{"id":17877,"date":"2007-09-10T05:33:18","date_gmt":"2007-09-10T05:33:18","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/09\/kapitel-xvii\/"},"modified":"2022-06-07T01:38:01","modified_gmt":"2022-06-06T23:38:01","slug":"kapitel-xvii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/09\/kapitel-xvii\/","title":{"rendered":"Kapitel XVII"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/cover\/wickius_forts_cover_2.jpg\" alt=\"wickius_forts_cover_2.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Was bisher geschah: IDIOT, die k\u00fcnstliche S\u00fcdseeinsel, auf der das deutsche Krimischaffen trainiert und erneuert werden sollte, ist untergegangen. Wickius und Claudine Schrunz treiben in einem Schlauchboot auf dem Pazifik und haben mehr oder weniger guten Sex. Dpr ist offensichtlich auch entkommen, Ludger Menke leider nicht. Die Beller hat gerade den Inhalt der Flaschenpost, die Wickius zwischen den Akten ins Meer geworfen hat, gelesen und ist sauer. Da klingelt es an der T\u00fcr&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Beller erschauderte. Das war SEIN Klingelzeichen! Sofort begannen in der imposanten Frauenbrust die widerstreitenden Gef\u00fchle zu toben, hob und senkte sich die umk\u00e4mpfte Zone, wo Liebe und Hass, Hingezogenheit und Abgesto\u00dfensein gegeneinander einen aussichtslosen Kampf ausfochten, denn jede Frau \u2013 die Beller wusste das \u2013 wird zwischen den Sentimentalit\u00e4ten hoffnungslos hin und her gerissen, bis eines Tages wie im Arztroman der Held ihrer Tr\u00e4ume erscheint und das Weibchen in die Langeweile immerw\u00e4hrender Harmonie und Kindbettfreuden erl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Philosophier nicht, Anna, wies sich die Beller zurecht, steh auf und \u00f6ffne die T\u00fcr, mach dem Schwein die H\u00f6lle hei\u00df. Es klingelte zum zweitenmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor jene Person, die nun der Beller gegen\u00fcberstand, auch nur ein Wort sagen konnte, wusste die Kommissarin, wen sie vor sich hatte. Wickius hatte sie ja plastisch genug beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGuten Morgen, mein Name ist&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter kam Claudine Schrunz nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wei\u00df, wie Sie hei\u00dfen, Sie Schlampe! Wo ist Horatio? Was haben Sie mit ihm gemacht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Augenschlitze der Schrunz verengten sich. Sie stie\u00df die Beller zur Seite und betrat die Wohnung, wie es amerikanische Geheimagentinnen zu tun pflegen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLassen Sie Ihre alberne eifers\u00fcchtige Stutenbissigkeit. Es geht um Wichtigeres, H\u00f6heres. Das Gleichgewicht des Planeten steht auf dem Spiel!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beller griff resolut in das \u00fcppige und weiche Haar der Schrunz, welche aber auf solche Attacken vorbereitet zu sein schien, sich elegant nach vorne beugte und die Beller \u00fcber die linke Schulter abrollen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNehmen Sie endlich Vernunft an\u201c, fauchte sie. \u201eKochen Sie uns eine Tasse Kaffee, dann erz\u00e4hle ich Ihnen alles!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beller kochte Kaffee. Man setzte sich an den K\u00fcchentisch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch h\u00f6re\u201c, sagte Anna und blickte herausfordernd zur Schrunzen. Diese seufzte einmal tief und begann sodann ihren Bericht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie Ihnen aus der Flaschenpost bekannt sein d\u00fcrfte, gerieten Horatio und ich in Seenot. Wir sa\u00dfen in einem hochseeunt\u00fcchtigen Schlauchboot mitten auf dem unermesslich weiten Pazifik und trieben Richtung Java. Es war langweilig. Wir nutzten die Zeit, so gut wir konnten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beller schnaufte ver\u00e4chtlich, die Schrunzen tat so, als h\u00e4tte sie es nicht bemerkt und sprach weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNach einer Woche erblickten wir einen Menschen im Wasser. Er war ersch\u00f6pft. Wickius erkannte ihn sofort. Es war kein Geringerer als dpr, dessen Motorboot gekentert war, wie er uns erz\u00e4hlte, nachdem wir ihn an Bord unseres Gef\u00e4hrts gezogen und mit Wasser erfrischt hatten. Und er sagte noch mehr. Er konnte gar nicht mehr aufh\u00f6ren zu erz\u00e4hlen. Wickius nickte es ab. Es best\u00e4tigte alles seinen Verdacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWelchen Verdacht?\u201c dr\u00e4ngte Anna, doch auch diesmal tat die Schrunzen so, als h\u00f6re sie es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJedenfalls erreichten wir schlie\u00dflich Java. Ich organisierte unsere Weiterreise nach Deutschland, wo sich Horatio SOFORT bei Ihnen melden wollte, glauben Sie es nur, doch ich riet ab. Sein Leben war in Gefahr. Er brauchte ein gutes Versteck. Nachdem wir dpr mit Hilfe der CIA zu einer neuen Identit\u00e4t und neuen Papieren verholfen hatten \u2013 er hei\u00dft jetzt Charles DeBaker und lebt als Immobilienh\u00e4ndler in New Orleans -, suchten wir einen Ort, an dem Wickius ungef\u00e4hrdet die geeigneten Ma\u00dfnahmen zur Entlarvung der Verbrecher vorbereiten konnte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beller sprang auf und begann zu schreien.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWo ist er? Was hat er vor? Welche Verbrecher, verflucht?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz ruhig antwortete die Schrunzen: \u201eM\u00e4\u00dfigen Sie sich. Wickius geht es gut. Er hat in Wiesbaden bei Anobella Unterschlupf gefunden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das war nicht die Antwort, die imstande war, Anna Beller in irgendeiner Art und Weise zu m\u00e4\u00dfigen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAnobella?\u201c schrie sie und lachte dreckig, \u201eNach der Amischlampe nun die Hessenschlampe oder was? Liegt die nicht noch angesengt im Krankenhaus?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Claudine Schrunz sch\u00fcttelte ihren exotischen Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie ist wieder gesund. Und sieht sch\u00f6ner denn je aus!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist keine Kunst bei der Vogelscheuche!\u201c parierte die Beller. Ihr schwindelte. Hatte sich Wickius, der Enthaltsame \u00fcber Nacht in ein Sexmonster verwandelt? Nun, es w\u00e4re ihr recht gewesen, h\u00e4tte sich diese Monstr\u00f6sit\u00e4t auf ihren, der Beller K\u00f6rper beschr\u00e4nkt. Sie beherrschte sich. Sei jetzt professionell, Anna. Du bist eine deutsche Beamtin und hast gelernt, dich unter Kontrolle zu haben. Aber wenn DAS HIER vorbei ist, wirst du sie dir alle einzeln vorkn\u00f6pfen und sie gen\u00fcsslich schlachten. Die Beller l\u00e4chelte bei dem Gedanken selig in sich hinein. Die Schrunzen fuhr fort:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUm es kurz zu machen. Das Verh\u00f6r, welches wir mit dpr f\u00fchrten, hat also best\u00e4tigt, was Wickius bereits wusste, aber nicht beweisen konnte. S\u00e4mtliche deutschen Krimischaffenden sind nichts weiter als Attrappen. Strohm\u00e4nner und Strohfrauen. Von Krimis, von Literatur gar verstehen sie gar nichts. Ausgenommen Juli Zeh, aber die zehlt nicht. Nehmen Sie blo\u00df die Paprotta. Eine Autorin? Pah! Sa\u00df bei Aldi Offenbach hinter der Kasse. Oder Norbert Horst. Finanzbeamter aus Bielefeld. Oliver Bottini? Sportlehrer mit Plattf\u00fc\u00dfen. Henrike Heiland? Animateurin im Seniorenheim \u201eAbendruh\u201c in Berlin-Sch\u00f6neberg. Und so weiter. Alle nahmen eine neue Identit\u00e4t als Krimischaffende an, wurden gut daf\u00fcr bezahlt und perfekt auf ihre Rolle vorbereitet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd die bestand darin \u2013\u201c, unterbrach Anna.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGenau. Sie gaben die Manuskripte anderer f\u00fcr ihre eigenen aus. Die Manuskripte von Menschen, die aus naheliegenden Gr\u00fcnden nicht offenbaren konnten, Kriminalromane zu schreiben. Erinnern Sie sich an die Liste, die man beim toten Superblogger fand. Er war \u2013 wie auch immer \u2013 hinter das Geheimnis gekommen. Und dpr hat es uns best\u00e4tigt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDpr? \u2013 Richtig! Der ver\u00f6ffentlicht im Juli 2008 ja ebenfalls einen Kriminalroman! KLAPPENbroschur! Man h\u00f6rt bislang nur Gutes dar\u00fcber!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schrunzen lachte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDpr! Dass ich nicht lache! Ein erfolgloser Krimiblogger! Sch\u00fcrzenj\u00e4ger, Nikotinmissbraucher, notorisch \u00fcberschuldet. Der ideale Kandidat, als Strohmann f\u00fcr die kriminalschriftstellerischen Ambitionen von OSKAR LAFONTAINE herzuhalten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beller \u00f6ffnete ihren Mund und bekam ihn nicht mehr zu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie wollen damit sagen, dass&#8230;dprs Krimi, der im Juli 2008 als KLAPPENbroschur erscheinen wird \u2013 in Wahrheit von Oskar Lafontaine stammt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo ist es. \u00dcbrigens wirklich ein hervorragender Krimi, das muss man Lafontaine lassen. Schreiben kann der. Der Roman wird Furore machen und es w\u00e4re empfehlenswert, sich hier ein handsigniertes Exemplar OHNE AUFPREIS vorzubestellen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHandsigniert? Von dpr oder Lafontaine?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon beiden gewisserma\u00dfen. Lafontaine wird dprs Unterschrift nachmachen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Anna Beller schwirrte der Kopf. Das bedeutete doch, dass Astrid Paprottas Romane von Angela Merkel geschrieben worden waren. Und die von Anne Chaplet von Anne Chaplet. Unglaublich!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnglaublich!\u201c fuhr es aus ihr heraus. \u201eAber was steckt dahinter? Oder besser: wer?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schrunz nahm einen Schluck Kaffee und starrte auf die Platte des K\u00fcchentischs.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist eine lange und unglaubliche Geschichte. Am besten lesen Sie das Gest\u00e4ndnis, das wir aus dpr herausgepr\u00fcgelt haben. Ich habe es dabei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kramte in ihrer Umh\u00e4ngetasche und brachte einige mit krakeliger Schrift beschriebene Bl\u00e4tter zum Vorschein, die sie der Beller hinschob.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist Sprengstoff, meine Liebe! Sie d\u00fcrften bereits ahnen, dass alleine die Tatsache einer krimischreibenden Bundeskanzlerin und eines ebenfalls krimischreibenden Vorsitzenden der Linkspartei diese Republik ersch\u00fcttern kann. Aber die Dimensionen sind noch viel gr\u00f6\u00dfer, schlimmer. Wahrscheinlich ist das kein deutsches, sondern ein globales Ph\u00e4nomen. Wir haben leider Grund zur Annahme, dass auch unser Pr\u00e4sident, der ehrenwerte Mister Bush, in seiner Freizeit Krimis schreibt und unter dem Namen eines Strohmanns ver\u00f6ffentlichen l\u00e4sst. George Pelecanos. Der schreibt bekanntlich Washington-Krimis \u2013 und in Washington kennt sich Bush aus. Ebenso in Texas. Dort angesiedelte Romane d\u00fcrfte er als \u201eJoe R. Lansdale\u201c unter die Leute bringen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein Gott!\u201c seufzte die Beller. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Ihr kam der schreckliche Verdacht, es handele sich bei all diesen unglaublichen Dingen um bizarre Hirngeburten des Autors und sie, die Beller, sein Gesch\u00f6pf m\u00fcsse solchen Schwachsinn nun ausbaden. Sie seufzte abermals. Es war in der Literatur wie im richtigen Leben: Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen und ist ihren Launen hilflos ausgeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLesen Sie\u201c, sagte Claudine Schrunz. \u201eIch werde mich etwas hinlegen. Ich glaube, wir k\u00f6nnten gute Freundinnen werden&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das glaubte die Beller keineswegs, sagte aber nichts. Sie nahm dprs Gest\u00e4ndnis und begann zu lesen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bisher geschah: IDIOT, die k\u00fcnstliche S\u00fcdseeinsel, auf der das deutsche Krimischaffen trainiert und erneuert werden sollte, ist untergegangen. Wickius und Claudine Schrunz treiben in einem Schlauchboot auf dem Pazifik und haben mehr oder weniger guten Sex. Dpr ist offensichtlich auch entkommen, Ludger Menke leider nicht. 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