{"id":17869,"date":"2007-09-06T09:36:32","date_gmt":"2007-09-06T09:36:32","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/09\/driver-zweiter-gang\/"},"modified":"2022-06-10T00:15:51","modified_gmt":"2022-06-09T22:15:51","slug":"driver-zweiter-gang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/09\/driver-zweiter-gang\/","title":{"rendered":"Driver, zweiter Gang"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Eine ebenso mitleidige wie filmkundige Seele hat mich (mitleidlos, filmunkundig) auf eine gewisse inhaltliche \u00c4hnlichkeit des Sallis-Buchs mit Walter Hills Film &#8222;The Driver&#8220; von 1978 hingewiesen. Nun kenne ich den Film, wie gesagt, nicht. Doch was ich dar\u00fcber lesen konnte, best\u00e4tigt die Vermutung meines Tippgebers &#8211; und ist dennoch weit davon entfernt, another Tann\u00f6d-Case zu werden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em>&#8222;&#8220;The Driver&#8220; is specialist in a rare business: he drives getaway cars in robberies. His exceptional talent prevented him from being caught yet.&#8220; <\/em>&#8211; schreibt die \u2192<a href=\"http:\/\/german.imdb.com\/title\/tt0077474\/plotsummary\"> &#8222;Internet Movie Database&#8220;<\/a>. Als Stuntfahrer ist er wohl nicht t\u00e4tig &#8211; aber wie bei Sallis hei\u00dft er auch in Hills Film nur &#8222;(The) Driver&#8220;, so wie dort alle anderen Personen auch nicht mit Namen, sondern ihrer Berufsbezeichnung oder besonderen Merkmalen gef\u00fchrt werden (The Detective, The Player etc.). Bei Sallis steht dieses Privileg nur dem Titelhelden selbst zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Protagonisten sind wortkarg <em>(&#8222;&#8230;die Hauptfigur gibt insgesamt nur 350 Worte ab&#8220;, <\/em>steht im \u2192<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Driver_%28Film%29\">Wikipedia-Artikel<\/a>), sie haben einen Gegenspieler, der \u00e4hnlich besessen ist wie sie selbst (bei Hill der Detective) und sind am Ende &#8222;fast Freunde&#8220; (Sallis&#8216; Driver t\u00f6tet seinen &#8222;Freund&#8220; jedoch).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Hills Werk hei\u00dft es im \u2192<a href=\"http:\/\/www.ray-magazin.at\/0603\/walter_hill.htm\">&#8222;Ray Magazin&#8220;<\/a>: <em>&#8222;So erinnert The Driver (1978) durch seine stark reduktionistische Inszenierung und den konsequent lakonischen Grundton vielmehr an den Existenzialismus Jean-Pierre Melvilles als an einen typischen Actionfilm Hollywoods.&#8220; <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Reduktion und Lakonik sind auch die Arbeitsmittel von Sallis &#8211; doch geht er noch weiter als Hill, der, wenn ich das richtig sehe, eine &#8222;Noir-Welt&#8220; inszeniert, w\u00e4hrend sich Sallis auf seinen Protagonisten beschr\u00e4nkt und die Erkenntnis des &#8222;Allgemeincharakters&#8220; als Leseleistung abverlangt. Daf\u00fcr sprechen mehrere Umst\u00e4nde. Zun\u00e4chst der, dass eben bei Sallis nur der Driver selbst typisiert wird, das \u00fcbrige Personal seine &#8222;Normalnamen&#8220; beh\u00e4lt. Dann die Handlung selbst, die im Film als ein Zweikampf Verbrecher &#8211; Polizist inszeniert zu werden scheint, im Buch jedoch vollst\u00e4ndig auf den Protagonisten fixiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist halt der Unterschied Literatur &#8211; FIlm. Erstere vermag Handlung aus dem Kopf einer Person heraus zu entwickeln, letzterer vermag dies auch, aber er muss diesen Kopfinhalt konsequent in Bilder umsetzen (Was auch Vorteile hat. Die Abbildung des Gem\u00fctszustandes einer Person \u00fcber die Ausleuchtung einer Szene etwa. Funktioniert nur im Film so. Hei\u00dft aber nicht, dass in Romanen Personen ihren Gem\u00fctszustand kapitellang ausschwafeln m\u00fcssten. Geht auch dort anders besser. &#8212; Hm, das w\u00e4re jetzt ein Thema f\u00fcr sich&#8230;)<\/p>\n\n\n\n<p>Sallis wurde wohl von Hills Film inspiriert, hat ihn ausgewertet und f\u00fcr seine Belange umgebaut. Nix &#8222;geklaut&#8220;. So funktionieren Kunst und Literatur nun mal.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine ebenso mitleidige wie filmkundige Seele hat mich (mitleidlos, filmunkundig) auf eine gewisse inhaltliche \u00c4hnlichkeit des Sallis-Buchs mit Walter Hills Film &#8222;The Driver&#8220; von 1978 hingewiesen. Nun kenne ich den Film, wie gesagt, nicht. 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