wohlwollend, hier versammeln sich folgende 4 Krimis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ernst Soler: Staub im Wasser<br \/>Christian Gude: Mosquito (Abstriche gab es hier vor allem f\u00fcr das schlampige Korrektorat)<br \/>Beate Sauer: Der Geschmack der Tollkirsche<br \/>Tom Wolf: Teufische Pl\u00e4ne<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kategorie 3, gerade noch akzeptabel, aber mit un\u00fcbersehbaren Schw\u00e4chen, 2 Titel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jan Eik: Tr\u00fcgerische Feste<br \/>Merle Kr\u00f6ger: Kyai! (hier bin ich mir bis heute nicht sicher, ob die Autorin nicht schreiben kann oder alles planm\u00e4\u00dfig inszeniert hat; Bollywood goes Krimi)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kategorie 4, Kopfsch\u00fctteln bis Totalverriss, 4 Titel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Titus Keller: Aussortiert<br \/>Friedrich Ani: Wer lebt, stirbt<br \/>Susanne Goga: Tod in Blau<br \/>Andree Hesse: Das andere Blut<\/p>\n\n\n\n<p>Die noch nicht rezensierten Titel von Brenner und Eckert werden wohl in einer der beiden ersten Kategorien eingeordnet werden. Noch enger kategorisiert, n\u00e4mlich nach \u201e\u00fcberwiegend positiv\u201c und \u201e\u00fcberwiegend negativ\u201c ergibt sich folgendes Bild:<\/p>\n\n\n\n<p>Von den 18 besprochenen aktuellen deutschsprachigen Kriminalromanen wurden 12 \u00fcberwiegend positiv und 6 \u00fcberwiegend negativ bewertet. Mein Gef\u00fchl sagt mir, dass es bei den nichtdeutschsprachigen kaum dramatisch anders ausfallen d\u00fcrfte, ich erspare mir aber den statistischen Beweis. Denn die Zahlen sprechen f\u00fcr sich, oder? Von drei deutschsprachigen Krimis fanden zwei durchaus Gnade vor dem unbestechlichen Auge des Rezensenten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nun keineswegs repr\u00e4sentativ, da ich erstens nat\u00fcrlich nicht die gesamte hiesige Produktion lesen konnte und zweitens durchaus eine Vorauswahl getroffen habe. Manches wurde nach der Zurkenntnisnahme von Inhaltsangaben und Leseproben gar nicht erst bestellt; anderes kurz angelesen und verworfen. Zu schlecht, zu belanglos, interessiert mich vom Thema her nicht. Repr\u00e4sentativ ist die Auswahl aber irgendwie doch, denn der Rezensent hat sich nicht vollst\u00e4ndig auf seine Vorlieben verlassen oder traumwandlerisch jene Sachen auserkoren, bei denen er erfahrungsgem\u00e4\u00df sicher sein konnte, keinen Griff ins Klo zu riskieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl gibt es solche Vorlieben (Paprotta, K\u00fchn, Brack, Jaumann), die denn auch allesamt zu gefallen wussten. Gelesen wurden aber auch \u201ehistorische Krimis\u201c, denen ich grunds\u00e4tzlich skeptisch gegen\u00fcberstehe, darunter pures Lesefutter wie Beate Sauers \u201eDer Geschmack der Tollkirsche\u201c. Und siehe: Die meisten davon schnitten gut ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Deb\u00fctanten wurden gew\u00fcrdigt, Rainer Gross mit \u201eGrafeneck\u201c, Thomas Raabs \u201eDer Metzger muss nachsitzen\u201c und Christian Gudes \u201eMosquito\u201c, selbst Titus Keller geh\u00f6rt hierher, ist doch \u201eAussortiert\u201c sein erster (und hoffentlich letzter) Krimi. Gesamturteil: Drei von diesen vier Romanen wussten zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese kleinen statistischen \u00dcberlegungen sollen nur zeigen, was im Eifer des Gefechts allzuoft \u00fcbersehen wird. Hier wird eben nicht mit dem Kn\u00fcppel auf alles gehauen, was \u201eDeutschkrimi\u201c ist. Wirkliche Verrisse etwa gab es nur zwei, also etwas \u00fcber 10% aller Rezensionen. Es h\u00e4tten unbezweifelbar mehr sein k\u00f6nnen, ja, ich glaube schon, dass es mir auch gelungen w\u00e4re, 18 grottenschlechte Romane aus dem Angebot zu fischen und hier gen\u00fcsslich zu zerlegen. Das w\u00e4re aber zum ersten reinster Lesemasochismus und zum zweiten nicht im Sinne des Rezensenten, der vor allem eines m\u00f6chte: gute deutsche Kriminalliteratur f\u00f6rdern. Manchmal auch dadurch, dass er vor der schlechten warnt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anhang: Alligatorersatz-Statistik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der flei\u00dfige Johannes Schulz hat alle Links, die in Vertretung der Wuppertaler Echse unters Volk gebracht wurden, statistisch ausgewertet (ohne Sekund\u00e4rliteratur, mehrfach ver\u00f6ffentlichte Rezensionen wurden nur einmal ber\u00fccksichtigt). Insgesamt waren das 93, davon positiv: 66, negativ: 27. Von diesen 93 Besprechungen galten 29 deutschen Krimis (22 positiv, 7 negativ), was auch die Spitze in der &#8222;L\u00e4nderwertung&#8220; bedeutet. Auf dem zweiten Platz: die USA (19, davon 17 positiv), vor England (12, davon 7 positiv) und Italien (je 5 positiv \/ negativ). \u00d6sterreich war zweimal vertreten &#8211; beidemale negativ! Auch diese Zahlen zeugen nicht gerade davon, dass deutsche Krimis ignoriert \/ verrissen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind deutsche Krimis besser als ihr Ruf? Wird dieser Ruf in erster Linie von den Kritikern als den Meinungsmultiplikatoren ruiniert? Dar\u00fcber haben wir in den letzten Tagen u.a. heftig diskutiert, und es wird Zeit, die Tatsachen sprechen zu lassen. Wie h\u00e4lt es wtd mit der einheimischen Produktion? 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