{"id":20822,"date":"2007-11-06T08:51:39","date_gmt":"2007-11-06T08:51:39","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/11\/no-chinamen-please\/"},"modified":"2022-06-07T00:46:32","modified_gmt":"2022-06-06T22:46:32","slug":"no-chinamen-please","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/11\/no-chinamen-please\/","title":{"rendered":"No Chinamen, please"},"content":{"rendered":"\n<p>Nichts gegen Elmore Leonard. Aber manchmal w\u00fcnscht man sich, die Krimiautoren blieben Krimiautoren und hielten sich bei den Gesetzgebungsverfahren des Genres zur\u00fcck. Zehn \u201eSchreibregeln\u201c hat Leonard zum Besten gegeben und Kollege Bu\u00dfmer diese dankenswerterweise verdeutscht und \u2192<a href=\"http:\/\/kriminalakte.wordpress.com\/2007\/11\/04\/kleinkram-mit-elmore-leonard-%e2%80%93-und-anderen\/\"> ins Netz<\/a> gestellt. Grausige Regeln.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dabei: Klingt zun\u00e4chst alles sehr vern\u00fcnftig. Dass man keinen Roman mit dem Wetter beginnen solle, etwa. \u201eEs war eine st\u00fcrmische Sp\u00e4tsommernacht, \u00fcber Schloss Crimecastle braute sich ein Gewitter zusammen.\u201c Jo, n\u00e4, furchtbar. Oder Leonards Verdikt, man habe Prologe gef\u00e4lligst zu vermeiden. Unterschreibt man ja gerne. Ebenso die Forderung, einen Dialog ausschlie\u00dflich unter Verwendung des Verbs \u201esagte\u201c voranzutreiben und auf erkl\u00e4rende Adverbien (\u201esagte h\u00f6hnisch\u201c etc.) zu verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber irgendwie, je l\u00e4nger man dr\u00fcber nachdenkt\u2026Warum eigentlich soll es verboten sein, einen Dialog anders als mit \u201esagte\u201c zu best\u00fccken? Sollte es sich hier wirklich um ein Naturgesetz handeln, in dem ein \u201e\u2019Ich liebe dich!\u2019, sagte sie h\u00f6hnisch\u201c nicht vorgesehen ist? Und warum nicht auch mal mit dem Wetter beginnen, wenn es dem Autor dramaturgisch sinnvoll erscheint?<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00e4nzlich ins Kopfsch\u00fctteln kommt man bei Leonards Forderung, genaue Beschreibungen von Personen, Pl\u00e4tzen und Gegenst\u00e4nden zu vermeiden. Dass wir auch hier zun\u00e4chst nicken, liegt schlicht daran, dass solche Beschreibungen h\u00e4ufig schlecht gemacht und\/oder \u00fcberfl\u00fcssig sind. Es kann aber geradezu zwingend notwendig sein, eine Szenerie detailliert auszuleuchten, ja, die Konzeption eines Textes kann mit der F\u00e4higkeit des Autors, kleinste Kleinigkeiten zu beobachten und an uns weiterzugeben, stehen und fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sch\u00f6nste Regel aber ist die 10. und letzte: <em>\u201eVersuche die Teile wegzulassen, die der Leser \u00fcberlesen wird.\u201c <\/em>Das ist nun wirklich grausig. Woher wei\u00df ich das? Sind es die \u201elangweiligen\u201c Teile \u2013 und was ist dann langweilig? Sind es die vorgenannten Detailschilderungen? Nun ja, wenn die notwendig sind und der Leser \u00fcberliest sie, dann ist im Zweifelsfall der Leser selber schuld \u2013 oder der Autor, weil ers halt nicht hingekriegt hat, den Leser von der Notwendigkeit solcher Passagen zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Regeln sind sch\u00f6n und gut. Aber mal davon abgesehen, dass auch Leonards Qualit\u00e4ten kaum auf der Befolgung solcher Leits\u00e4tze basieren d\u00fcrften, sind sie die Feinde jeglicher Literatur. Die n\u00e4mlich hat sich ihre Regeln gef\u00e4lligst immer wieder neu zu erfinden. Oder die alten kritisch unter die Lupe zu nehmen, bevor man sie anwendet. Das ist nun kein theoretisches Gespinst, sondern l\u00e4sst sich an der Entwicklung der Kriminalliteratur wunderbar nachvollziehen. H\u00e4tte man sich st\u00e4ndig an starre Regeln gehalten, d\u00fcrften wir uns weiterhin ausschlie\u00dflich an den wunderbaren Abenteuern im Stile eines Sherlock Holmes delektieren oder der zw\u00f6lftausendneunhundertsten Inkarnation von Edgar Wallace zujubeln. Was viele ja auch immer noch tun. Aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts gegen Elmore Leonard. Aber manchmal w\u00fcnscht man sich, die Krimiautoren blieben Krimiautoren und hielten sich bei den Gesetzgebungsverfahren des Genres zur\u00fcck. Zehn \u201eSchreibregeln\u201c hat Leonard zum Besten gegeben und Kollege Bu\u00dfmer diese dankenswerterweise verdeutscht und \u2192 ins Netz gestellt. 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