{"id":17811,"date":"2007-08-03T06:20:57","date_gmt":"2007-08-03T06:20:57","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/08\/olov-svedelid-als-vermisst-gemeldet\/"},"modified":"2022-06-15T21:49:17","modified_gmt":"2022-06-15T19:49:17","slug":"olov-svedelid-als-vermisst-gemeldet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/08\/olov-svedelid-als-vermisst-gemeldet\/","title":{"rendered":"Olov Svedelid: Als vermisst gemeldet"},"content":{"rendered":"\n<p>Zwischen den beiden hohen Wellen des \u201ekritischen Schwedenkrimis\u201c floss die eine und andere solide Spannungskost aus dem Norden in die deutschen Lande. Ohne f\u00fcr Furore zu sorgen, aber das ist halt der Preis, den man f\u00fcr Nichtwellenreiten zu zahlen hat. Olov Svedelid, in seiner Heimat \u00e4u\u00dferst beliebt, hat hierzulande die Popularit\u00e4t von Sj\u00f6wall \/ Wahl\u00f6\u00f6 oder Mankell nie erreicht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dabei ist das, was Svedelid zu bieten hat, grundsolide. Nicht mehr, nicht weniger. Der in der \u201eSchwedischen Kriminalbibliothek\u201c vorgelegte Roman \u201eAls vermisst gemeldet\u201c beweist es. Im ersten Abenteuer des Svedelidschen Serienhelden Roland Hassel geht es um einen verschwundenen Weinvertreter, der gleichzeitig als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines illegalen Spielclubs arbeitet. Inspektor Hassel, der kurz zuvor die Ehefrau des Vermissten kennengelernt hat, ermittelt. Es entwickelt sich ein aktionreicher und kurzweiliger Krimi, Hassel entpuppt sich als flapsiger, bisweilen jedoch moralisch rigider Gesell, man pr\u00fcgelt und bel\u00fcgt sich, Verfolgungsjagden und bizarre Mordversuche geh\u00f6ren zu den bew\u00e4hrten Ingredienzien.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber diese recht konventionelle F\u00fctterung der gierigen Leserm\u00e4uler hinaus wird \u201eAls vermisst gemeldet\u201c jedoch interessant, wenn man sich mit dem Erscheinungsjahr des Romans besch\u00e4ftigt: 1972. Wir erinnern uns: 1972 erschien \u201eVerschlossen und verriegelt\u201c; jener der zehn Sj\u00f6wall \/ Wahl\u00f6\u00f6 \u2013 Krimis, der die schwarze Utopie des Autorenduos vom faschistischen Polizeistaat Schweden endg\u00fcltig manifestierte. Auf sehr bitter-ironische Weise, bis zum Klamauk, die Beliebigkeit von Recht und Ordnung in einer gl\u00e4nzenden Pointe illustrierend.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in \u201eAls vermisst gemeldet\u201c geht es um \u201ePolizeikritik\u201c, wenn auch so ganz anders, dass man annehmen k\u00f6nnte, Sj\u00f6wall \/ Wahl\u00f6\u00f6 und Svedelid h\u00e4tten auf zwei Planeten gearbeitet. In Hassels Kollegenkreis n\u00e4mlich gibt es einen Verr\u00e4ter, der die Verbrecher mit Tipps versorgt. Als man ihn endlich enttarnt, zeigt sich Hassel als moralischer Hardliner, der keine Gnade kennt und die Ehre des Polizeikorps \u00fcber alles stellt. Denn die Zeiten sind danach: Die Gewalt nimmt zu, das Verbrechen wird international. Da nimmt es nicht wunder, dass hinter dem illegalen Gl\u00fccksspiel kein Schwede, sondern ein Engl\u00e4nder steckt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEin Land nach dem anderen war in den letzten Jahren brutalisiert worden. In Frankreich tobte ein gnadenloser Kampf zwischen der Polizei und einem Verbrechertum, das nach fast milit\u00e4rischem Muster organisiert war, und dieser Kampf wurde von beiden Seiten mit erschreckender H\u00e4rte gef\u00fchrt. Deutschland \u2013 dort erlebte die Gewalt eine neue Renaissance. Kopenhagen, die Stadt des heiteren L\u00e4chelns \u2013 hemmungslose Gewalt und eine steil ansteigende Kurve der Straftaten. England \u2013 der Preis eines Menschenlebens lag weit unter Kurs. Und nun unser Schweden!\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Man hat die d\u00fcsteren Profezeiungen von Sj\u00f6wall \/ Wahl\u00f6\u00f6 bisweilen als \u00fcberzogen bezeichnet. Liest man Hassels Zustandsbericht der Welt von 1972, d\u00fcrfte der Ausdruck \u201e\u00fcberzogen\u201c fast schon untertrieben sein. Aber genau aus diesen Argumenten lasen Sj\u00f6wall \/ Wahl\u00f6\u00f6 die aufziehende Militarisierung der Polizei. Panikmache als Weichkochgarant. Und das kommt einem seltsam vertraut vor, oder?<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Olov Svedelid: Als vermisst gemeldet. <br \/>Neuer Europa Verlag 2006 (<br \/>Original: \u201eAnm\u00e4ld F\u00f6rsvunnen\u201c, 1972, deutsch von A.O. Schwede). <br \/>224 Seiten. 12,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen den beiden hohen Wellen des \u201ekritischen Schwedenkrimis\u201c floss die eine und andere solide Spannungskost aus dem Norden in die deutschen Lande. Ohne f\u00fcr Furore zu sorgen, aber das ist halt der Preis, den man f\u00fcr Nichtwellenreiten zu zahlen hat. 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