{"id":17918,"date":"2007-10-08T05:33:22","date_gmt":"2007-10-08T05:33:22","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/10\/die-buchmesse-eine-vorfreude\/"},"modified":"2022-06-07T00:21:33","modified_gmt":"2022-06-06T22:21:33","slug":"die-buchmesse-eine-vorfreude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/10\/die-buchmesse-eine-vorfreude\/","title":{"rendered":"Die Buchmesse. Eine Vorfreude"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Donnerstag zieht es mich, wie jedes Jahr, f\u00fcr einen Tag aus der tiefen Provinz in die noch tiefere Metropole. Frankfurt! Am Main! Buchmesse! Mit Stullenpaket, Wechselsocken und Brustbeutel (90% aller Frankfurter sind Taschendiebe) werde ich die heiligen Hallen betreten \u2013 und mich im gleichen Moment fragen, warum ich mir das alles antue. Wegen der B\u00fccher, du Idi!, schreit das Fr\u00e4uleinchen Anobella jetzt, ich h\u00f6rs mit s\u00e4mtlichen inneren Ohren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch das Entbehrlichste auf Buchmessen sind nat\u00fcrlich die B\u00fccher. H\u00fcbsche Fototapeten (\u201edie kurf\u00fcrstliche Bibliothek von Kleinfalkenau\u201c) t\u00e4ten es auch und w\u00e4ren zudem billiger. Es gibt auch keine \u201eB\u00fccherratten\u201c, die an Verlagsst\u00e4nden herumsitzen und sich \u201ein Literatur versenken\u201c, wie\u2019s der nette Mann vom Feuilleton immer so ausdr\u00fcckt. Das sind alles bezahlte Statisten, die der B\u00f6rsenverein des Deutschen Buchhandels stets dann einsetzt, wenn sich eine Fernsehkamera n\u00e4hert.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast genauso entbehrlich wie die B\u00fccher sind die AutorInnen. Sie sitzen in den Kojen vor einem Glas Orangensaft und warten darauf, angesprochen zu werden. Spricht man sie aus Mitleid wirklich einmal an, fragen sie sofort: \u201eSind Sie von der FAZ oder kommen Sie von ARTE oder geh\u00f6ren Sie auch zum ITZEHOER VOLKSBOTEN wie der Typ, der eben hier war?\u201c Eine Antwort kann man sich sparen. Man muss den AutorInnen nur ein Mikrophon \u2013 kann auch eine Banane sein \u2013 vor den Mund halten, schon sind sie selig und beginnen mit der Bescheidenheitsnummer, die ihnen ihr Verleger eingebleut hat. \u201eIch bin ja NUR ein Krimiautor&#8230;Bottini ist ja so viel besser, ein richtiger Dichter fast&#8230;aber ich verkaufe mehr B\u00fccher als der&#8230;v\u00f6llig ungerechterweise, versteht sich&#8230;ich schreibe ja nur aus Spa\u00df an der Freud&#8230;aber neulich, bei der Lesung in Bamburg, hat einer gar nicht verstanden, warum ich immer noch nicht den B\u00fcchnerpreis&#8230;uswusf\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, am wichtigsten sind die Kontakte, die man auf Buchmessen pflegen kann. Es sind n\u00e4mlich alle da, weshalb als bekanntestes gefl\u00fcgeltes Wort immer noch das von der \u201egr\u00f6\u00dften Arschlochdichte der Republik\u201c gilt. Und immer geht es um Geld. Mit der neuen, h\u00f6chst erfreulich gef\u00e4lschten Blogzugriffsstatistik stiefelt man von Verlag zu Verlag und begr\u00fcndet schwarz auf wei\u00df, warum die Rezensionsgeb\u00fchren schon wieder um 20% erh\u00f6ht werden m\u00fcssen und auch ein Verriss leider nicht mehr kostenlos geliefert werden kann. Auch Negativwerbung ist schlie\u00dflich Werbung. Dabei hilft die schlichte, aber eindrucksvolle physische Pr\u00e4senz sehr. Nehmen wir als Beispiel jene Wiesbadener Krimischaffende, der wir schon seit Jahren ihren Blog f\u00fcr\u2019n Appel und\u2019n Ei abluchsen wollen, die bei entsprechenden telefonischen Anfragen aber immer sofort den H\u00f6rer auflegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Messe entkommt sie mir nicht. Selbstverst\u00e4ndlich ist auch sie auf die k\u00f6rperliche Konfrontation vorbereitet und hat sich mit allen Waffen des Weiblichen eingedeckt, also Ledermini, High Heels und Tr\u00e4nengasspray. Doch hat man sich selbst auf diese Attacke vorbereitet und morgens extra lange kalt geduscht, um der Erotik erfolgreich Paroli bieten zu k\u00f6nnen. Und am Ende kriegt man den Blog f\u00fcr\u2019nen F\u00fcnfziger. Mein Wort drauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt, drei Tage vor meinem Frankfurt-Besuch, treiben mich drei Fragen um. Erstens: Was tragen die M\u00e4dels an den St\u00e4nden dieses Jahr? Wieder kurze R\u00f6cke und aufgekn\u00f6pfte Blusen oder geht der Trend heuer zum Hosenanzug, wie schon 1994? Zweitens: Wird trotz Rauchverbot in den Hallen wieder ordentlich gepafft werden? Und drittens, ganz wichtig: Komme ich \u00fcberhaupt nach Frankfurt oder werde ich Opfer eines Bahnstreiks wie schon beinahe im Vorjahr?<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Frankfurter Buchmesse, das ist immer eine spannende Sache. Und, da sie \u00fcberraschenderweise auch noch etwas mit Literatur zu tun haben soll, sogar gut f\u00fcrs Image. \u201eIch war auf der Buchmesse\u201c, das klingt fast so intellektuell wie \u201eIch hab gestern das Feuilleton der ZEIT gelesen, ohne dabei einzuschlafen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Donnerstag zieht es mich, wie jedes Jahr, f\u00fcr einen Tag aus der tiefen Provinz in die noch tiefere Metropole. Frankfurt! Am Main! Buchmesse! Mit Stullenpaket, Wechselsocken und Brustbeutel (90% aller Frankfurter sind Taschendiebe) werde ich die heiligen Hallen betreten \u2013 und mich im gleichen Moment fragen, warum ich mir das alles antue. 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