{"id":17760,"date":"2007-06-26T06:22:52","date_gmt":"2007-06-26T06:22:52","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/joanne-harris-gentlemen-and-players\/"},"modified":"2022-06-15T02:07:31","modified_gmt":"2022-06-15T00:07:31","slug":"joanne-harris-gentlemen-and-players","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/06\/joanne-harris-gentlemen-and-players\/","title":{"rendered":"Joanne Harris: Gentlemen and Players"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Dieses ist die erste Besprechung eines der Kandidaten f\u00fcr den Edgar des Jahres 2007, Kategorie \u201eBestes Buch\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die britischen Privatschulen f\u00fcr Jungen werden in B\u00fcchern gern in einer Mischung aus menschenverachtender M\u00e4nnlichkeit und sportlichem Gentlemengeist dargestellt. M\u00f6gen sich im Wandel der Zeit auch die Rituale abgeschliffen haben, etwas von der einstigen Aura der Schulen vermitteln viele Krimis auch heutzutage noch. Joanne Harris Buch \u201eGentlemen and Players\u201c spielt auf solche alten Vorstellungen an und ist, da die Kinder und Lehrer modern dargestellt sind, doch der Gegenwart verpflichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Icherz\u00e4hler wechseln sich im Buch ab. Der eine, nach einem Bauern im Schach bezeichnet, ist ein junger Mensch, der gerade in der St. Oswald Schule f\u00fcr Jungen seine erste Stelle als Lehrer angetreten hat. Der Bauer erz\u00e4hlt von seiner Rache, die er an der Schule nehmen will und enth\u00fcllt St\u00fcck f\u00fcr eine Geschichte aus seiner Kindheit, als er in der Ortschaft lebte, sein Vater Hausmeister an der Schule war und f\u00fcr ihn die Schule eine nur ferne (und viel zu teure) Sehnsucht war. Die Rolle des K\u00f6nigs und des zweiten Icherz\u00e4hlers hat Roy Stratley. Stratley ist gewisserma\u00dfen Mittler zwischen den Zeiten. Seit 33 Jahren ist er als Lateinlehrer an der Schule t\u00e4tig und stellt als liebevoll verschrobener Gegner aller krampfhaften Modernismen (bis hin zum Computer) den Geist dar, der da nun mittlerweile untergegangen ist. Dabei ist auch Latein, dessen einzig verbliebener Lehrer Stratley noch ist, ein untergehendes Fach. Da sind im Vergleich Franz\u00f6sisch und insbesondere Deutsch viel popul\u00e4rer. Er ist jemand, der auch `mal einen Streich seiner Sch\u00fcler gegen andere Lehrer deckt, dem alten M\u00e4nnlichkeitsideal von Rohrstock und Peitsche auch fr\u00fcher nie angehangen hat und der Schulleitung im Streitfall gerne ein <em> \u201epone ubi sol non lucet\u201c <\/em> entgegen wirft.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein reizvoller Kontrast und geschickter Aufbau. W\u00e4hrend Stratley beschreibt, wie sich Eigenartiges an seiner geliebten Schule abspielt, ist der Bauer nicht nur daf\u00fcr verantwortlich, sondern er beschreibt auch, was er so anstellt und was ihn bewegt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGentlemen and Players\u201c ist ein warmherziges Buch, voller intelligenter Unterhaltung und geschickt arrangiert. Eher gediegen erz\u00e4hlt und ohne spannungstechnische Gimmicks vorgetragen, ist \u201eGentlemen and Player\u201c dennoch ein spannendes Buch, welches den Leser antreibt zu erfahren, wie es denn ausgeht, das \u201eSchachspiel\u201c zwischen den beiden Erz\u00e4hlern; also durchaus so wie man sich hierzulande einen britischen Krimi vorstellt. Mit einem Spannungsaufbau, der \u00fcber die Personen entsteht und einer sozialen Ordnung, welche noch einigerma\u00dfen in Takt ist. Und auch wenn der Leser meint, dass so viele Fragen nicht offen sind: Am Ende gibt es eine dicke \u00dcberraschung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie \u00fcberhaupt das Schachspiel die gro\u00dfe Metapher ist, die das Buch strukturiert. So wird der Bauer nachher, wenn es zum Showdown geht, ebenb\u00fcrtig zum K\u00f6nig als K\u00f6nigin auftreten. Da gibt es dann einen Colin Knight und einen Pat Bishop und das Klassenzimmer Stratleys befindet sich im Bell Tower \u2013 nun ja, das ist ganz nett, einen tieferen Sinn vermag ich allerdings nicht darin zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas \u00e4rgerlicher ist es da schon, dass die Deutsche Abteilung der Schule ihre prominente Stellung b\u00fc\u00dfen muss. Ist es am Anfang noch ganz witzig, Anspielungen auf Boche und <em> humorless Teutons<\/em> zu finden und mag es auch noch angehen, dass alle Lehrer der Abteilung (allesamt Engl\u00e4nder) als b\u00e4rbei\u00dfig beschrieben werden, irgendwann f\u00e4ngt es an zu nerven. Dann d\u00fcrften nur noch die Leser der gro\u00dfen Boulevardzeitungen, mit ihren manchmal immer noch pr\u00e4senten anti-deutschen Reflexen hoch befriedigt zur Kenntnis nehmen, dass <em>\u201ethe Germans, [&#8230;] are enjoing their spell of supremacy\u201c <\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Meinung hat Joanne Harris solche Sachen nicht n\u00f6tig, und Gnade wird ihr gescheites und ansonsten \u00fcberzeugendes Buch bei den Lesern dieser Zeitungen trotzdem nicht finden.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Joanne Harris: Gentlemen and Players. <br \/>Black Swan Book 2006. 507 Seiten. 9,95 \u20ac <br \/>(deutsch: \"Das verbotene Haus\", Ullstein Verlag, September 2007, 432 Seiten, 8,95 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses ist die erste Besprechung eines der Kandidaten f\u00fcr den Edgar des Jahres 2007, Kategorie \u201eBestes Buch\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[397,474],"class_list":["post-17760","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives","tag-buchkritik","tag-krimi"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Bernd Kochanowski","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/bernd-kochanowski\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17760","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17760"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17760\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17760"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17760"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17760"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}