{"id":17786,"date":"2007-07-17T08:32:42","date_gmt":"2007-07-17T08:32:42","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/07\/olen-steinhauer-the-vienna-assignment\/"},"modified":"2022-06-15T02:04:46","modified_gmt":"2022-06-15T00:04:46","slug":"olen-steinhauer-the-vienna-assignment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/07\/olen-steinhauer-the-vienna-assignment\/","title":{"rendered":"Olen Steinhauer: The Vienna Assignment"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201e36, Yalta Boulevard\u201c (Titel der britischen Ausgabe: \u201eThe Vienna Assignment\u201c) ist das dritte Buch einer f\u00fcnfteiligen Serie, die ihren Anfang im Bukarest der 40er Jahre nahm. Rum\u00e4nien, Unterdr\u00fcckung durch das kommunistische Regime &#8230; die B\u00fccher atmen den Geist von Spionagekrimis. Dennoch, die ersten beiden B\u00fccher waren doch eher <em> \u201epolice procedurals\u201c <\/em>, die ihren besonderen Reiz daraus zogen, dass sie in einem repressiven Staat spielten, in dem auch Polizisten jederzeit Opfer von Willk\u00fcrma\u00dfnahmen werden konnten. Immer mit dabei, immer dezent im Hintergrund und von allen gef\u00fcrchtet war Brano Sev, Mitarbeiter der geheimen Staatssicherheit, dessen Schreibtisch im Gro\u00dfraumb\u00fcro der Kriminalpolizei untergebracht war.<br \/>Doch die Winde wechseln schnell &#8211; wer w\u00fcsste das besser als Brano Sev. Pl\u00f6tzlich ist er es, auf den sich die Aufmerksamkeit seiner Kollegen richtet. Als er 1966 zur\u00fcck von einem Einsatz aus Wien kommt, wird ihm die Sabotage einer dort schiefgegangenen Aktion vorgeworfen. Er landet erst im Keller der Geheimdienstzentrale ( eben in jenem Yalta Boulevard) und sp\u00e4ter, mit sehr viel Gl\u00fcck, am Fliessband einer Fabrik.<\/p>\n\n\n\n<p>Er erh\u00e4lt eine zweite Chance und soll einen Dissidenten observieren. Und erneut wird versucht, ihm ein Vergehen in die Schuhe zu schieben, so dass ihm nichts anderes \u00fcbrig bleibt, als gemeinsam mit dem Observierten die Flucht nach Wien anzutreten. Dort angekommen, wei\u00df Sev erst nicht recht, was er tun soll. Aber er ahnt, dass dort noch eine Aufgabe zu erledigen ist. Der \u00f6sterreichische Geheimdienst beschattet ihn, eine amerikanische Privatorganisation zur Befreiung Osteuropas taucht auf und er selber meint den geheimnisvollen Maulwurf im rum\u00e4nischen Geheimdienst mit dem Namen Gavrilov ausfindig machen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist f\u00fcr Sev eine unsichere Zeit in Wien, nicht nur dass er, der erfahrene Geheimdienstler, Schwierigkeiten hat, zu deuten, was da von ihm erwartet wird und wie er sich zu verhalten hat, nein, auch sein Herz meldet sich pl\u00f6tzlich zu Wort und versucht ihn davon zu \u00fcberzeugen, dass ein ruhiges beschauliches Leben in K\u00e4rnten den unsicheren Zeiten vorzuziehen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bisherigen B\u00fccher Steinhauers sind nicht nur atmosph\u00e4risch dichte Krimis, welche auch das Seelenleben ihrer Helden ausloten, sondern auch immer Krimis zum Mitr\u00e4tseln. In \u201e36, Yalta Boulevard\u201c sind die Schl\u00fcsse die Sev zieht, wenn er denn aus seiner Selbstbezogenheit auftaucht, jedoch so rasant und blitzschnell, dass ein Mitraten nicht wirklich m\u00f6glich ist. Aber darauf, so scheint es mir, kommt es nicht an. Der tiefe Blick in das Seelenleben einer Person, welches sich auf einmal ganz anders darstellt, als es die von anderen \u00e4ngstlich beobachtete Figur der ersten beiden B\u00e4nde vermuten lie\u00df, es ist, welcher das Buch dominiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Steinhauers (zeitlich) r\u00fcckw\u00e4rts gewandter Blick hinter den eisernen Vorhang kn\u00fcpft ein wenig an die Erz\u00e4hlungen Alan Fursts oder Eric Amblers an. \u201e36, Yalta Boulevard\u201c ist ein Buch welches den Geist der 60er Jahre heraufbeschw\u00f6rt; Wien, gerade erst in die Selbstst\u00e4ndigkeit entlassen worden, hat sich schon als Sammelpunkt f\u00fcr osteurop\u00e4ische Emigranten etabliert. Und wenn die Lage hinter dem Vorhang auch nicht unproblematisch f\u00fcr die \u201eSchutzmacht\u201c ist: Es ist noch nicht Zeit f\u00fcr Revolutionen.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Olen Steinhauer: The Vienna Assignment. <br \/>Harpercollins 2006. 384 Seiten. 10,80 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e36, Yalta Boulevard\u201c (Titel der britischen Ausgabe: \u201eThe Vienna Assignment\u201c) ist das dritte Buch einer f\u00fcnfteiligen Serie, die ihren Anfang im Bukarest der 40er Jahre nahm. Rum\u00e4nien, Unterdr\u00fcckung durch das kommunistische Regime &#8230; die B\u00fccher atmen den Geist von Spionagekrimis. 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