{"id":17897,"date":"2007-09-20T05:18:08","date_gmt":"2007-09-20T05:18:08","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/09\/bernd-franzinger-jammerhalde\/"},"modified":"2022-06-06T23:49:35","modified_gmt":"2022-06-06T21:49:35","slug":"bernd-franzinger-jammerhalde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/09\/bernd-franzinger-jammerhalde\/","title":{"rendered":"Bernd Franzinger: Jammerhalde"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Pf\u00e4lzer haben kaum Freunde in dieser Welt. Gr\u00fcnde daf\u00fcr gibt es reichlich, einer davon: der Pfalzkrimi, die Roman gewordene Maul- und Klauenseuche, das Ekelfleisch der Literatur. Leider ist es jetzt dem neuesten Erguss des Kaiserslauterner Autors Bernd Franzinger gelungen, auf dem Schreibtisch des Rezensenten zu landen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eJammerhalde\u201c hei\u00dft das neueste Werk. Und sofort fragt man sich: Oh, ist nicht die ganze Pfalz eine Jammerhalde? Hat Franzinger es endlich begriffen? Nein, hat er nicht. In seinem Roman ist mit \u201eJammerhalde\u201c ein Waldgebiet in der N\u00e4he von Kaiserslautern gemeint. Dort hat eine ausl\u00e4ndische Soldateska zu Zeiten des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges die geflohenen Bewohner der Stadt gestellt und massakriert. Und jetzt, in der Neuzeit, geht der Spuk von vorne los. Man findet eine gek\u00f6pfte Leiche \u2013 und noch eine \u2013 und noch eine \u2013 und wenn der Autor nicht am Ende ein Einsehen h\u00e4tte, ginge das wahrscheinlich brav so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder ermittelt Franzingers Serienheld, der Kommissar Tannenberg. An seiner Seite u.a. ein Gerichtsmediziner, der bei einer Wahl der \u201e10 nervigsten Romanfiguren\u201c gro\u00dfe Chancen auf eine Podiumsplatzierung h\u00e4tte. Auch Tannenbergs Vater, ein Amateurdetektiv, nervt, ja, einmal unter uns: eigentlich nerven sie alle.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber nervt der Fall an sich. So recht voran geht es n\u00e4mlich nicht. Auch dass bereits in den Siebziger Jahren in der Jammerhalde gemordet wurde, bringt da keine Hilfe, ja, dieser Strang der Handlung ist vollkommen \u00fcberfl\u00fcssig und wird irgendwann auch nicht weiter verfolgt. Irgendwie bringt es Tannenberg fertig, den Kreis der Verd\u00e4chtigen einzukreisen \u2013 man frage bitte nicht, wie. Eine Art historischer Verein ger\u00e4t ins Visier der Polizei, eine sch\u00f6ne Frau Doktor verdreht Tannenberg den Kopf, der ihm beim ersten Rendezvous von b\u00f6ser Hand eingedellt wird. Tja, und jetzt geht\u2019s erst richtig los.<\/p>\n\n\n\n<p>Womit? Mit dem Ende nat\u00fcrlich. Nicht einmal Pf\u00e4lzer lieben Krimis, in denen der T\u00e4ter nicht entlarvt und festgenommen wird. Aber was soll Franzinger machen? Richtige Beweise, so etwas wie Durchblick hat sein Tannenberg nicht. Also ruft er alle Verd\u00e4chtigen zusammen und, siehe da, einer gesteht. Das Motiv ist, mit Verlaub, von einer Bl\u00f6dheit, die selbst den an allerhand erz\u00e4hlerische Waghalsigkeiten gew\u00f6hnten Rezensenten f\u00fcr einen Moment sprachlos macht. Bis er sich erinnert: Aha, ein Pfalzkrimi. Also bitte nicht auf irgendwelche Logik hoffen. Das kaufen sich die Benachteiligten jenseits der Grenze und stellen es in den B\u00fccherschrank, neben all die anderen Franzingers. Dort stehen sie gut.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Bernd Franzinger: Jammerhalde. <br \/>Gmeiner 2007. 324 Seiten. 9,90 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pf\u00e4lzer haben kaum Freunde in dieser Welt. Gr\u00fcnde daf\u00fcr gibt es reichlich, einer davon: der Pfalzkrimi, die Roman gewordene Maul- und Klauenseuche, das Ekelfleisch der Literatur. 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