{"id":17845,"date":"2007-08-24T07:04:36","date_gmt":"2007-08-24T07:04:36","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/08\/darf-man-darf-man-nicht\/"},"modified":"2022-06-05T22:42:24","modified_gmt":"2022-06-05T20:42:24","slug":"darf-man-darf-man-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/08\/darf-man-darf-man-nicht\/","title":{"rendered":"Darf man? Darf man nicht?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Unsere verfeinerte Zivilisation hat einige begr\u00fc\u00dfenswerte Errungenschaften gezeitigt. Dass in Gesellschaft weder ger\u00fclpset noch gefurzet werden sollte, zum Beispiel. Selbst die deutsche Krimikultur, mag sie als solche auch selten erkennbar sein, hat ihre H\u00f6flichkeitsregeln. Die erste und wichtigste: Beschmutze, oh Schaffende\/r, niemals dein eigenes Nest! Hm. Aber genau das ist mein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn sp\u00e4testens ab Juli 2008 werde ich wohl alle Bedingungen erf\u00fcllen, um einen Mitgliedsantrag beim SYNDIKAT, der Vereinigung deutschsprachiger KrimiautorInnen, stellen zu k\u00f6nnen. Rein theoretisch jedenfalls. Das sind dann also alles meine Kolleginnen und Kollegen, wir sitzen im gemeinsamen Nest und bem\u00fchen uns, nicht mit Dreck aufeinander zu werfen. Genau das tue ich aber seit geraumer Zeit \u2013 nicht mit Dreck werfen, aber doch die eine, den anderen meiner zuk\u00fcnftigen Mitschaffenden rezensionsm\u00e4\u00dfig am N\u00e4schen fassen, sozusagen. Und das darf ich dann nicht mehr?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ratlos. Nein, besser: zerrissen. In Zukunft keine Krimirezensionen mehr? Oder nur noch positive (das darf man n\u00e4mlich merkw\u00fcrdigerweise immer!)? Wer kann mir bei dieser Entscheidungsfindung helfen? Niemand? Doch! Eine! Anne!<\/p>\n\n\n\n<p>An Frau Chaplet scheiden sich die Geister. Nicht nur, was ihre literarische Produktion betrifft, aber das geh\u00f6rt eh zum Berufsbild, dass dich die einen lieben und die anderen nicht ausstehen k\u00f6nnen. Nein, was man Anne Chaplet vor allem ver\u00fcbelt, ist ihre Frechheit, auch vor KollegInnenschelte nicht zur\u00fcckzuschrecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir den \u2192<a href=\"http:\/\/anne-chaplet.de\/portal\/alias__annechaplet\/lang__de-DE\/tabid__5020\/default.aspx\">Tagebucheintrag<\/a> vom 21. August 2007. Es beginnt mit einem geschickten Verweis auf Chaplets T\u00e4tigkeit als FOCUS-Krimikritikerin. Wir erinnern uns: Im Focus kritisieren KollegInnen (au\u00dfer Chaplet noch Henrike Heiland, Manuela Martini, Ralf Kramp, Harry Luck und Horst Eckert) KollegInnen, und zwar straight to the rules, also ausschlie\u00dflich lobeshymnend. In ihrem Tagebuch weicht Anne davon ab und verflucht ihre T\u00e4tigkeit, <em>\u201ef\u00fcr die man manchmal auch Kriminalromane eines Blickes w\u00fcrdigen mu\u00df, die man lieber nicht zuende liest. Da wird oft derart ins Klischee gegriffen, da\u00df man Margit Schreiner versteht, wenn sie sich vom Gedanken verabschiedet hat, es auch einmal mit einem Krimi zu versuchen.\u201c<\/em> (Der Frau Schreiner m\u00f6chte man ins Gebetbuch schreiben, dass nur der oder die aus dem Klischee nicht herauskommt, die bereits h\u00fcfttief drinsteckt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Hernach kommt sie \u2013 das Fr\u00e4uleinchen Anobella wird\u2019s freuen \u2013 auf Juli Zeh zu sprechen, die ja gerade das Genre aufmischt. <em>\u201eWas ist da wohl Gro\u00dfes zu erwarten von einer Autorin, die sich mit Nabokov vergleicht und bei der selbstredend nichts an der Oberfl\u00e4che bleibt? Hoffentlich mehr als so ein unglaublich dummes Geschw\u00e4tz.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und nach einem Klatscher f\u00fcr die Herren Kirchhof und Spinnen fasst die Chaplet zusammen:<em> \u201eMit manchem m\u00f6chte man sich eben nicht gemein machen. Nicht mit den Verhunzern des Genres, die sich bei m\u00e4\u00dfigen Autoren ebenso finden lassen wie bei den Echtliteraten, die zum zigsten Mal die Gesetze des Genres lustvoll brechen m\u00f6chten. W\u00fcrg.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich so artikuliert, braucht in Deutschland um sein Image nicht zu f\u00fcrchten. Eine Neiderin, ein Schandmaul, eine Wegbei\u00dferin, doch, es gibt eine Menge Vokabular in unserer Sprache, die den Umstand gei\u00dfelt, dass da eine die eigene Zunft massakriert. Tut man nicht. Kein Arzt tut das, kein Lehrer, kein Kritiker, kein Elektroanlageninstallateur. Man teilt nat\u00fcrlich aus, aber bittesch\u00f6n immer extern. Der Arzt schimpft \u00fcber den Lehrer, der Autor \u00fcber den Kritiker, der Kritiker \u00fcber die doofen Leser \u2013 Hauptsache, die K\u00fcken im eigenen Nest m\u00fcssen keine Federn lassen.<br \/>Nun ist ja wer im Krimigewerbe zu tun hat, nicht per definitionem weltfremd und wei\u00df also, dass einer und einem jeden die eigene Haut lieber ist als die fremde und eine negative \u00c4u\u00dferung nat\u00fcrlich eine hinterh\u00e4ltige Waffe, mich in den Kleinkriegen des \u201eMarktes\u201c zu behaupten. Nur: Als Generalverdacht taugt das nicht. Zumal ja wer wem ans Bein pinkelt auf das Zur\u00fcckpinkeln vorbereitet sein muss. Ein wenig Aufmischen t\u00e4te der Szene ganz gut, wobei wie so oft nicht alles so hei\u00df gegessen wie gekocht wird. Mir gef\u00e4llt ein Buch nicht, ich versuche zu erkl\u00e4ren, warum es mir nicht gef\u00e4llt \u2013 und das wars dann schon.<\/p>\n\n\n\n<p>Was meinen nun die Leserinnen und Leser? Darf man, selber Krimiautor, die Erg\u00fcsse der Zunft \u00fcberhaupt kritisieren? Und wenn ja: nur positiv, bitte? Oder, wenn schon, dann mit allen Konsequenzen, notfalls bis zum Verriss? Mir w\u00fcrde ohne letzteren schon etwas fehlen, obwohl ich lieber lobe (was mir jetzt kein Mensch glaubt, ich wei\u00df). Um Antwort wird gebeten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere verfeinerte Zivilisation hat einige begr\u00fc\u00dfenswerte Errungenschaften gezeitigt. Dass in Gesellschaft weder ger\u00fclpset noch gefurzet werden sollte, zum Beispiel. Selbst die deutsche Krimikultur, mag sie als solche auch selten erkennbar sein, hat ihre H\u00f6flichkeitsregeln. Die erste und wichtigste: Beschmutze, oh Schaffende\/r, niemals dein eigenes Nest! Hm. Aber genau das ist mein Problem. 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