{"id":17851,"date":"2007-08-30T05:30:22","date_gmt":"2007-08-30T05:30:22","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/08\/mechtild-borrmann-morgen-ist-der-tag-nach-gestern\/"},"modified":"2022-06-15T21:35:11","modified_gmt":"2022-06-15T19:35:11","slug":"mechtild-borrmann-morgen-ist-der-tag-nach-gestern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/08\/mechtild-borrmann-morgen-ist-der-tag-nach-gestern\/","title":{"rendered":"Mechtild Borrmann: Morgen ist der Tag nach gestern"},"content":{"rendered":"\n<p>Man vermisst sie manchmal, die solide gearbeiteten Kriminalromane, denen nicht jedes vertraute Muster gleich zum Versatzst\u00fcck ger\u00e4t. Mechtild Borrmanns zweiter Krimi \u201eMorgen ist der Tag nach gestern\u201c besticht durch die Disziplin, mit der eine Geschichte dramaturgisch und sprachlich nach bekannten Regeln erz\u00e4hlt wird \u2013 und genau dadurch angenehm \u00fcberrascht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ein Sommerhaus der gehobenen Klasse brennt nieder. Brandstiftung. Der Besitzer Gustav Horstmann kommt in den Flammen ums Leben, eine zweite Leiche findet sich wenig sp\u00e4ter, ein PC \u00fcbersteht das Inferno im Keller. Auf ihm finden sich kinderpornografische Dateien, was besonders brisant ist, weil Horstmann Beiratsmitglied einer Stiftung war, die Kinder in Not betreute, solche vor allem, die von einem Elternteil ins Ausland entf\u00fchrt zu werden drohten. Kommissar Kleve und sein Team von der Kripo Kleve \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Polizeiarbeit ist einer von drei Erz\u00e4hlstr\u00e4ngen. Wir lernen Menschen kennen, die Fakten sammeln, spekulieren, fehler begehen, ihre gr\u00f6\u00dferen oder kleineren Probleme wohldosiert nach au\u00dfen lassen. Der zweite Erz\u00e4hlstrang versetzt uns in die leicht verschrobene Vorstellungswelt eines jungen Nachbarn Horstmanns, der das Sommerhaus in der Abwesenheit des Besitzers betreute. Und ein dritter Weg durch die Handlung macht uns mit einem verzweifelten Vater bekannt, der die Geschichte einer Katastrophe zu Papier bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine altbekannte Dramaturgie also: drei Str\u00e4nge, die erst parallel zueinander entwickelt werden, sich immer bedrohlicher aufeinander zu bewegen und im Finale treffen, wobei der Fortschritt polizeilichen Ermittelns als die treibende Kraft agiert. Ein Standardverfahren der Kriminalliteratur also, dessen Ende sehr fr\u00fch absehbar ist. Die Fronten scheinen rasch gekl\u00e4rt, der Fall folgt den \u00fcblichen Gesetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitaus spannender in \u201eMorgen ist der Tag nach gestern\u201c geraten jedoch die Psychogramme der T\u00e4ter-\/Opferfiguren. Es werden Geschichten erz\u00e4hlt, Geschichten von Menschen in Extremsituationen, doch weder der Wahn noch die Verzweiflung schlingern dabei plakativ ins Sensationelle. Eine sch\u00f6ne Volte am Ende sorgt zudem daf\u00fcr, dass die eigentlich klaren Fronten von Opfer und T\u00e4ter verschwimmen \u2013 auch das weitab \u00fcblicher Schemata \u00e0 la \u201eAlle T\u00e4ter sind auch irgendwie Opfer\u201c etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Mechtild Borrmanns Roman geh\u00f6rt zu den unspektakul\u00e4ren Werken dieses Jahres, was vor allem der Sprache geschuldet ist, die recht \u201eschmucklos\u201c in zumeist knappen Haupts\u00e4tzen daherkommt. Auch das eine St\u00e4rke des Buches, denn wer sagt eigentlich, dass Sprache bei jeder Gelegenheit ihre grammatischen Klunker anlegen muss, wenn sie an die \u00d6ffentlichkeit geht? Nein, es passt schon. Sehr pr\u00e4zise, sehr logisch, die drei Str\u00e4nge, die ja zugleich drei Perspektiven manifestieren, welche wiederum sprachlich flexibel genug gestaltet sind, um das, was es zu sagen gibt, \u00fcberzeugend den jeweiligen Ebenen zuordnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Summa: Borrmanns Roman geh\u00f6rt zu den erfreulichsten Produkten der diesj\u00e4hrigen heimischen Krimiproduktion. Erz\u00e4hl\u00f6konomisch effektiv, stil- und handlungssicher.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Mechtild Borrmann: Morgen ist der Tag nach gestern. <br \/>Pendragon 2007. 222 Seiten. 9,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man vermisst sie manchmal, die solide gearbeiteten Kriminalromane, denen nicht jedes vertraute Muster gleich zum Versatzst\u00fcck ger\u00e4t. 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