{"id":17790,"date":"2007-07-20T07:55:16","date_gmt":"2007-07-20T07:55:16","guid":{"rendered":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/07\/mehr-hitzewellenkrimis\/"},"modified":"2022-06-05T23:19:40","modified_gmt":"2022-06-05T21:19:40","slug":"mehr-hitzewellenkrimis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/07\/mehr-hitzewellenkrimis\/","title":{"rendered":"Mehr Hitzewellenkrimis"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/cover\/heatwave_more.jpg\" alt=\"heatwave_more.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Sich w\u00e4hrend einer Hitzewelle in ein \u00f6ffentliches Freibad zu begeben, ist empfehlenswert. Man packe gen\u00fcgend Sonnencreme in die Sporttasche \u2013 und nat\u00fcrlich ein paar wirklich hitzetaugliche Krimis. Leichte Kost, gemischter Salat sozusagen, reine Naturprodukte. Wenn man dann des Studierens der vorbeiflanierenden neuesten Bikinimode \u00fcberdr\u00fcssig ist (vielleicht nur, weil die Tr\u00e4gerinnen dieses an sich lobenswerten Kleidungsst\u00fccks aus dem besten Bikinialter l\u00e4ngst heraus sind), widme man sich der Lekt\u00fcre \u2013 zum Am\u00fcsement oder: zum Einschlafen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Am\u00fcsement liefert die Spenser-Reihe Robert B. Parkers so garantiert wie zuviel Sonne einen Sonnenbrand. Dennoch greift man zu \u201eDer stille Sch\u00fcler\u201c mit einigen Bef\u00fcrchtungen, geht es schlie\u00dflich um ein ernstes Thema, den Amoklauf von Sch\u00fclern. Wendell Grant und Jared Clark haben sieben Menschen erschossen. Zwei h\u00f6chst unterschiedliche Jungs, aber beide haben die Tat gestanden und warten auf ihren Prozess. Doch Jareds Gro\u00dfmutter glaubt nicht an die Schuld ihres Enkels und engagiert Spenser, sie in diesem Glauben zu best\u00e4tigen. Aber Spenser tut sich schwer damit. Jared, so ist er \u00fcberzeugt, war einer der T\u00e4ter. Aber warum? Um diese Frage und die \u00fcberraschende Antwort darauf geht es auf den 213 kurzweiligen und am\u00fcsanten Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, Sie haben richtig gelesen: Kurzweilig und am\u00fcsant. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche tiefenpsychologischen und soziologischen Vortr\u00e4ge einem da andere, \u201eernsthaftere\u201c AutorInnen halten w\u00fcrden. Parker hingegen schickt lapidar seinen Spenser ins Rennen, diesen schlagfertig-witzigen, knallharten, aber nat\u00fcrlich auch weichherzigen Detektiv, dessen Freundin gerade beruflich unterwegs ist und der tapfer den sexuellen Avancen von Rechtsanw\u00e4ltinnen und Jungm\u00e4dchen trotzt. Warum Sch\u00fcler Amok laufen, wei\u00df Spenser. Weil Schulen Kn\u00e4ste sind. Da muss nicht gegr\u00fcbelt werden. Am Ende ist nach genretypischen Turbulenzen das Warum gekl\u00e4rt. Und man freut sich schon auf den n\u00e4chsten Spenser-Krimi, auch au\u00dferhalb der Hitzeperiode.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Mittagsschl\u00e4fchen im Schatten des Freibades ist nicht zu verachten. Auch hier hilft Krimi, jedenfalls Felicitas Mayalls \u201eWolfstod\u201c. Tatort: die Toskana, wo sich allerhand deutsches Linksb\u00fcrgertum behaglich eingerichtet hat. Und wo es den ber\u00fchmten Schriftsteller Wolf Altlander ziemlich abrupt aus dem Leben rei\u00dft. Ein Fall f\u00fcr Commissario Guerrini, der seine M\u00fcnchner Geliebte, die ebenfalls im Polizeidienst t\u00e4tige Laura Gottberg zur Unterst\u00fctzung anfordert. Beide beginnen mit ihren Ermittlungen. Altlanders junger Gespiele, die befreundete Malerin, der in der Nachbarschaft wohnende Kinderbuchautor, die Haush\u00e4lterin&#8230; alle werden befragt, alle werden verd\u00e4chtigt, so geh\u00f6rt sich das ja auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur: Von Anfang an hat Guerrini einen \u201eVerdacht\u201c. Und geht ihm nicht nach. Warum nicht? Ganz einfach: Weil der Roman dann nach 50 Seiten zu Ende w\u00e4re, aber Frau Mayall sich halt 400 Seiten vorgestellt hat. Und so stapfen wir durch hunderte von Seiten Biederkeit, mit den \u00fcblichen Ingredienzien (Mordversuche, mysteri\u00f6se schwarze Autos, aus denen geschossen wird) angereichert, ein bisschen Ermittler-Privatleben, ein paar gesellschaftspolitische Reflexe \u2013 bis die 400 Seiten voll sind und Frau Mayall ihren Guerrini dringend ermahnt, jetzt aber mal Vollgas zu geben und den Fall im Schnelldurchgang und jenseits aller Logik zu l\u00f6sen. Nat\u00fcrlich war auch hier der erste Verdacht der beste \u2013 die schon bedrohlich mit der M\u00fcdigkeit k\u00e4mpfende Leserschaft hat es ja von Anfang an geahnt -, alles andere Larifari, lieb- und lebloses Seitenschinden, mit den \u00fcblichen kritischen Weisheiten zum Beziehungszauber und zu \u00fcbrigen weltbewegenden Dingen garniert.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den kleinen Schlaf zwischendurch ist \u201eWolfstod\u201c aber ein unver\u00e4chtlicher Helfer. Bis einem dann die oder der Liebste einen Schwall eiskalten Wassers aus der Badekappe \u00fcber den Bauch gibt und man pl\u00f6tzlich wieder wei\u00df, dass das Leben aufregender als ein Krimi sein kann. Wie einer von Felicitas Mayall auf jeden Fall.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Robert B. Parker: Der stille Sch\u00fcler. <br \/>Pendragon 2007. 213 Seiten. 9,90 \u20ac<br \/>(Original: \u201eSchool days\u201c, 2005, deutsch von Frank B\u00f6hmert)<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Felicitas Mayall: Wolfstod. <br \/>Kindler 2007. 398 Seiten. 19,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sich w\u00e4hrend einer Hitzewelle in ein \u00f6ffentliches Freibad zu begeben, ist empfehlenswert. Man packe gen\u00fcgend Sonnencreme in die Sporttasche \u2013 und nat\u00fcrlich ein paar wirklich hitzetaugliche Krimis. Leichte Kost, gemischter Salat sozusagen, reine Naturprodukte. 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