{"id":17938,"date":"2007-10-25T05:18:15","date_gmt":"2007-10-25T05:18:15","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/10\/monika-geier-schwarzwild\/"},"modified":"2022-06-13T15:36:48","modified_gmt":"2022-06-13T13:36:48","slug":"monika-geier-schwarzwild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/10\/monika-geier-schwarzwild\/","title":{"rendered":"Monika Geier: Schwarzwild"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Pfalz ist der Erdenplanet ein prallrunder Saumagen, auf dem die Kontinente wie fette Wurstscheiben driften und die Meere als Weinpf\u00fctzen d\u00fcmpeln. Und erst Bad D\u00fcrkheim! Pfalzkrimi kann also im Regelfall nichts anderes sein als lausig dramatisierte Tourist Information, aber da der Regelfall seine Ausnahmen kennt, sehen wir uns heute in der gl\u00fccklichen Lage, von einem solchen berichten zu d\u00fcrfen. Denn Monika Geiers &#8222;Schwarzwild&#8220; ist ein gelungenes St\u00fcck Kriminalprosa.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zwei Wanderinnen entdecken einen verd\u00e4chtigen Knochen im Wildschweinpferch, verd\u00e4chtig, weil er arg danach aussieht, von einem Menschen zu stammen. Kurz darauf verschwindet eine der beiden Frauen spurlos im Wald. Schlechte Ausgangslage f\u00fcr Kommissarin Bettina Boll von der Ludwigshafener Kripo, hat sie doch neben h\u00e4uslichen Problemen auch noch mit Wetterkapriolen zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wacker beginnt sie mit ihrer Arbeit und allm\u00e4hlich versammelt sich das Personal der Romans. Ein Gastronom mitsamt Mutter, ein frauenjagender Klavierspieler, eine Witwe, die gerne wieder lustig w\u00e4re, dazu allerlei Nebenfiguren, aber zu denen kommen wir gleich noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte selbst entwickelt sich als handels\u00fcblicher Whodunnit, sauber geplottet, es formiert sich das \u00fcbliche F\u00e4hnlein Verd\u00e4chtiger, Sauereien aller Art kommen ans Tageslicht, das Ende ist nachvollziehbar, wenngleich man sich immer noch fragt, wie denn ein Rudel Wildschweine so mir nichts dir nichts Leichen skelettieren kann, ohne dass es jemandem auff\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist aber so: Nicht unbedingt die Story h\u00e4lt einen mit wachsenden Vergn\u00fcgen im Text . Es sind die genau austarierten Charaktere der Personen, dieses weder zu viel noch zu wenig. Wir wagen nicht daran zu denken, was andere aus dem Umstand gemacht h\u00e4tten, dass Kommissarin Boll um ihre verstorbene Schwester trauert, deren Kinder gro\u00dfziehen muss und deshalb auf Teilzeit gehen will. Monika Geier zeichnet dieses Szenario knapp und tief genug, verzichtet aber auf die sonst \u00fcblichen Abschweifungen. So soll es sein. Sch\u00f6n auch, wie das Nebenpersonal gezeichnet wird. Ein paar S\u00e4tze, ein Halbdutzend Gedanken und Bemerkungen, mehr braucht es nicht, um aus Stichwortlieferanten Personal zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re nun schon ganz sch\u00f6n, aber die Autorin setzt noch eins drauf: ihre Sprache. Die ist konzentriert, genie\u00dft aber dennoch jenen Freilauf, der eine Geschichte \u00f6ffnet, und verzichtet gottlob auf biederen Detailwahn, den unbegabtere Krimischaffende viel zu h\u00e4ufig mit Erz\u00e4hlkunst verwechseln.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Die D\u00fcrkheimer Polizeiwache lag etwas einsam am Rande des leeren Wurstmarktplatzes direkt neben der halbrenovierten Talstation einer kleinen Seilbahn, die auf einen Berg f\u00fchrte, der ohne diese Bahn vermutlich nur halb so interessant gewesen w\u00e4re.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>So wie sie sich hier aus der Geschichte in eine andere assoziiert, wandert die Autorin l\u00e4ssig durch den gesamten Text wie nur ein Pf\u00e4lzer durch seine W\u00e4lder, tritt hier und da lakonisch-witzig ins Gestr\u00fcpp, macht ein paar Schritte in einen Seitenpfad, kehrt aber immer wieder zu ihrer Geschichte zur\u00fcck. Die nun \u00fcberhaupt nichts mit &#8222;Pfalz-und Wein-und Wurstmarktkrimi&#8220; zu tun hat, sondern viel mit guter Kriminalliteratur.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Monika Geier: Schwarzwild. <br \/>Argument Verlag (Ariadne Krimi) 2007. 320 Seiten. 11 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Pfalz ist der Erdenplanet ein prallrunder Saumagen, auf dem die Kontinente wie fette Wurstscheiben driften und die Meere als Weinpf\u00fctzen d\u00fcmpeln. Und erst Bad D\u00fcrkheim! 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